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Nach 33 Jahren ist für Grafenrheinfeld Schluss: Am 27. Juni geht Deutschlands ältester noch aktiver Atommeiler endgültig vom Netz. Das Atomkraftwerk hat 2014 rund ein Sechstel des bayerischen Stroms produziert.

Aus für AKW Grafenrheinfeld

Sorge um ein stabiles Stromnetz wächst

München - Das Atomkraftwerk Grafenrheinfeld wird am kommenden Wochenende abgeschaltet. Akuter Strommangel droht zwar nicht, doch wächst die Abhängigkeit Bayerns von Stromimporten.

Bayerns Wirtschaftsführer kritisieren: Langfristig sei eine sichere Stromversorgung nicht garantiert.

Die gute Nachricht: Nach der Abschaltung des Atomkraftwerks Grafenrheinfeld am kommenden Wochenende wird weiter Strom aus jeder bayerischen Steckdose kommen. Den ursprünglich befürchteten Engpass wird es nach Einschätzung des Wirtschaftsministeriums nicht geben. „Die Versorgungssicherheit in Bayern ist durch die Abschaltung von Grafenrheinfeld in keiner Weise bedroht“, sagt Wirtschaftsministerin Ilse Aigner (CSU).

Mehr als 33 Jahre lang hat der unterfränkische Atommeiler Strom geliefert. Aigner ist sicher, dass die Abschaltung am 27. Juni keine Schwierigkeiten verursachen wird. Die wegfallende Strommenge, so die Ministerin, könne durch neue Erneuerbare-Energien-Anlagen und konventionelle Kraftwerke in Deutschland und Europa ersetzt werden. Und zur Netzstabilisierung seien bereits „umfangreiche technische Maßnahmen“ ergriffen worden. „Das ist ein guter Moment, um einmal positiv über die Energiewende zu sprechen“, sagt Aigner.

Etwas weniger sonnig ist die Einschätzung der bayerischen Wirtschaft. Vier Jahre nach dem Atomausstiegs-Beschluss gebe es „immer noch keinen umfassenden Plan, was bis wann passieren muss, um eine sichere Stromversorgung zu wettbewerbsfähigen Preisen auch über 2022 hinaus zu garantieren“, kritisiert Bertram Brossardt, Hauptgeschäftsführer der Vereinigung der bayerischen Wirtschaft. „Inzwischen läuft uns die Zeit davon.“ Brossardt beklagt „punktuelle Korrekturversuche und zähe Diskussionen“. „Ein umfassender Energiewende-Plan ist überfällig.“

Denn je weniger Strom in Bayern produziert wird, desto abhängiger wird Bayern von Stromimporten aus anderen Bundesländern und dem Ausland. Grafenrheinfeld allein produzierte 2014 ein Sechstel des bayerischen Stroms: 10 000 von insgesamt gut 60 000 Millionen Kilowattstunden. Dieses Sechstel wird künftig fehlen.

Und nicht nur das: Schon seit Jahren geht die bayerische Stromerzeugung zurück. 2010 etwa wurden noch 73 000 Millionen Kilowattstunden in Bayern produziert. Grafenrheinfeld ist nach dem AKW Isar I der zweite bayerische Reaktor, der im Zuge der Energiewende abgeschaltet wird. In Betrieb bleiben Gundremmingen B und C sowie Isar II, die von 2017 bis 2022 vom Netz gehen werden.

Doch das bundesweite Stromnetz ist noch nicht für die Verlagerung der Stromproduktion von süddeutschen Atomkraftwerken zu norddeutschen Windanlagen umgebaut – so ist zumindest die Struktur der Energiewende angelegt. Doch dafür fehlen die Leitungen. Von Jahr zu Jahr steigt daher der Aufwand zur Stabilisierung des Netzes – im Fachjargon als „redispatch“ bezeichnet.

Das bedeutet, dass der Stromtransport von Nord- nach Süddeutschland gedrosselt werden muss, um eine Überlastung des Netzes zu vermeiden. Stattdessen wird der Strom dann entweder in Süddeutschland in Reservekraftwerken erzeugt oder aus dem Ausland importiert.

Für den kommenden Winter haben Bundesnetzagentur und Netzbereiter dafür eine Spanne zwischen 6700 und 7800 Megawatt Reservekraftwerksleistung verordnet, die zur Verfügung stehen muss.

„Redispatch“ bedeutet faktisch auch, dass eigentlich zur Verfügung stehender Windstrom aus Nord- und Ostdeutschland in Süddeutschland nicht verbraucht werden kann, weil das bestehende Stromnetz dafür nicht geeignet ist. Die Stromindustrie bekommt für den „redispatch“ Sonderzahlungen vom Bund, die Kosten in alljährlich dreistelliger Millionenhöhe tragen die Bürger.

Doch „redispatch“ ist nicht nur teuer, sondern auch technisch aufwendig – das Netz wird instabiler. „Der Netzausbau“, sagt Brossart“, ist auf allen Spannungsebenen nötig, damit die Versorgungssicherheit nach 2022 gewährleistet werden kann.“

Unterdessen hat in dem Streit um die Zwischenlagerung von Atommüll in Bayern der Landshuter Landrat Peter Dreier (Freie Wähler) Klage angekündigt. Er werde, so Dreier, alle rechtlichen Mittel ausschöpfen, um eine Lagerung am AKW Isar bei Landshut zu verhindern.

Carsten Hoefer

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