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Achtung, scharf: Voller Stolz zeigt der Vorsitzende des Biotop Oberland, Sebastian Giermann, seine Chilischoten im Gewächshaus. Bald werden sie auf die 110 Mitglieder verteilt.

Erntedank

Solidarische Landwirtschaft: Gemüse aus der Region

Bad Heilbrunn – Gemüse aus dem Supermarkt? Kommt den Mitgliedern der solidarischen Landwirtschaft in Bayern nicht in die Tüte. Lieber zahlen sie monatlich einen Betrag, bekommen regionales Gemüse - und helfen dem Bauern, sein Einkommen zu sichern.

Jeden Donnerstag kommen sie zusammen: Sebastian Girmann, Nick Fischer, Katharina Pohlova und Julia Frick. Von 7 bis 16 Uhr fahren die Vier die wöchentliche Ernte am Hofgut Letten in Bad Heilbrunn (Kreis Bad Tölz-Wolfratshausen) ein. Diesmal gibt es Mangold, Wirsing, Karotten, Lauch, Blattsalat, Endiviensalat sowie rote und gelbe Beete. Die vier Betreiber des Biotop Oberland pflücken, schneiden und graben aus. Schließlich soll es ihnen und den Mitgliedern gerade an Erntedank nicht an frischem Gemüse fehlen.

Deutschlandweit gibt es etwa 50 Höfe, die nach dem Prinzip der solidarischen Landwirtschaft arbeiten. Sogenannte Ernteteiler zahlen einen monatlichen Beitrag, im Gegenzug erhalten sie wöchentlich frische Lebensmittel. Die Idee dahinter: Ernteteiler zahlen keinen festen Preis für ein Produkt, sondern für die Leistung der Landwirtschaft.

Robert Vossler aus Bad Tölz ist Mitglied der ersten Stunde. Aus einem einfachen Grund: „Weil ich generell biologische Landwirtschaft unterstützen will. Denn die ist meiner Meinung nach am nachhaltigsten.“ Außerdem ist es ihm wichtig, dass das Gemüse aus der Region kommt und er Kontakt zum Erzeuger hat. Die Idee hat den 30-Jährigen überzeugt. Zumal es für sein Portemonnaie keinen Unterschied macht, ob er sein Gemüse auf diesem Weg, oder über den Supermarkt bezieht. Geschmacklich besteht dagegen durchaus ein Unterschied. „Die Paprika sind viel knackiger und aromatischer als die aus dem Supermarkt.“

„Wir brauchen mehr Mitglieder“

Frisch vom Feld: Sebastian Girmann und Ernteteilerin Ines Kiraly verteilen das Gemüse auf Kisten.

Inzwischen hat das Gemüse seinen natürlichen Lebensraum verlassen: Waschen und einpacken stehen auf dem Programm. Gemeinsam mit Ernteteilerin Ines Kiraly verteilen Betreiber die Ernte auf 110 Kisten, eine für jedes Mitglied. Dann geht die Reise weiter. Girmann packt die Kisten in einen Lieferwagen und startet seine Rundfahrt. Insgesamt neun Abholstationen im Landkreis, darunter ein Bio-Laden, eine Bäckerei und eine Gärtnerei, muss der 30-Jährige jetzt abklappern. „Da bin ich schon etwa fünf Stunden unterwegs. Im Prinzip den ganzen Vormittag. Alles, damit die Mitglieder möglichst bequem an ihr Gemüse kommen.

Doch warum dieser Aufwand, wo es doch so viel bequemer ist, sein Gemüse im Supermarkt zu kaufen? „Die Leute sollen wieder einen Bezug dazu bekommen, wo die Lebensmittel herkommen.“ Zum jetzigen Zeitpunkt bezieht nur Girmann ein Grundgehalt, seine drei Mitstreiter arbeiten ehrenamtlich. Das will der Lenggrieser als erstes in Angriff nehmen. „Wenn wir zwischen 150 und 200 Mitglieder haben, dann könnten wir das Team ausbezahlen.“

Derzeit ist das Geld aber knapp. „Im Moment kommen wir finanziell nur mittelmäßig zurecht. Dass die ersten zwei bis drei Jahre schwierig werden, war aber klar.“ Die Lösung liegt auf der Hand. „Wir brauchen mehr Mitglieder.“ Denn Girmann hat eine Vision: ein eigener Standort. „Dazu bräuchten wir aber etwa 400 Mitglieder.“ Derzeit wirtschaften die Biotopler nämlich auf 1,5 Hektar Pachtgrund. Und auch ein eigener Lieferwagen darf’s gerne sein.

Bastian Huber

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