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Blumen für den Chef: Bauernpräsident Sonnleitner will 2012 sein Amt abgeben.

Sonnleitner kehrt auf seinen Hof zurück

München/Koblenz - Gehen, wenn’s am schönsten ist: Dieses Motto scheint Gerd Sonnleitner zu beherzigen. Der Niederbayer (62) kündigte überraschend an, im kommenden Jahr nicht mehr als Bauernpräsident zu kandidieren.

Beim Deutschen und Bayerischen Bauernverband stehen die Zeichen auf Generationswechsel: Der 62-jährige Niederbayer Gerd Sonnleitner verkündete am Freitag den verdutzten Delegierten beim Deutschen Bauerntag in Koblenz, dass er sich im kommenden Jahr auf seinen Hof in Niederbayern zurückziehen wird. Am 26./27. Juni 2012, wenn der nächste Deutsche Bauerntag in Fürstenfeldbruck stattfindet, werden die Verbandsvertreter einen neuen Präsidenten wählen - nach 15 Jahren Sonnleitner als deutscher Bauernpräsident. Auch die Bayern müssen sich im Mai einen neuen Verbandschef suchen. Präsident des Europäischen Bauerverbands Copa bleibt er bis Ende 2012.

„Ich hab’s gern gemacht“, rief Sonnleitner seinen Leuten zu, die sich mit stehenden Ovationen für seinen langjährigen Einsatz bedankten, obwohl ihr „Chef“ ja noch ein gutes Jahr weitermacht. Und zwar mit vollem Elan und Schwung, wie der jugendlich wirkende 62-Jährige versprach.

Wolfgang Scholz (50), Kreisobmann des Landkreises Weilheim-Schongau, hatte es am Abend vorher erfahren. Da hatte Sonnleitner die bayerischen Delegierten von seiner Entscheidung informiert. „Es war schon ein bewegender Moment“, berichtet der Landwirt. Sicher, irgendwo sei klar gewesen, dass es mal kommt. Aber der Zeitpunkt war doch überraschend. Als die Verbandsmitglieder gestern ihrem Chef demonstrierten, dass sie voll hinter ihm stehen, kam schon ein klein wenig Rührung auf, doch die positive Stimmung überwog. „Er hat mit tollen Argumenten überzeugt, warum er sich zurückziehen will, und kann eine tolle Leistungsbilanz vorweisen“, stellt Scholz fest und verweist auf die guten Aussichten im Hinblick auf den EU-Agraretat sowie die Chancen für die Landwirte bei der Energiewende. „Das war ein optimaler Zeitpunkt für die Ankündigung des Rückzugs.“ Zumal am Tag zuvor noch Kanzlerin Angela Merkel Sonnleitner ausdrücklich gelobt hatte - wenngleich die beiden auch manche politischen Kämpfe ausgefochten haben.

Auch im Bayerischen Bauernverband wird nun der „Wahlkampf“ beginnen. Genügend Zeit ist für Kandidaten, sich in Position zu bringen. Gerd Sonnleitner war 1991 Kreisobmann des Kreises Passau, als er zum bayerischen Bauernpräsidenten gewählt wurde. Damals stand er kurz vor seinem 43. Geburtstag. Kaum sechs Jahre später wurde er Nachfolger von Constantin Freiherr von Heereman an der Spitze des Deutschen Bauernverbands.

In Sonnleitners Amtszeit hatten die Landwirte schwere Zeiten zu überwinden: 2000 die BSE-Krise mit tausenden getöteten Rindern, die ständigen Auseinandersetzungen über die EU-Agrarpolitik, der nervenzehrende interne Streit unter den Milchbauern wegen des sinkenden Milchpreises und zuletzt die Folgen der EHEC-Erkrankungen auf die deutschen Gemüsebauern. Sonnleitner hat sich immer mit Leidenschaft in die Auseinandersetzungen geworfen. Heftige Kritik, auch mitunter unfaire Angriffe, musste er von alternativen Bauernorganisationen oder Naturschützern einstecken. Wenn’s ihn persönlich traf, konnte er es meist wegstecken. Doch manche Angriffe galten auch seiner Familie - da kannte er kein Pardon und ging mit aller Deutlichkeit dagegen vor.

In die Familie will er sich nun im kommenden Jahr zurückziehen. Mit knapp 64 Jahren, um auch die Weichen zu stellen für eine geordnete Übergabe seines alten Familienbetriebs in Ruhstorf, dessen Geschichte bis ins 13. Jahrhundert zurückgeht. Sonnleitner kehrt zurück zu seinen Wurzeln.

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