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Fragestunde: Hans Steinmüller senior hat eine ganze Menge Fragen über das Leben auf dem Bauernhof beantworten müssen. Viele davon kamen von Perooz (Mitte). Er stammt aus Pakistan – und liebt die Berge.

Kreis Rosenheim

Sommerlager für Flüchtlingskinder: Ein Stückchen Heimat auf dem Bauernhof

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Oberaudorf - Was Bayern ausmacht, wissen viele Flüchtlingskinder noch nicht. Die Gemeinschaft Sant Egidio hat deshalb für sie einen Ausflug in den Chiemgau organisiert. Dort ist die Heimat plötzlich ganz nah.

Perooz ist zwölf Jahre alt und schon viel rumgekommen in der Welt. Er hat in Islamabad gelebt und in Shanghai, spricht vier Sprachen. Aber noch nie hat er ein Stückchen Welt wie das hier gesehen. Vor ihm stehen zwei junge Männer, einer trägt einen Filzhut und hält eine Trompete in der Hand, der andere hat sich gerade ein Instrument vor seinen Bauch geschnallt, von dem sich Perooz nicht ansatzweise vorstellen kann, wie es gespielt wird. „Eine Steirische“ – wieder so ein seltsames Wort, das er nicht mal auf Anhieb nachsprechen kann. Und während im Hintergrund eine Kuh neugierig ihren weiß-braun-gefleckten Kopf aus der Stalltür streckt, legen die beiden Männer los. Ein Spontan-Konzert, hier unter weiß-blauem Himmel vor dem Panorama der Chiemgauer Berge.

Die beiden Musiker sind Brüder – Hans und Lorenz Steinmüller. Den Großteil ihres Lebens haben sie wie ihre drei anderen Geschwister auf dem Bauernhof der Eltern in Oberaudorf im Kreis Rosenheim verbracht. Dann, nach der Schule, sind sie gereist. Nach Afrika, nach Südamerika. Hans hat fünf Jahre in China gelebt. Er kennt Shanghai so gut wie Perooz, ruft ihm etwas auf Chinesisch zu. Mit vielem hat der Zwölfjährige heute gerechnet – aber nicht damit, dass ihn auf einem bayerischen Bauernhof jemand auf Chinesisch ansprechen wird.

Einwöchiges Sommerlager in der Hütte

Perooz ist eines von 20 Flüchtlingskindern, die heute den Tag bei den Steinmüllers verbringen dürfen. Sie alle leben in München in der Bayernkaserne. Die meisten von ihnen müssen sich mit ihren Eltern und Geschwistern wenige Quadratmeter teilen. Dass sie Ferien machen dürfen, dort, wo Bayern am schönsten ist, verdanken sie der katholischen Gemeinschaft Sant Egidio aus München, die mit finanzieller Unterstützung des Erzbistums München-Freising ein einwöchiges Sommerlager in einer Hütte für die Kinder organisiert hat. Sie sollen Bayern kennenlernen – und vor allem einander, das wünscht sich Veronika Sieber. Sie gehört zu einer Gruppe Studenten, die einmal wöchentlich in die Unterkunft kommt. Sie helfen den Kindern bei den Schularbeiten, spielen mit ihnen, vermitteln ihnen die deutsche Kultur und Werte. Diese Woche geht es aber vor allem darum, dass die Kinder Spaß haben.

Aus diesem Spaß ist im Laufe der Woche Vertrauen geworden. Eines abends haben die Kinder angefangen, von ihrer Flucht zu erzählen. Es sind Geschichten, bei denen die Betreuer eine Gänsehaut bekamen. Ein kleines Mädchen berichtete von der gefährlichen Bootsfahrt übers Mittelmeer. Ein Junge aus dem Irak ist mit seiner Familie fast zu Fuß bis Deutschland gelaufen. Auch Perooz erzählte seine Geschichte. Wie er seine Heimat Pakistan verlassen und in Shanghai von vorne anfangen musste, weil sein Vater beruflich dorthin ging. Wie die Familie nach einigen Jahren zurückkehrte – und schließlich fliehen musste. Perooz geht jetzt in München in eine sechste Klasse. Es ist das dritte Mal in seinem Leben, dass er ganz von vorne anfängt.

Fast wie in Islamabad

Während Hans Steinmüller senior die Kinder durch den Stall führt, ihnen die Kälbchen und den Traktor zeigt, weicht Perooz ihm kaum von der Seite. Er hat viele Fragen. „Wie viel kostet eine Kuh? Was essen die Kälbchen? Was bedeutet trächtig?“ Hans Steinmüller beantwortet jede einzelne. Dieser kleine Junge mit den wachen braunen Augen beeindruckt ihn.

Perooz hat heute erkannt, dass er in einem guten Stückchen Welt gelandet ist. „Die Menschen sind so nett und hilfsbereit hier“, sagt er. So fremd fühlt sich Bayern plötzlich gar nicht mehr an. Als die Kinder ihre Brotzeit essen, sitzt Perooz ganz still auf einer Bank und schaut ins Weite. „Wenn ich in Islamabad aus dem Fenster geschaut habe, hab ich auch die Berge gesehen“, sagt er. „Sie sehen hier fast genauso aus wie zu Hause.“

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