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Pro und Contra

Sollen die Exen am Gymnasium wegfallen?

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München - Unangesagte Exen sollen nach CSU-Plänen reduziert werden. Sind Exen noch zeitgemäß oder gehören sie in die Mottenkisten? Wir haben Argumente pro und contra gesammelt.

Die Diskussion über die Abschaffung der Exen am Gymnasium hält an. Wie berichtet, hat die CSU-Landtagsfraktion bei ihrer Klausurtagung im Kloster Banz eine „zeitgemäße Gymnasialpädagogik“ vorgeschlagen. Ein nicht unwichtiger Punkt dabei: die „Prüfung von Struktur und zeitgemäßen Modellen der Leistungserhebung“. Dabei sollen unangesagte Extemporale reduziert werden. Kultusminister Ludwig Spaenle denkt an eine Änderung der Gymnasialen Schulordnung, in dem die Reduzierung von Exen als Empfehlung verankert werden könnte. Ein Verbot von Exen ist indes nicht geplant.

Während sich Vertreter verschiedener Lehrerverbände gegenüber unserer Zeitung eher skeptisch geäußert hatten, sind die Eltern offenbar von den Vorschlägen ganz angetan. „Wir waren immer schon der Meinung, dass die Reduzierung des Abfragens und des Auswendiglernens sinnvoll ist“, sagt der Landesvorsitzende des Bayerischen Elternverbands, Martin Löwe aus Rosenheim. Unangesagte Exen bedeuteten für die Kinder eine „starke Belastung“. Solches „bulimieartiges Lernen“ sei nicht nachhaltig.

Auch die Vorsitzende der Landeseltern-Vereinigung der Gymnasien in Bayern, Susanne Arndt, spricht sich für veränderte Aufgabenstellungen aus. Zum Beispiel seien angesagte Vokabel-Exen im Fach Latein ein probates Mittel und bei Schülern wie Lehrern beliebt, weil man sich darauf einstellen könne. Deswegen gebe es aber trotzdem nicht nur Einser. Auch in Biologie seien angesagte Grundlagentests möglich.

Eine Neuregelung könne jede einzelne Schule für sich beschließen, meint Arndt. Ihr Vorschlag: Lehrer sollten das Thema im Schulforum mit Elternbeirat und Schülern besprechen.

Pro Abschaffung: Aus der Mottenkiste

Die gefürchtete Extemporale ist ein Disziplinierungselement für Schüler aus der pädagogischen Mottenkiste. Schon das Wort ist Angst einflößend – und das soll wohl auch so sein. Aber: Muss Schule Angst verbreiten? Wohl nicht. Nun will ausgerechnet die CSU, der man das am wenigsten zugetraut hätte, die unangesagte Ex am Gymnasium abschaffen. Na sieh mal einer an. Bricht sich da ein modernes Verständnis von Pädagogik Bahn? Zu wünschen wäre es.

Es soll ja Schulen geben, in denen stressfreies Lernen ohne Druck von außen möglich ist. Wem das schon zu viel ist, dem sei gesagt, dass die Abschaffung der Ex ja auch nicht die Aufgabe sämtlicher Arten von unangesagter Leistungsmessung bedeutet. Das unangemeldete mündliche Abfragen, die Mitarbeit im Unterricht, die individuelle Beteiligung an einer Gruppenarbeit – all diese Möglichkeiten bleiben ja. Sie spornen den Schüler zum kontinuierlichen Lernen an und der Lehrer kann, wenn er will, den Schüler hier messen und benoten.

Es soll Lehrer geben, die sich über eine Schulstunde geärgert haben und dann beim nächsten Mal eine Ex servieren. Quasi als Bestrafung. Damit stellt sich der Lehrer selbst ein schlechtes Zeugnis aus. Schule soll keine „Lehranstalt“ sein, in der der Schulstoff wie eine bittere Medizin verabreicht wird. Die Ex ist antiquiert. Also: weg damit.

Dirk Walter

Contra Abschaffung: Noch immer zeitgemäß

Erst führt man Hals über Kopf das G8 ein, erhöht damit massiv den Druck auf die Schüler, nur damit sie ein Jahr schneller fertig werden, und jetzt will man plötzlich die Exen abschaffen, um den Leistungsdruck zu reduzieren. Daraus soll mal einer schlau werden.

Apropos: Um schlau zu werden, muss man in der Schule nicht nur aufpassen, sondern den Stoff nacharbeiten, Vokabeln pauken, dranbleiben. Einmal den Anschluss verpasst, wird es schwer – gerade bei den Sprachen. „Von nix kommt auch was!“ lautet ein Schüler-Spruch. Soll heißen: Irgendwie kommt man auch ohne lernen durch. Der Schüler ist naturgemäß ein Minimierer, wenn es ans Pauken geht. Auf die Extemporale zu verzichten, wäre ein Fehler. Die Angst vor Entdeckung ist ein unangenehmer, aber wichtiger Motivator, um mal ins Schulbuch zu schauen anstatt ins Handy. Die verstärkte Benotung von Gruppenarbeiten ist kein Ersatz. Der eine bringt sich fleißig ein, der andere nicht. Für Lehrer ist es schwer, das gerecht zu trennen.

Wenn man das Gymnasium zeitgemäßer gestalten will, wie es in dem CSU-Papier heißt, sollte man sich lieber mal den Lehrplan vorknöpfen. Der quillt über vor vergilbten Inhalten. Anstatt zum Beispiel sämtliche Karls, Ludwigs, Ottos und Heinrichs der deutschen Geschichte auswendig lernen zu lassen, wäre das aktuelle politische Geschehen ein wichtiger dauerhafter Lehrinhalt. Das wäre zeitgemäß. Die Ex ist es auch noch.

Wolfgang Hauskrecht

Rubriklistenbild: © dpa (Symbolbild)

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