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Der Angeklagte auf dem Weg zum Gericht.

„Du sollst verrecken“

Traunstein - War es eine Verzweiflungstat oder eine geplante Bluttat? Der grausame Tod einer jungen Frau wird in Traunstein verhandelt. Der mutmaßliche Täter schweigt.

„Ich verspüre tiefste Reue ... Wenn es in meiner Macht stünde, würde ich die Zeit zurück drehen und alles ungeschehen machen.“ Das ließ gestern ein 42-jähriger Türke über seine Verteidiger vor dem Schwurgericht Traunstein erklären. Der Rosenheimer soll am 12. Februar 2011 aus Eifersucht seiner Ex-Frau (38) in einem Hinterhof in Rosenheim aufgelauert, sie lebensgefährlich verletzt und das noch lebende Opfer unter ein geparktes Auto geschoben und mit einer Plane abgedeckt zu haben. Sie wurde am nächsten Tag entdeckt – tot.

Nach seiner Festnahme war der Pizza-Verkäufer bei seiner Vernehmung durch die Kripo Rosenheim einen halben Tag nach der Tat „sehr redselig“ gewesen. Zum Auftakt des Prozesses machte er gestern von seinem Schweigerecht Gebrauch.

Für das nächtliche Verbrechen im Hinterhof gab es keine Zeugen. Bei der stundenlangen Vernehmung des 42-Jährigen noch am Abend des Tattages erfuhr der Kriposachbearbeiter viele Details. Der Zeuge dazu gestern: „Er hat geredet wie ein Buch, wollte sich das Ganze von der Seele reden.“ Demnach fuhr der Angeklagte nach der Arbeit von Wasserburg nach Rosenheim und trank mehrere Biere. Dem Kripozeugen sagte der Angeklagte: „Ich wurde immer wütender. Die Gedanken an meine Frau gingen nicht weg. Ich dachte, wenn sie mich kaputt macht, soll sie auch nicht mehr leben.“ Von daheim habe der 42-Jährige nach seinen eigenen Worten Nitroverdünnung, ein Küchenmesser, Klebeband, eine Strumpfhose und den Schlagstock mitgenommen.

Bei der Vernehmung habe der Angeklagte sich widersprechende Aussagen gemacht. So habe er behauptet, er habe seine Ex-Frau mit der Nitroverdünnung betäuben und sie an den Samerberg entführen wollen – „nur um mit ihr zu quatschen, damit sie mich ernst nimmt“. An anderer Stelle habe er betont, er habe seine Frau „nie töten wollen“. Im Gegensatz dazu habe er auch erwähnt, die Frau habe nach dem ersten Schlag beteuert, sie liebe ihn. Da sei er noch wütender geworden und habe gerufen: „Du sollst verrecken.“ Der Angeklagte habe die Tat detailliert geschildert.

Die Verteidiger widersetzten sich gestern der Verwertung der Vernehmung ihres Mandanten ebenso wie der gestrigen Aussage des Polizeibeamten. Der Grund: Der 42-Jährige sei nicht ordnungsgemäß belehrt worden. Der Prozess wird fortgesetzt.

Von M. Kretzmer-Diepold

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