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Gemeinschafts-Erlebnis: Wenn das Wetter am Wochenende mitspielt, verlagert sich das Familienleben häufig an die Isar, wie hier in der Nähe des Flauchers.

Das Sommer-Wohnzimmer

München - Im Sommer zieht der Isarstrand in München die Massen an – ganz besonders, seitdem die Renaturierung weit fortgeschritten ist. Für viele wird er zum Sonnenpark mitten in der Stadt. Man kann dort grillen – und einiges mehr. Ein Streifzug.

Max von Steiger formt mit dem Mund ein O, wie bei einem Karpfen sieht das jetzt aus, dann steigt weißer Rauch auf. Besser gesagt: Der Rauch zieht gleich nach hinten weg, Richtung Muffathalle, denn es ist windig an diesem Samstagnachmittag an der Isar in München, trotz des Sonnenscheins. Steiger sitzt hier in den Kieseln zwischen Kabelsteg und Müllerschem Volksbad, er raucht eine Wasserpfeife. Gewöhnlich macht er das bei sich daheim, aber bei diesem schönen Wetter ist der Isarstrand sein Wohnzimmer – und das von vielen anderen Münchnern. Von Zehntausenden.

Die „Schischa“, wie die arabische Wasserpfeife heißt, hat Steiger aus Kairo in Ägypten mitgebracht, dort hat er studiert. Gewöhnlich trägt er sie nicht an der Isar spazieren, aber heute ist er mit seinen Freunden unterwegs, denen will er zeigen, wie der Tabak mit den Fruchtaromen so schmeckt. Die Pfeife aus Messing, Glas und Schlauch ist ein Hingucker, und so zieht Steiger am gut gefüllten Isarstrand die Blicke auf sich. Wer hier auffallen will, muss sich was einfallen lassen.

So wie Stefan Blobner, der mit seinen Freunden an der Isar das Gegenteil dessen macht, was man erwarten würde: Man trifft sich, um Feste an der Isar zu feiern – aber Grillen ist strengstens verboten. „Nicht-Grill-Fete“ nennen sie die Initiative, ein Schild mit durchgestrichenem Rost ziert die gerade entstehende Webseite. Blobner organisiert das Ganze, und wenn Grillen Männersache ist, dann das Nicht-Grillen offenbar auch.

Freilich: Auch den Grillfreunden ist hier in München längst nicht alles erlaubt. Damit auch die, die keinen Garten oder Balkon nutzen können, in den Genuss von Gegrilltem kommen, hat die Stadt an der Isar, an Seen und in Parks Grillzonen errichtet. Auch dort gilt: Man kann nicht einfach drauflosgrillen. Boden- und Lagerfeuer sind verboten, es müssen handelsübliche Grillgeräte mit Beinen genutzt werden. Außerdem muss zu Bäumen, Sträuchern und zu ausgetrockneten Grasflächen ein Abstand von mindestens zehn Metern eingehalten werden. „Wer außerhalb der festgelegten Zonen grillt, muss mit einem Bußgeld von bis zu 50 Euro rechnen“, sagt Dagmar Lezuo, Sprecherin des städtischen Baureferats.

Beim Müllerschen Volksbad zum Beispiel darf man gar nicht grillen. Wer sich an der Münchner Isar etwas brutzeln will, muss in die Gegend um den Flaucher oder zum Wehr in Oberföhring. Und dort lodern denn auch an diesem schönen Wochenende, vor allem in den Abendstunden, Hunderte Mini-Feuerstellen. Laut kann es dort auch werden.

Teurer wird es, wenn man seinen Dreck nicht wegräumt: Es drohen Strafen von bis zu 1000 Euro. „Glücklicherweise halten sich die Münchner aber an die Regeln, es gibt nur sehr wenige Verstöße“, sagt Lezuo. Seitdem die Stadt regelmäßige Kontrollen an den Grillzonen durchführe, bleibe auch weniger Müll liegen. Allerdings, so scheint es, hat sich das leidige Problem mit den Glasscherben jetzt isarabwärts verlagert, in die Gegend um den Kabelsteg.

Dabei gäbe es genug Möglichkeiten, den Dreck loszuwerden. Wie es heißt, stehen an der Isar zwischen der südlichen Stadtgrenze und dem Kabelsteg an der Muffathalle insgesamt 82 Abfall-Gitterboxen bereit. Für die Entsorgung der Kohle hat die Stadt zwischen Flaucher und Thalkirchner Brücke 15 Aschebehälter aufgestellt.

Übrigens: Viele Münchner suchen hier an der Isar nicht das große Grill-Glück, sondern etwas Simpleres: Ruhe. Ruhe mit Hund. Ruhe mit Buch. Ruhe ohne alles. Und wie man Ruhe findet, schreibt einem bestimmt keiner vor. Hier finden Sie weitere Infos zum Grillen und zu den Grillplätzen in und um München.

Robert Arsenschek / Tanja Wolff

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