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Unsichtbare Gefahr: Auch wenn es nicht danach aussieht – das Hochwasser hat viele Seen in Oberbayern stark verschmutzt. Gerade am Chiemsee (im Bild) rät das Gesundheitsamt daher vom Baden ab.

Warnung vor gefährlichen Bakterien

Seen nach Hochwasser zu schmutzig zum Baden

München - Das Wochenende bringt bis zu 28 Grad. Badewetter – mit Einschränkungen. Denn die Flut hat viele Seen Oberbayerns verschmutzt. Das Landesamt für Gesundheit warnt vor gefährlichen Bakterien und Treibgut.

Man könnte glauben, nach dem Hochwasser sei alles wieder gut – zumindest am Tegernsee. Schlamm und Dreck sind von den Ufern verschwunden. Der Pegel nur noch leicht über dem Normalstand. Kaum Treibgut. „Auf dem Wasser sieht man nichts mehr“, sagt Hans Staudacher, Geschäftsführer der Stadt Tegernsee. „Eine leichte Trübung noch.“

Beste Badebedingungen also. Vermeintlich. Denn gefährlich könnte genau das sein, was man nicht sieht. So sieht es das Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL). Die Flut habe viele oberbayerische Seen stark verschmutzt, sagt Claudia Schuller vom LGL. Das Wasser habe Düngemittel von Feldern, Öl aus Kellern oder Industrieanlagen, Fäkalien und mehr mit sich genommen. Auch über Zuflüsse seien Schadstoffe in die Seen geraten. Die offizielle Empfehlung lautet: aufs Baden verzichten. Ein Verbot gibt es aber nicht.

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Besonders betroffen sind neben dem Tegernsee der Chiemsee, Simssee, Gaginger See und Tachinger See. Für sie hat das Landesamt vorerst die Warnstufe Rot ausgerufen, die höchste auf der Skala. Verlässliche Messergebnisse, die dann zu einem Badeverbot führen könnten, gibt es bisher aber kaum. Am Chiemsee zum Beispiel sind bislang noch nicht einmal Proben entnommen worden. Michael Fischer, Sprecher des Landratsamts Rosenheim, sagt aber, es sei davon auszugehen, „dass in 90 Prozent der Proben Belastungen festzustellen sind“.

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Gefährlich sind vor allem Coli-Bakterien, die in Fäkalien vorkommen. Sie können Magen-Darm-Erkrankungen verursachen. Auch Hauterkrankungen und Rötungen sind nicht selten. Fischer hat in den vergangenen Tagen einige Fälle dieser Art mitbekommen. Unter anderem ein Kleinkind, das am Ufer des Simssees spielte und danach Hautausschlag bekam. Auch wenn es kein Badeverbot gibt, mahnt er: „Jeder, der jetzt an unsere Seen kommt, muss wissen, dass da Schadstoffe drin sind.“

Treibholz kann für Segler gefährlich werden

Wenn er denn überhaupt bis zum Ufer vordringt. Gerade am Chiemsee sind die Wiesen noch immer stark durchnässt. „Wenn man da ein Handtuch hinlegt, ist das sofort vollgesogen“, sagt eine Mitarbeiterin der Tourismusgesellschaft in Prien. Auch Teile des Ufers stünden noch unter Wasser.

Gleiches gilt für einige Abschnitte des Ammersees. Für ihn liegen auch schon erste Messergebnisse vor. Abgesehen vom Bereich Rieder Wald (nahe Breitbrunn) kann Harald Staskiewicz, Leiter des Gesundheitsamts im Kreis Starnberg, Entwarnung geben. Auch kleinere Gewässer wie der Weßlinger See, der Pilsensee und der Walchensee sind Staskiewicz zufolge unbedenklich. Für den Starnberger See liegen die Ergebnisse kommende Woche vor. „Aber wir erwarten keine Grenzüberschreitungen.“

Die sind allerdings nicht das einzige Problem. Treibholz kann laut Michael Fischer vom Landratsamt Rosenheim vor allem für Segler gefährlich werden. Und auch das Wetter spielt nicht ganz so mit, wie erwartet. Laut Volker Wünsche vom Deutschen Wetterdienst sind Temperaturen von 23 bis 28 Grad zu erwarten. Zumindest bis zum Nachmittag. Denn dann, sagt Wünsche, zögen kräftige Gewitter mit Sturmböen auf. Gerade Segler sollten also vorsichtig sein.

Bis die konkreten Ergebnisse der Schadstoffmessungen vorliegen, gilt die Empfehlung des Gesundheitsamts. Ein kleiner Trost: Fürs Baden sind viele Seen mit 15 bis 17 Grad ohnehin zu kalt.

von Marcus Mäckler

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