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In diesem Haus in Erding lebte der Soldat monatelang mit anderen Flüchtlingen.

Was hatte der 28-Jährige geplant?

Soldat als falscher Flüchtling: Der rätselhafte Fall Franco A.

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    Katrin Woitsch
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Auch nach der Verhaftung des Berufssoldaten Franco A. sind viele Fragen offen. Wie konnte sich der 28-jährige Deutsche unbemerkt als syrischer Flüchtling ausgeben? Was hatte er geplant? Auch in einer Erdinger Unterkunft hat er gelebt. Dort galt er als ruhig – und merkwürdig.

Zirndorf/ErdingSein Doppelleben ging über ein Jahr lang gut. Und das, obwohl seine Scheinidentität nicht besonders glaubwürdig konstruiert war. Als der 28-jährige Oberleutnant Franco A. Anfang 2016 in der Erstaufnahmeeinrichtung im mittelfränkischen Zirndorf Asyl beantragte, nannte er sich David Benjamin. Ein Name, der nicht besonders syrisch klingt. Trotzdem nahmen ihm die Behörden ab, dass er syrischer Christ sei. Ein Obstverkäufer aus Damaskus. A. sprach nach einem Kurs bei der Bundeswehr zwar gebrochen Arabisch. Nach Recherchen des Spiegels soll die marokkanische Dolmetscherin aber nach wenigen Minuten das Gespräch auf Französisch weitergeführt haben, satt zu versuchen, seinen Dialekt einzuordnen. Er hatte angegeben, französische Wurzeln zu haben.

Befragt wurde A. ausgerechnet von einem anderen Soldaten, wie der Spiegel berichtet. Ihm fiel nicht auf, dass er keinen Syrer, sondern einen Oberleutnant vor sich hatte. Seine Geschichte schmückte der 28-Jährige mit vielen Details. Arabisch spreche er kaum, weil er ein französisches Gymnasium besucht habe. Wegen seines jüdisch klingenden Namens sei er vom Islamischen Staat verfolgt worden. Angebliche Verletzungen durch Granatsplitter an der Schulter ließen sich die Mitarbeiter des BAMF nicht zeigen. A. erhielt als David Benjamin eine Aufenthaltsberechtigung und kassierte über ein Jahr lang Sozialleistungen neben seinem Sold als Berufssoldat. Seine falsche Identität flog nur auf, weil er eine scharfe Pistole am Flughafen in Wien versteckt hatte. Als er sie abholen wollte, schnappte ihn die Polizei und fand über die Fingerabdrücke heraus, dass er als Flüchtling registriert war. Seit Donnerstag sitzt der Mann in Frankfurt in U-Haft. Er soll gemeinsam mit einem 24-jährigen Komplizen, der ebenfalls aus dem hessischen Offenbach stammt, einen Anschlag geplant haben.

„Totalversagen der zuständigen Behörde“

Die Bundesregierung sprach von einem Verstoß gegen Sicherheitsvorschriften. Die Oppositionsparteien nannten es ein „Totalversagen der zuständigen Behörde“. Sie forderten eine lückenlose Aufklärung des Falls.

Auch in einer Asylunterkunft in Erding hatte Franco A. als David Benjamin über ein Jahr gelebt – in einem Mehrbettzimmer. Das berichtet Fritz Steinberger. Ihm gehört das Haus, in dem Flüchtlinge untergebracht waren. Steinberger kennt David Benjamin. „Er war ein eher ruhiger Typ, der nicht viel gesagt hat“, erzählt er. „Ein bisschen merkwürdig kam er mir schon vor. Wie ein Syrer schaute er eigentlich nicht aus.“

Franco A. war regelmäßig bei der Truppe

Einem Mitbewohner soll er gesagt haben, er übernachte öfter in München. Gründe dafür hatte er aber nicht genannt. Franco A. war während seiner Zeit als Flüchtling regelmäßig bei seiner Truppe, einem in Frankreich stationierten Jägerbataillon. Sobald er frei hatte, schlüpfte er wieder in seine Flüchtlingsrolle, gab sich als Obstverkäufer aus und plante gemeinsam mit einem 24-jährigen Komplizen eine „schwere staatsgefährdende Straftat“, wie die Ermittler berichten. Hintergrund sei ein fremdenfeindliches Motiv. Er wollte vermutlich, dass Flüchtlinge für den Anschlag verdächtigt werden. Auch sein mutmaßlicher Mittäter sitzt in Untersuchungshaft.

Nachdem A. im unterfränkischen Hammelburg festgenommen worden war, durchsuchten Beamte des Bundeskriminalamts und der Kripo die Erdinger Asylunterkunft. Nach Informationen unserer Zeitung wurden dort einige Gegenstände beschlagnahmt.

Lesen Sie auch: Bundeswehrler und Taliban als „Flüchtlinge“: Asyl-Slapstick

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