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Ein neuer Wolf in Bayern? Noch ist der Verdacht nicht bestätigt.

Die Machtlosigkeit vor den Tieren

Sorge bei den Almbauern: Geht der Wolf in Bayern um?

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Miesbach/Augsburg – Der Wolfsverdacht im Kreis Miesbach hat unter den Almbauern Besorgnis ausgelöst. Nur gut, dass Schafe und Ziegen derzeit noch im Stall sind und nicht auf der Weide, heißt es.

Die Fakten sind dürftig. Am vergangenen Freitag  entdeckte ein Jäger im Mangfallgebirge zwischen Kreuth und dem Sylvensteinspeicher am Waldrand eine tote Rothirschkuh. Das stattliche Alttier war zerbissen. Mitglieder des „Netzwerks Große Beutegreifer“ dokumentierten den Fund. Die Spurenlage ist nicht eindeutig, aber alles deutet auf ein „hundeartiges Tier“ hin – in der Fachsprache der Tierexperten: ein „großer Canide“. Spuren im Schnee konnten gesichert werden, ebenso Rissspuren. Das Landesamt für Umwelt in Augsburg sicherte Material für eine genetische Analyse. Diese soll in zwei Wochen vorliegen, sagte Behördensprecherin Julia Schmid.

Bei den Almbauern hat sich die Nachricht schon rumgesprochen. Beobachten, Augen aufhalten, tote Wildtiere melden – das rät Almbäuerin Brigitta Regauer aus Bayrischzell, seit der neue Wolfsverdacht laut wurde. Sie ist die Wolfsbeauftragte des Almwirtschaftlichen Vereins. Dass die ausgewachsene Rothirschkuh von einem streunenden Hund gerissen wurde, hält sie für „schlecht vorstellbar“. In dem Gebiet liege viel Schnee, da komme ein Hund schlecht voran. „Zum Glück sind Schafe und Ziegen im Moment im Stall.“ Obwohl – man wisse ja nie: Aus Österreich sei berichtet worden, dass ein Wolf auch da eindringen kann, wenn er ausgehungert ist.

Der Wolf ist streng geschützt

Aus ihrer Meinung, dass ein Wolf im Mangfallgebirge nichts verloren hat, macht Regauer keinen Hehl. Als im vergangenen März ein aus dem Schweizer Kanton Uri zugewanderter Wolf nahe Rotwand und Wendelstein umherstreifte, sprach sie sich für die „Entnahme“ des Wolfes aus, falls alle anderen Möglichkeiten zum Schutz der Herden versagen würden. Dabei ist der Wolf streng geschützt und darf nicht geschossen werden. Die Situation eskalierte damals nicht, weil der Wolf schnell wieder verschwand – eventuell war er über Dorfen (Kreis Erding), wo es eine Sichtung gab, weitergewandert.

Die Nachricht, dass nun schon wieder ein Wolf in Oberbayern unterwegs sein könnte, besorgt die Almbauern erneut. Anton Maier junior vom Tegernsee hat davon aus dem Radio erfahren. „Für uns ist so eine Meldung jedesmal ein Albtraum“, sagt er. Zwar sind seine Milchkühe und Kälber momentan alle im Stall untergebracht und in Sicherheit. Sorge bereitet es Maier aber, dass sich die Wolfssichtungen häufen. „Wir haben auf der Alm überhaupt keine Chance, unsere Tiere zu schützen.“ Auch Simon Adlbert junior, Vorsitzender der Bezirksalmbauerschaft Tegernsee, macht sich deshalb schon seit einigen Jahren Sorgen. Als vergangenes Jahr ein Wolf im Rotwandgebiet herumstreifte, ist der Almbauer nachts immer wieder auf die Weide gegangen, um nach seinen Tieren zu sehen. „Es reicht ja schon, dass eine Kuh in Panik flüchtet und sich dabei verletzt“, sagt er.

Lösungsvorschläge bislang nicht praktikabel

Alle Lösungsvorschläge, die bisher diskutiert wurden, seien auf der Alm nicht praktikabel, behauptet er. Die Gebiete seien zu groß und zu felsig, um die Weiden der Tiere einzuzäunen. Und Herdenschutzhunde könnten auch Spaziergänger, Wanderer oder Mountainbiker als Gefahr einschätzen und angreifen. „Vor Wölfen sind wir absolut machtlos“, sagt er. „Wenn sie irgendwann sogar im Rudel auftauchen, haben wir verloren.“ Wenn Landwirte aus Angst vor Wölfen ihre Tiere nicht mehr auf die Almen bringen, dann wäre ein wichtiges Stück bayerische Kulturlandschaft in Gefahr, sagt Adlbert. „Der Alpenraum lebt von der bewirtschafteten Bergwelt. Wenn wir das einmal verloren haben, bekommen wir es nie wieder zurück.“

Das letzte Mal war die Stimmung richtig aufgeheizt, als sich 2010 das ganze Jahr über ein Wolf im Mangfallgebirge aufhielt. Er riss Schafe, auch sieben Tiere aus dem Bestand Regauers. Auch damals forderten Almbauern, das Tier abzuschießen. Manche waren sogar der Meinung, das Landesamt für Umwelt habe den Wolf ausgesetzt – was die Behörde entschieden dementierte. Der letzte Nachweis stammt vom 5. Januar 2011 – danach blieb der Wolf, dessen Elternrudel aus dem Mont-Blanc-Gebiet stammte, spurlos verschwunden. Das Tier könnte an der Staupe eingegangen oder illegal abgeschossen worden sein, doch das sind Spekulationen.

Dirk Walter und Katrin Woitsch

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