Der Sommer der alten Weiber

München - Regen, Stürme, Überschwemmungen: Der Spätsommer in Bayern kam als ungemütlicher Herbst daher. Doch sehr bald soll der Altweibersommer für besseres Wetter sorgen.

Nein, wir wollen niemanden beleidigen. Und juristisch sind wir auf der sicheren Seite. 1989 hat das Landgericht Darmstadt entschieden, dass die Verwendung des Ausdrucks Altweibersommer in der Zeitung kein Eingriff in die Persönlichkeitsrechte älterer Damen darstellt. Die Klage einer 78-jährigen Frau gegen die Bundesrepublik Deutschland wurde abgeschmettert. Wir dürfen also hochoffiziell verkünden, dass wir uns freuen - auf den Altweibersommer.

So wird das Wetter in München und Oberbayern:

Zur Wettervorhersage

Mit streitlustigen Damen hat das ohnehin nichts zu tun. Das Wort „weibern“ stammt aus dem Althochdeutschen und bezeichnet das Knüpfen von Spinnweben. Wenn der Tau auf den filigranen Netzen glitzert, dann klingt der Sommer allmählich aus. Fachleute sprechen von einer „meteorologischen Singularität“, von einem Zeitabschnitt stabilen und warmen Wetters, der oft in den September fällt. „Tatsache ist, dass sich ab Dienstag ein Hoch über Mitteleuropa einnistet und die Großwetterlage umstellt“, berichtet Dominik Jung von wetter.net. „Weg vom sintflutartigen Regenwetter, hin zu ruhigem Spätsommerwetter.“

Das wird auch Zeit. Vor allem der August war in Bayern deutlich zu nass. In Wielenbach (Kreis Weilheim-Schongau) fielen laut Angaben des Deutschen Wetterdienstes (DWD) 169 Prozent der normalen Regenmenge. „Noch nie wurde an dieser Station so viel Niederschlag im August gemessen“, bestätigt ein Sprecher in München. Weiter nördlich, in Würzburg, regneten sogar 271 Prozent der durchschnittlichen Menge vom Himmel.

Auch die Sonnenscheindauer in Bayern war zu gering. Sie betrug nur düstere 61 bis 69 Prozent des normalen Mittels, berichtet der Wetterdienst. Die Temperaturen lagen dennoch im normalen Bereich. Laut Statistik befand sich der August sogar exakt im langjährigen Durchschnitt. Insgesamt war die heiße Jahreszeit in Bayern 1,3 Grad zu warm. Von einem schlechten Sommer könne demnach keine Rede sein, so der DWD-Sprecher. Rechne man Juni, Juli und August zusammen, komme man auf normale Werte.

Ein paar weitere nasse Tage müssen die Bayern vermutlich noch über sich ergehen lassen. Heute soll es wieder - besonders am Alpenrand - stürmen und regnen. Die Temperaturen liegen zwischen 7 und 14 Grad, die Schneefallgrenze fällt unter 1500 Meter.

Das schlechte, kühle Wetter hält laut Vorhersage mindestens noch bis morgen an. Ab Mittwoch soll es dann Stück für Stück besser werden. Die Tage bleiben in der zweiten Wochenhälfte laut DWD weitgehend trocken und werden allmählich wieder wärmer. Am Wochenende könnten vielleicht sogar 25 Grad erreicht werden, prognostiziert der Meteorologe Dominik Jung hoffnungsvoll.

Wie der Altweibersommer dann weitergeht, das können die Computer-Modelle der Meteorologen noch nicht sicher vorhersehen. „Es kann aber durchaus sein, dass es stabil schön wird“, heißt es beim DWD. Die Hoffnung ist also berechtigt, auf die meteorologische Singularität. Also auf den Sommer der alten Weiber.

Thomas Schmidt

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