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Felix Freundorfer (13) griff ein, als eine   Mitschülerin Anna-Lena (li.) in den Rücken stach.

Medaillenvergabe in der Residenz

Söder ehrt Bayerns Lebensretter - ihre Taten lassen aufhorchen

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Ein Saal voller Helden war am Mittwoch in der Münchner Residenz versammelt. Ministerpräsident Markus Söder zeichnete 99 Lebensretter aus dem Freistaat mit der Bayerischen Rettungsmedaille und der Christophorus-Medaille aus. 

München – So ein Ministerpräsident ist ganz schön groß. 1,94 Meter, um genau zu sein. Davon lässt sich sich Melina Hacker, sechs Jahre alt, die gefühlt ungefähr die Hälfte misst, aber nicht einschüchtern. Schließlich steht sie, die Lebensretterin, heute im Mittelpunkt. Noch einmal kurz die Zöpfe zwirbeln, dann stellt sie sich auf die Zehenspitzen und linst in die Urkunde, die Markus Söder für sie bereithält. Das Mädchen aus dem oberfränkischen Forchheim hat seiner Mama gleich zweimal das Leben gerettet; brachte der zusammengebrochenen Diabetikerin etwas Süßes gegen den Unterzucker und holte Hilfe. Damals war Melina vier beziehungsweise fünf Jahre alt.

Auf Zehenspitzen lugt Melina Hacker (6) in ihre Lebensretter-Urkunde. Dazu gab es vom Ministerpräsidenten die Christophorus-Medaille und einen Stofflöwen.

Für ihr beherztes Eingreifen verlieh ihr Ministerpräsident Söder am Mittwoch in der Münchner Residenz die Christophorus-Medaille, mit der der Freistaat jene Bürger ehrt, die unter besonders schwierigen Umständen Menschenleben gerettet haben. 54 Retter wurden dieses Jahr geehrt. Außerdem bekamen 45 Menschen die Bayerische Rettungsmedaille, weil sie sich selbst in Lebensgefahr begeben haben, um anderen zu helfen.

Die jüngste Lebensretterin war bei ihrer Tat vier Jahre alt

Diese Bayern. Ob alt oder jung, Mann oder Frau, Polizist, Rentner, Handwerker oder Student: Wenn es um Menschenleben geht, stürzen sie sich in reißende Flüsse, rennen in brennende Häuser, eilen zu Autos, die in Flammen stehen, fallen Gewalttätern in den Arm oder springen auf Bahnschienen. Manchmal ist es aber auch nur eine helfende Hand oder ein Notruf zum richtigen Moment, dann, wenn andere wegschauen. Einen Satz hört man von den Lebensrettern – die Jüngste bei ihrer Tat vier, der Älteste 75 Jahre alt – immer wieder: „Ich habe nicht groß überlegt.“ Sondern gehandelt, wenn es darauf ankam.

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So wie im Fall von Felix Freundorfer, 13 Jahre alt, aus Stephansposching in Niederbayern. Während er in den Gängen der Residenz an einem Schokocroissant kaut, erzählt der Sechstklässler im grünem Karohemd und Lederhose, wie er einschritt – als eine Mitschülerin urplötzlich seine Klassenkameradin Anna-Lena mit einem Messer von hinten niederstach. „Ich bin einfach dazwischengesprungen“, sagt er. 

Söder: „Der Freistaat ist sehr stolz auf Sie“

Er nahm der psychisch kranken Angreiferin das Messer ab und rief um Hilfe. Danach, als ihm bewusst wurde, was da vorgefallen war, hat er ein paar Schocktränen vergossen, gesteht Felix. Echte Helden weinen eben manchmal doch. Hauptsache, dass sie an diesem Tag beide lachen können – der Retter und die Gerettete. Anna-Lena hat Felix nämlich zu seiner Ehrung begleitet. „Ich find’s cool, dass er eine Medaille bekommt“, sagt sie.

Das Antiquarium der Münchner Residenz bot mit seinen Büsten, Statuen und dem stuckdekorierten und bemalten Gewölbe den Rahmen für die Medaillenverleihung.

Das ist der Sinn der Sache, betont Ministerpräsident Söder in seiner Rede vor den Lebensrettern, deren Familien, vielen mit angereisten Geretteten und Vertretern aus Regierung, Behörden und Kirchen. Die Ehrung sei nicht nur ein „besonderes Dankeschön“, so Söder, sondern solle auch den Vorbildcharakter der Lebensretter herausheben: „Sie haben Mut bewiesen, wo andere vor Angst erstarren. Der Freistaat Bayern ist sehr, sehr stolz auf Sie.“

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Dieser Stolz spiegelt sich in den Gesichtern der Lebensrettern wider, die die Gelegenheit noch für ein paar Schnappschüsse und Selfies mit dem Ministerpräsidenten nutzen. Obwohl jeder drankommen will, ganz ohne Schubsen und Drängeln. Das gehört sich schließlich nicht, wenn Helden unter sich sind.

Diese Menschen aus Oberbayern bekamen die Bayerische Rettungsmedaille: 

Wolfgang Bürkle (Krailling), Daniel Böllinger, Harald Edbauer, Markus Kollmannsberger, Ferdinand Kotschenreuther, Julia Krüger, Gerhard Ring und Adrian Weber (München), Ludwig Gröber (Gauting), Thomas Maier (Brunnthal), Manfred Kick (Garching), Michael Kingston (Mammendorf), Dominik Pauli (Fürstenfeldbruck), Herbert Reiter (Teisendorf). Die Christophorus-Medaille erhielten: Ludwig Birner und Sebastian Erb (Fischbachau), Susen Dürkes, Daniel Greger, Bastian Heinlein, Betina Heldt, Christian Herholz, Vincent van Honk, Verena Trum und Armin Wolpers (München), Waldemar Gut (Geretsried), Bastian Halama (Penzberg), Wolfgang Jais (Altomünster), Jonas Küppers und Sandra Werner (Neumarkt-Sankt Veit), Dominik Magyar (Alling), Dominik Mautz (Maisach), Laurenz Mehl (Gilching), Moritz Metzler (Teisendorf), Mohamed Salama (Garching), Michael Spägele (Schäftlarn), Vincent Weber (Eichenau), Magdalena Wisgott (Dollnstein).

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