Das war der Sommer

Er war extrem, der Sommer 2010: Kälte, Hitze, Dürre, Regen – und neue Rekorde. Bayern präsentierte sich heuer als eines der kühlsten und regenreichsten Bundesländer. Das Deutschland-Wetter im Überblick.

Wer hätte das gedacht? Der Sommer 2010 war „insgesamt ein warmer Sommer“. Das schreibt der Deutsche Wetterdienst (DWD) nach einer ersten Auswertung der Ergebnisse seiner rund 2100 Messstationen. Und tatsächlich landete der Sommer 2010 mit einem bundesweiten Durchschnittswert von 17,8 Grad Celcius unter den zehn wärmsten seit 1881. Angefühlt hat er sich jedoch ein bisschen anders: kälter – und vor allem nasser.

Zuerst Schafskälte, dann Hitzewelle

Zweifelsfrei brachte der Sommer 2010 anfangs gemäßigte Temperaturen mit ausgeprägter Schafskälte. So registrierte der DWD die kältesten Nächte durchweg zwischen dem 14. und 22. Juni. Am tiefsten sank das Quecksilber am 22. Juni mit 0,9°C in Bad Königshofen (Unterfranken). Örtlich trat sogar Bodenfrost auf, wie etwa am 16. Juni mit -1,9°C in Klettwitz in der Lausitz. Anschließend stiegen die Temperaturen deutlich an – und der Juli begann mit einer gewaltigen Hitzewelle. Diese erreichte am 10. Juli mit 38,8°C in Bendorf bei Koblenz am Rhein ihren Höhepunkt und dauerte bis zum 21. Juli. Danach blieb das Quecksilber meist deutlich unter 30 Grad.

Nach der Dürre kam viel, viel Regen

Mit rund 291 Liter pro Quadratmeter (l/m²) übertraf der Sommer 2010 bundesweit sein Soll von 239 l/m² um 21 Prozent. Dabei herrschte in fast ganz Deutschland von Mitte Juni bis in die dritte Julidekade – im Nordosten sogar noch deutlich länger – große Trockenheit und Dürre. Neuruppin in Brandenburg meldete zum Beispiel vom 1. Juni bis zum 13. August nur 38 l/m². Besonders in den Heidegebieten des Nordens und Ostens kam es zu zahlreichen Waldbränden. Im letzten Julidrittel setzten im Süden und Westen Deutschlands Niederschläge ein, die im August immer häufiger auch den Norden und Osten erreichten. Gebietsweise entluden sich schwere Gewitter mit Starkregenfällen, wie etwa am 7. August in der Oberlausitz oder am 26. August im Münsterland. Sie führten zu schweren Überflutungen.

Nord-Süd-Gefälle beim Sonnenschein

Im Sommer 2010 fiel die Sonnenscheinbilanz positiv aus: Mit 662 Stunden lag sie um zehn Prozent über dem Soll von 604 Stunden. Viel Sonnenschein erhielten die nordöstlichen Bundesländer, insbesondere die Küste Mecklenburg-Vorpommerns. Hier lag die Greifswalder Oie, eine kleine Ostseeinsel, mit 844 Stunden ganz vorne. Benachteiligt war der unmittelbare Alpenrand, wo Oberstdorf im Allgäu mit 532 Stunden das Schlusslicht bildete.

Bayern

Im Sommer 2010 präsentierte sich Bayern mit einer Durchschnittstemperatur von 17,2°C (15,9°C) als kältestes Bundesland – zusammen mit Schleswig-Holstein. Bad Königshofen in Unterfranken meldete am 22. Juni ein Minimum von 0,9°C, Ostheim in der Rhön sogar Bodenfrost von -1,3°C. Mit 400 l/m² (302 l/m²) war Bayern auch das regenreichste Bundesland. Oy-Mittelberg-Petersthal im Allgäu konnte dabei als nasseste deutsche Station die gigantische Gesamtmenge von genau 1000 l/m² verzeichnen. Schließlich war Bayern mit 640 Stunden (625 Stunden) auch noch das sonnenscheinärmste Bundesland. Oberstdorf erhielt mit 532 die wenigsten Sonnenstunden in ganz Deutschland.

Schleswig-Holstein und Hamburg

Schleswig-Holstein war im Sommer 2010 mit 17,2°C (Mittelwert: 15,8°C) neben Bayern das kälteste Bundesland. Im Gegensatz dazu gehörte Hamburg mit 18,2°C (16,5°C) zu den wärmeren Bundesländern. Beim Niederschlag übertraf Schleswig-Holstein mit 227 l/m² das Soll (219 l/m²); Hamburg fehlten mit 194 l/m² (217 l/m²) dagegen elf Prozent. Die Sonne schien in Schleswig-Holstein 675 Stunden (654 Stunden) und in Hamburg 662 Sonnenstunden (627 Stunden) lang.

Niedersachsen und Bremen

Bei der Temperatur befand sich Niedersachsen mit 17,8°C (16,2°C) genau im bundesweiten Schnitt, schreibt der Deutsche Wetterdienst. Bremen landete hingegen mit 18,2°C (16,4°C) im oberen Teil der Tabelle. In Niedersachsen lag die Regenmenge mit 234 l/m² leicht über dem Soll (223 l/m²), Bremen war mit 152 l/m² (215 l/m²) das trockenste Bundesland. Niedersachsen meldete 684 Stunden (588 Stunden) Sonnenschein, Bremen überschritt mit 716 Stunden den Klimawert (591 Stunden) um 21 Prozent.

Mecklenburg- Vorpommern

Für Mecklenburg-Vorpommern errechneten die Meteorologen im Sommer 2010 eine Temperatur von 18,2°C (16,3°C) und eine Niederschlagsmenge von 222 l/m² (182 l/m²). Beim Sonnenschein erreichte Mecklenburg-Vorpommern mit 737 Sonnenstunden (695 Stunden) den zweiten Platz. Als sonnenscheinreichste Station glänzte die Greifswalder Oie, eine kleine Ostseeinsel bei Rügen, mit 844 Stunden.

Brandenburg und Berlin

Im Sommer 2010 war Brandenburg mit 737 Stunden (657 Stunden) das drittsonnigste und mit 19,1°C (17,3°C) das zweitwärmste Bundesland. So kletterte das Quecksilber am 10. Juli in Lenzen an der Elbe und am 11. Juli in Potsdam auf jeweils 38,2°C. Andererseits trat in Klettwitz in der Lausitz am 16 Juni noch Bodenfrost von -1,9°C auf. Beim Niederschlag lag Brandenburg mit 224 l/m² (175 l/m²) um 28 Prozent über dem Soll. Berlin rangierte bei der Temperatur mit 19,8°C (17,7°C) auf der Spitzenposition. Am 11. Juli zeigte das Thermometer in Berlin-Buch 38,2°C. Auch beim Sonnenschein belegte Berlin mit 744 Stunden (667 Stunden) den ersten, beim Regen mit 179 l/m² (181 l/m²) den vorletzten Platz, so die Daten des Deutschen Wetterdienstes.

Sachsen-Anhalt

Mit einem Temperaturdurchschnitt von 18,5°C (16,9°C) kam Sachsen-Anhalt auf den dritten Platz. Der Deutsche Wetterdienst notierte für den Sommer 2010 im Durchschnitt 199 l/m² (180 l/m²) Niederschlag und 691 Stunden (595 Stunden) Sonnenschein.

Sachsen

In Sachsen registrierte der Deutsche Wetterdienst eine mittlere Temperatur von 18,1°C (16,5°C) und eine Sonnenscheindauer von 682 Stunden (594 Stunden). Mit 377 l/m² (227 l/m²) war Sachsen im Sommer 2010 das zweitnasseste Bundesland. Riesige Regenmengen fielen am 23. Juli in Plauen mit 114 l/m² und am 7. August in Bertsdorf-Hörnitz in der Oberlausitz mit 101 l/m². Die Augustniederschläge führten zu einem großen Hochwasser der Lausitzer Neiße und zu enormen Schäden.

Thüringen

Thüringen ordnete sich mit 17,6°C (15,8°C) bei den eher kühleren, mit 276 l/m² (209 l/m²) bei den nasseren und mit 666 Stunden (597 Stunden) bei den sonnenscheinärmeren Bundesländern ein.

Nordrhein- Westfalen

Im Sommer 2010 verbuchten die Meteorologen des DWD in Nordrhein-Westfalen durchschnittlich 17,9°C (16,3°C). Die mittlere Regenmenge betrug 274 l/m² (245 l/m²). Gewaltige Wassermassen fielen vor allem am 26. August, insbesondere im Münsterland – verbreitet mehr als 100 l/m². Steinfurt-Burgsteinfurt meldete dabei mit 161,7 l/m² die bundesweit höchste Tagesmenge des Sommers 2010. Obwohl die Sonnenscheindauer mit 658 Stunden (553 Stunden) um 19 Prozent über dem Klimawert lag, bedeutete dies trotzdem nur den drittletzten Platz für Nordrhein-Westfalen.

Hessen

Der Sommer brachte in Hessen eine mittlere Temperatur von 17,7°C (16,2°C), eine Niederschlagsmenge von 264 l/m² (217 l/m²) und eine Sonnenscheindauer von 689 Stunden (589 Stunden).

Rheinland-Pfalz

Rheinland-Pfalz zählte mit 17,9°C (16,3°C) zwar „nur“ zu den durchschnittlich warmen Bundesländern, doch traten hier bundesweit mit 38,8°C in Bendorf und 38,3°C in Trier am 10. Juli die höchsten Temperaturen des Sommers 2010 auf. Regen fiel 241 l/m² (211 l/m²), die Sonne zeigte sich 690 Stunden lang (585 Stunden).

Saarland

Das Saarland meldete für den Sommer 2010 eine Mitteltemperatur von 17,9°C (16,7°C) und eine Regenmenge von 225 l/m² (219 l/m²). Mit 710 Stunden (651 Stunden) gehörte es zu den sonnenscheinreicheren Bundesländern, schreibt der Deutsche Wetterdienst.

Baden-Württemberg

Baden-Württemberg notierte der Deutsche Wetterdienst mit 17,5°C (16,2°C) als drittkältestes und mit 313 l/m² (274 l/m²) als drittnassestes Bundesland. Beim Sonnenschein traf es mit 648 Stunden (650 Stunden) fast genau das Soll – und belegte damit im Ländervergleich den vorletzten Platz.

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