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Söder weist Kritik zurück: Impfung auch in Apotheken möglich

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Kabinett Bayern
Markus Söder, Ministerpräsident von Bayern, eröffnet eine Kabinettssitzung in der Staatskanzlei. © Matthias Balk/dpa

Die Impfquote steigt kaum noch. Jetzt soll die Spritze gegen Corona auch in Apotheken verabreicht werden. Die Politik erhofft sich zumindest einige zusätzliche Impfungen. Doch es gibt auch Gegenwind.

München - Begleitet von deutlicher Kritik des Hausärzteverbandes haben die Apotheken in Bayern am Dienstag mit den Impfungen gegen das Coronavirus begonnen. Am Montag hatten sich mindestens 122 Apotheken für eine Teilnahme an der Impfaktion bemüht. Die Hausärzte kritisieren die Beteiligung der Apotheken als „Überschreiten von Grenzen der medizinischen Heilberufe“ und als Gefahr für die Patientensicherheit. Zudem bestehe derzeit ein Überangebot sowohl an Impfstoff als auch an Terminen in Impfzentren und Arztpraxen.

Ministerpräsident Markus Söder (CSU) sprach sich dagegen klar für die Impfungen in den Apotheken aus: „Die gesamte Impfkampagnen geht nicht so richtig voran. Deshalb muss man sie verstärken. Zumindest solange es keine allgemeine Impfpflicht gibt“, sagte er in München. Dazu gehörten auch niederschwellige Angebote wie in Apotheken, diese seien eine gute Ergänzung zu den Impfzentren und Arztpraxen. Auch mit Blick auf möglicherweise wieder stark ansteigenden Bedarf an flächendeckenden Impfungen, etwa wenn neue angepasste Impfstoffe auf den Markt kommen würden, sei es gut, eine dritte Säule zu haben.

Söder betonte, dass in Bayern die Impfzentren das ganze Jahr über weiter aufrechterhalten werden sollten, um schnell reagieren zu können, wenn der Bedarf wieder ansteige.

Der Bundestag hatte am 10. Dezember mit einer Änderung des Infektionsschutzgesetzes grundsätzlich den Weg für Apotheker, Tierärzte und Zahnmediziner freigemacht. Allerdings sind Veterinäre und Zahnärzte noch nicht an der Reihe. In der entsprechenden Coronavirus-Impfverordnung des Bundes werden diese als Leistungserbringer bisher nicht genannt.

Der Bayerische Apothekerverband rechnet damit, dass sich viele der knapp 3000 Apotheken im Land an der Impfaktion beteiligen werden. „Wir gehen von einem Drittel aus“, sagte eine Verbandssprecherin. „Es gibt viele, die sagen: Wir würden das gerne anbieten.“ Jede einzelne Impfung helfe, die Impfquote zu verbessern. Impfwillige könnten auf dem Internet-Portal „Mein Apothekenmanager“ nachsehen, welche Apotheke Impfungen anbietet.

Apothekerinnen und Apotheker mussten eigene, aus fünf Modulen bestehende Schulungen mit theoretischen und praktischen Anteilen durchlaufen, um die Impferlaubnis zu erhalten. Die Berufshaftpflichtversicherung habe erweitert werden müssen, eine Selbstauskunft gegenüber der Apothekerkammer sei notwendig. Zudem müssen in der Apotheke eigene, abgetrennte Räumlichkeiten zur Verfügung stehen.

Nicht zuletzt sei der Nachweis eines aktuell durchlaufenen Erste-Hilfe-Kurses notwendige Voraussetzung, hieß es. Für die Ärzteschaft ist das zu wenig. Die Ausbildung belaufe sich auf „wenige Stunden“ - im Vergleich zu zwölf Jahren bei Ärzten, beklagte der Hausärzteverband.

Einzelne Apotheker halten dagegen, die Impfungen würden bei Ärzten häufig von Hilfspersonal verabreicht - in Apotheken dürften das nur Pharmazeuten. Beide Berufsstände erhalten 28 Euro pro Impfung während der Woche und 36 Euro am Wochenende. Hinzu kommt etwa ein Euro pro Dosis an Vergütung für die Impfstoffbeschaffung. dpa

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