Nach Vorschlag aus Niedersachsen

Sommerferien-Reform: Bayerns Veto

München - War schon immer so, sollte so bleiben – auf breiter Front wird eine Reform der Sommerferien-Regelung in Bayern abgelehnt. Hauptargument: die Pfingstferien.

Das „Hamburger Abkommen“ von 1971 ist ein Meilenstein: Damals vereinbarten die Ministerpräsidenten der Bundesländer eine Neuregelung der Ferientermine. Bayern und Baden-Württemberg, so der Beschluss, beteiligen sich nicht am rollierenden System; dafür nehmen sie in Kauf, dass die Sommerferien fast in den Herbst hineinreichen, also bis Mitte September. Doch Niedersachsen rüttelt wie berichtet an der Vereinbarung – „das Argument, bayerische Kinder müssten zwingend im August Sommerferien haben, weil sie dann bei der Ernte auf den Feldern gebraucht würden, dürfte längst überholt sein“, spottete Niedersachsens neue Kultusministerin, Frauke Heiligenstadt (SPD). Nicht wenige bayerische Eltern haben durchaus Verständnis für die Forderung: Im Juli sei das Wetter besser und überhaupt hätten auch andere Bundesländer ein Recht auf Ferien im August, hieß es in Leserbriefen.

Doch bei Fachleuten wie beispielsweise Heinz-Peter Meidinger, Leiter eines Gymnasiums in Deggendorf und Vorsitzender des Deutschen Philologenverbands, stößt der Reformvorstoß aus Niedersachsen auf kein Verständnis. Als Verbandschef muss Meidinger neutral bleiben – als Schulleiter lehnt er jede Änderung ab. „Die große Mehrzahl der Eltern und Länder möchte die Regelung beibehalten“, meint er. Hauptargument sind nicht etwaige günstigere Ferienflüge im September – das auch –, sondern die bayerischen Pfingstferien. Seit nunmehr 40 Jahren gibt es in Bayern, ein Alleinstellungsmerkmal, zweiwöchige Pfingstferien. Würden dann die Sommerferien vorverlegt, sei die Unterrichtszeit zwischen Pfingst- und Sommerferien zu kurz, warnt Peter Peltzer, ehemaliger Ministerialbeauftragter für die Realschulen in Oberbayern-Ost. Außerdem wäre das Schuljahr dann kürzer, pädagogisch eine Zumutung, wie Peltzer findet.

Aus diesem Grund wehrt sich Peltzer auch gegen den moderaten Reformvorschlag, die Sommerferien nur dann vorzuverlegen, wenn die Pfingstferien früh beginnen. Da Pfingsten 50 Tage nach Ostern ist, Ostern jedoch ein beweglicher Feiertag ist, gibt es für die bayerischen Pfingstferien eine weite Zeitspanne. Mal beginnen sie wie diesmal schon am 21. Mai, mal erst am 10. Juni (2014). Doch Peltzer ist strikt dagegen, davon den Beginn der Sommerferien abhängig zu machen. Und von einer Abschaffung oder Verkürzung der Pfingstferien hält wiederum Susanne Arndt, Vorsitzende der Landes-Elternvereinigung an den Gymnasien, gar nichts. „Wir lieben unsere Pfingstferien“, sagt die Wolfratshauserin.

Im Kultusministerium hofft man, dass die Diskussion genauso rasch verebbt wie sie entstanden ist. „In Bayern hat sich ein stabiler Rhythmus entwickelt“, sagt ein Sprecher.In der Kultusministerkonferenz, die Ende 2014 über die Ferientermine 2018 bis 2024 entscheidet, gilt Einstimmigkeits-Prinzip. Bayern hat somit ein Vetorecht.

von Dirk Walter

 

Rubriklistenbild: © picture alliance / dpa

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