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Farbklecks unter grauem Himmel: Diese Sonnenblume erinnert daran, dass der Sommer noch nicht ganz vorbei ist.

Eigentlich ist alles ganz anders

Sommer 2014 ein Reinfall? Das sagen Meteorologen

München - Sommertage sind erstmal nicht in Sicht. Es fühlt sich an, als ob es schon viel zu lange viel zu kühl ist. Aber der Eindruck täuscht. Rein statistisch ist der Sommer 2014 völlig durchschnittlich.

Eine Frage gibt es, die muss Guido Wolz mehrmals täglich beantworten. Jeden Tag aufs Neue. Und gestern hat er schon morgens gewusst, dass seine Antwort niemanden erfreuen wird. Wolz ist Meteorologe beim Deutschen Wetterdienst in München – und einer der Bayern, die sofort Bescheid wissen, wenn der Sommer in Sicht ist. Als er gestern Früh den ersten Blick auf die vielen Computerbildschirme geworfen hat, die ihm Radar- und Satellitendaten aus der ganzen Welt anzeigen, war klar: Der Sommer ist gerade so ganz und gar nicht in Sicht. Im Gegenteil. „Nächste Woche wird’s richtig ungemütlich“, sagt Wolz. Bis mindestens Mittwoch kräftige, unwetterartige Schauer. Das Hoch, das noch vor drei Tagen für optimistischere Wetterprognosen verantwortlich war, hat sich abgebaut – und ist durch ein kräftiges Tiefdruckgebiet mit Kurs auf Süddeutschland abgelöst worden.

Wo das Wetter zu Daten wird: Meteorologe Guido Wolz weiß schon ein paar Tage vor den meisten anderen Menschen, wann es sonnig wird. So bald leider erstmal nicht.

Als Dank für diese Auskunft hat Guido Wolz viele Seufzer geerntet. Sowas ist er schon gewohnt. Manchmal vergessen Anrufer, dass er nicht für das Wetter verantwortlich ist – sondern es nur ankündigt. Und das mit einer Trefferquote von 80 bis 90 Prozent, wenn es um die nächsten zwei bis drei Tage geht. Es sind vor allem Veranstalter, die sich beim Deutschen Wetterdienst erkundigen. Oder Betriebe, zum Beispiel aus der Baubranche. Sie alle wollen besser planen können – oder einfach beruhigter schlafen.

Aber Wolz und seine Kollegen bekommen auch immer wieder Anrufe von Privatleuten, die ungeduldig auf richtige Sommertage warten – und die von den Meteorologen wissen wollen, was los ist mit diesem August. Wieso er so kühl und verregnet ist. Und meistens glauben sie Wolz seine Antwort nicht: „Der Sommer ist bisher überhaupt nicht kühl, sogar eher zu warm“, sagt er dann. Es ist ein aus Meteorologen-Sicht gerade zu langweilig gewöhnlicher Sommer.

Die falsche Vorstellung von Sommer ist das Problem

Das Problem ist: „Die Menschen haben eine falsche Vorstellung von dem mitteleuropäischen Sommer“, betont der Wetterexperte. Wegen Jahren wie 2003, als es in Bayern wochenlang über 30 Grad war. Sowas betoniert sich in der Erinnerung fest, glaubt er. Und die Menschen vergessen, dass das die Ausnahme ist – nicht das wechselhafte Wetter im Sommer 2014.

Das wiederum hören Anrufer gar nicht gerne. Zu frustrierend. Das gefühlte Wetter ist oft anders, als es die Karten, Daten und Statistiken des Deutschen Wetterdiensts anzeigen – das weiß auch Guido Wolz. Für viele Menschen fühlt sich der August eben zu kühl an, sie erinnern sich an mehr Regentage als Sonnenstunden. Und sie haben das Gefühl, der Sommer war früher intensiver. „Der Sommer hat sich nicht so sehr verändert“, sagt Guido Wolz. Der Wetterdienst hat die Daten von Temperatur, Niederschlag oder Sonnenstunden von 1961 bis 1990 dokumentiert und Mittelwerte errechnet – es gibt dieses Jahr nur geringe Abweichungen (siehe Kasten).

Nicht der Sommer hat sich verändert - aber die Menschen

Aber etwas anderes hat sich verändert: „Das Wetter ist heute viel mehr Thema als vor 30 Jahren“, sagt Wolz. Damals ist über schlimme Unwetter oder Überschwemmungen berichtet worden, erinnert er sich. „Heute ist das Wetter jeden Tag Thema. In den sozialen Netzwerken, in den Medien.“ Egal wie gewöhnlich es aus Meteorologen-Sicht ist.

Die Westströmung, die Bayern die nächsten Tage Regen und Kälte bringt, ist zwar kräftig, aber nicht unnormal für diese Jahreszeit. „Es kommt uns nur schon sehr wie September vor“, sagt Wolz. Aber ein klein wenig Hoffnung kann er seinen Anrufern doch machen: Mit ein bisschen subtropischer Luft könnte sich der Septemberanfang noch nach August anfühlen. Dann könnte das Thermometer sogar nochmal auf bis zu 30 Grad klettern – selbst wenn der Sommer dann streng meteorologisch schon vorbei ist.

Katrin Woitsch

Eine erste Zwischenbilanz des Sommers 2014:

Für eine Bilanz des Sommers 2014 ist es noch zu früh, betont Meteorologe Guido Wolz vom Deutschen Wetterdienst. Aber eine kleine Zwischenbilanz kann er bereits ziehen – und nach ihr ist der Sommer dieses Jahr vor allem eines: ziemlich gewöhnlich. Die Durchschnittstemperatur im August lag bis Freitag bei 16 Grad – und weicht damit nur um 0,2 Grad von dem Mittelwert ab, der über einen Zeitraum von 30 Jahren (von 1961 bis 1990) ermittelt worden ist. Wenn es jetzt kaum noch regnen würde, wäre der August sogar deutlich zu trocken gewesen. Bisher sind erst 60 Prozent der durchschnittlichen Niederschlagsmenge erreicht. Der Juli war überdurchschnittlich nass aber nicht extrem nass, sagt Wolz. Die Niederschlagsmenge lag 40 Prozent über dem Durchschnitt. Dafür war der Juni in diesem Jahr aber viel zu trocken – es hat wochenlang fast gar nicht geregnet.

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