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Fesch: Die Gründungsmitglieder des Vereins D’Würmtaler-Stamm München-Pasing im Sommer 1900.

Sonderheft zur Tracht: Des Bayern liebste Kleider

München - Was ist Tracht? Gibt es sie wirklich? Und wenn ja, wie lange schon? Vom Nationalkostüm bis zum Wiesndirndl: Ein neues Sonderheft beleuchtet die Geschichte eines bayerischen Phänomens.

„Würde jede Dame ein solches Kleid tragen, gäbe es keine Hässlichkeit mehr.“ Die schrille Modekönigin Vivienne Westwood soll das einst gesagt haben. Damit warb die Engländerin mit der roten Haarpracht keinesfalls für ihre aktuelle Kollektion. Nein, sie sprach tatsächlich vom bayerischen Dirndl.

Dass die exzentrische Westwood das bayerische Gewand pries, beweist: Tradition wandelt sich – ständig. Seit 130 Jahren gibt es Trachtenvereine in Bayern. Jetzt hat das Haus der Bayerischen Geschichte dem „Phänomen Tracht“ ein Sonderheft gewidmet. „Nur wer sich seiner eigenen Geschichte und Tradition bewusst ist“, sagt Kunstminister Wolfgang Heubisch (FDP), „begegnet dem Fremden nicht reserviert oder gar ängstlich, sondern ist gegenüber Neuem aufgeschlossen.“ Und nichts gehört so sehr zur bayerischen Tradition wie die Tracht.

Dabei ist sie jünger als manch einer denken mag. Noch im 17. Jahrhundert gab es keine Vorstellung von einem „bayerischen Nationalkostüm“, schreibt Stefan Hirsch in dem 81 Seiten starken Sonderheft. Lediglich eine vage Idee davon, wie man sich „deutsch kleidet“. Manche Forscher behaupten sogar, streng genommen gebe es gar keine Tracht. Ihr Argument: Kleidung sagt immer etwas über den sozialen Status und die kulturelle Herkunft ihres Trägers aus. Die Autorin Evelyn Gillmeister schlussfolgert: „Kleidung ist immer Tracht.“ Sie ist Mode, stets dem Wandel unterworfen.

Damit das bayerische Dirndl schließlich entstehen konnte, brauchte es einen der mächtigsten Wandel der europäischen Geschichte: die Französische Revolution. Nach dem Umsturz 1789 bekam der Nationalgedanke europaweit neues Gewicht. Das bayerische Staatsgebilde entstand – und so keimte auch das Konzept eines nationalen Kostüms. „Die Identifikation von Volk und Herrscher vollzog sich nach und nach nun auch über Loden und Lederhose“, schreibt Hirsch. Die Tracht war geboren. Doch es dauerte noch Jahrzehnte, bis sich die jeweiligen nationalen Gewänder fanden.

Zu Beginn des 19. Jahrhunderts beschrieb ein Journalist in Wien die Kleidung jener Zeit: „D’Hosen war türkisch, d’Stiefeln preußisch, d’Leibl ungrisch, der Frack englisch und der Sturmhut russisch.“ Erst Mitte des 19. Jahrhunderts verbreiteten sich im heutigen Freistaat allmählich Konventionen, wie die bayerische Tracht auszusehen habe. Die Kleidung wurde endgültig zum nationalen Symbol. Ein Symbol, um das heftig gestritten wurde.

Es war nicht immer leicht, sich zur Tracht zu bekennen, weiß der Vorsitzende des Bayerischen Trachtenverbandes, Otto Dufter. Lange Zeit hätten viele Ortspfarrer gegen das Tragen der Tracht gewettert. „Männer in kurzer Lederhose wurden vom Klerus als ,Kurzhösler‘ beschimpft.“ Tanzen in der Tracht sei wegen des engen Körperkontaktes verpönt gewesen. „Da war die Kirche strikt dagegen.“ Ende des 19. Jahrhunderts drohte die Tracht sogar zu verschwinden. „Dann haben Idealisten Vereine gegründet und sie gerettet.“ Heute gehe es der Tracht so gut wie seit Jahrzehnten nicht mehr. „Die Wartezeit für eine maßgeschneiderte Lederhose beträgt ein Jahr“, scherzt Dufter.

Massenware ist natürlich sofort zu haben. Tracht ist längst so modern, dass sie auch junge Menschen völlig selbstverständlich tragen – gern auch auf der Wiesn. Doch hier zuckt der echte Trachtler kurz zusammen. „Ich würde es eher als Kostüm statt als Tracht bezeichnen“, murmelt Dufter diplomatisch. Eine Vorschrift, wie sich die Tracht zu entwickeln hat, die gibt es eben nicht. Und die gab es auch schon vor 100 Jahren nicht.

Das Sonderheft „Phänomen Tracht“ wird vom Haus der Bayerischen Geschichte herausgegeben und kostet 10 Euro. Schulen bekommen es kostenlos. Telefon: 08 21/32 95-0.

Thomas Schmidt

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