Ministerpräsident Markus Söder in der BR-Fragerunde „jetzt red i“.
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Ministerpräsident Markus Söder in der BR-Fragerunde „jetzt red i“.

Bei „jetzt red i“

Schuhhändler aus Bayern geht Söder im BR massiv an - Der schießt direkt zurück

  • Thomas Eldersch
    vonThomas Eldersch
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Ministerpräsident Markus Söder musste sich eine Stunde lang im TV den Fragen von Unternehmern stellen. Dabei wurden die Ängste und der Frust der Anwesenden deutlich.

München - Die Verzweiflung bei vielen Unternehmern in Bayern ist groß. Der zweimonatige Lockdown* - und im Falle der Kultur und Gastronomie schon über drei Monate - zerrt nicht nur an den Nerven, sondern auch am Geldbeutel. Jetzt bekamen Einzelhändler, Hoteliers und Kulturschaffende die Möglichkeit Ministerpräsident Markus Söder* (CSU) in der BR-Sendung „jetzt red i“ Fragen zu stellen. Dieser versprach baldige Besserung, aber nicht für alle und überall.

Corona-Lockerungen in Bayern: Unverständnis über die Bevorzugung mancher Handelszweige

Ab kommender Woche dürfen Blumenläden und Baumärkte ihre Türen wieder aufsperren. Für den Schuh-Händler Axel Schöll aus Schweinfurt (Inzidenz: 13,1, RKI 25. Februar, 3.10 Uhr) ein Schlag ins Gesicht: „Er (Söder, Anm. d. Red.) möchte Lebensmittelhändler und Baumärkte gleichbehandeln und dabei schießt er uns eins richtig vor den Kopf.“ Für Söder liegt die Begründung für die Öffnung aber nahe: Diese Geschäfte bieten verderbliche Waren an. Derselbe Grund wurde auch bei Baumärkten angeführt, die sonst die Hälfte ihrer Ladenfläche absperren müssten.

Aber seien diese Läden denn sicherer als sein Schuhladen, fragte der Einzelhändler noch einmal nach. Dazu konnte der Ministerpräsident jedoch keine erschöpfende Antwort geben und ging in den Gegenangriff. „Hätte es nirgendwo ein Infektionsgeschehen gegeben, dann hätte es auch ein keine zweite Corona-Welle* gegeben.“ Der aktuelle Forschungsstand gebe es nicht her, nachzuvollziehen, wo sich die Menschen genau angesteckt haben. „Schule galt lange als sicher, auch das ist widerlegt worden“, antwortete Söder. Immerhin gab es für den Schuh-Händler am Ende eine Perspektive. Bei der Ministerpräsidentenkonferenz kommende Woche werde auch über den Handel gesprochen und „für sie in Schweinfurt sieht es dabei relativ gut aus“. Für seinen Kollegen in Tirschenreuth (Inzidenz: 281,8) stelle sich die Lagen hingegen schwieriger dar.

Corona in Bayern: Söder sichert Hilfen für Unternehmen zu

Im Hotel- und Gaststättengewerbe ist die Situation ebenfalls problematisch. Viele träumen hier bereits von einer Öffnung zu den Osterferien. Der anwesende Hotelbetreiber Hannes Lichtmannegger aus dem Berchtesgadener Land würde sich auch wünschen, lieber früher als später zu öffnen. Nur, sollte eine verfrühte Öffnung zu einer möglichen dritten Welle führen, „dann beiße ich lieber nochmal in den sauren Apfel, damit ich wenigstens im Sommer aufsperren kann“. Er appellierte nur an Söder, dass die Unterstützungsgelder fließen sollen, einige Kollegen würden bereits durchdrehen. Seine Antwort war: „Wir haben in Berlin extrem Druck gemacht. Jetzt machen wir in Bayern Druck.“ Und zur Öffnungsperspektive fügte er hinzu: „Lieber etwas langsamer aber dafür sicher, anstatt jetzt die Nerven zu verlieren.“

Im Studio war auch der Selbständige Tilman Schaich aus München, den Corona* arbeitslos gemacht hat und der Angst hat bald seine Miete nicht mehr zahlen zu können. Er konnte sie bisher stunden, muss sie aber bis 2022 zurückzahlen. Große Unternehmen wie Daimler hingegen würden Millionen-Gewinne einfahren und staatliche Hilfen bekommen, die sie nicht zurückzahlen müssen. Für den Münchner unverständlich. In Berlin habe man entschieden, auf solche Hilfen zu setzen, so Söder nüchtern. Andere Konzepte stünden derzeit nicht zur Debatte. Er könne aber selbst auch Hilfen beantragen und „das Gesetz, dass ihnen wegen Corona* nicht die Wohnung gekündigt werden darf, wurde noch einmal verlängert“.

Hier können Sie sich die Sendung noch einmal selbst ansehen (Video)

Corona: Söder verspricht die Sorgen der Unternehmer mit nach Berlin zu nehmen

Viel Frust, der dem Ministerpräsidenten dort gestern im BR-Studio entgegenschlug. Mit den Lösungsvorschlägen Söders konnten die Anwesenden nur bedingt leben. Mit Leidenschaft wurden da Argumente vorgebracht. Die Existenzangst vieler Unternehmer wurde hier deutlich. Söder versprach einige Argumente in die Konferenz am 3. März mitzunehmen. Und bei dem Engagement der Anwesenden habe er keine Angst, dass sie die Corona-Krise überstehen werden. (tel) *Merkur.de ist Teil des Ippen-Digital-Neztwerks.

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