Sorgen vor dem Studenten-Ansturm

München - 56 612 - das ist die aktuelle Zahl der Studienanfänger in Bayern. Es sind so viele wie nie. Doch die Stimmung an den Unis ist schlecht - trotz aller Beteuerungen geraten sie in den Sparsog der Staatsregierung.

Eigentlich sind es ja Erfolgszahlen, die Wissenschaftsminister Wolfgang Heubisch (FDP) am Montag veröffentlicht. Noch nie gab es in Bayern so viele Studenten wie in diesem Wintersemester, nämlich knapp 283 000. Das sind rund 10 000 mehr als im Vorjahr. Besonders die Hochschulen für angewandte Wissenschaften (Fachhochschulen) erleben einen Boom: Die Zahl der Erstsemestler kletterte gleich um sieben Prozent; die Universitäten registrierten einen Anstieg um 1,6 Prozent.

Und noch mehr Zahlen: Im nächsten Jahr, wenn der doppelte Abiturjahrgang kommt, erwarten die Unis und Hochschulen rund 76 000 Studienanfänger, im Jahr darauf 72 000. „Wir freuen uns über die positive Entwicklung“, sagt Heubisch. Hochqualifizierte junge Leute seien wegen des Fachkräftemangels „dringend“ gesucht. Heubisch verkneift sich auch nicht einen Seitenhieb auf die aktuelle Integrationsdebatte: Eine Zuwanderung ausländischer Jungwissenschaftler sei hoch willkommen, die studierenden Ausländer müssten nicht einmal Deutsch können. „Das lernen sie ja dann bei uns.“

Dennoch schieben sich Sorgenfalten auf das Gesicht des Ministers. Um etwaigen Nachfragen zuvorzukommen, spricht er die Spardebatte bei der Pressekonferenz zum Start des Wintersemesters gleich von sich aus an. Ende September hat der bayerische Ministerrat Bauvorhaben der Unis auf Eis gelegt - betroffen sind unter anderem die Hochschulen Ingolstadt und Weihenstephan-Triesdorf. Der dortige Präsident Prof. Hermann Heiler droht bereits, zusätzliche Studienanfänger nicht aufzunehmen.

Weitere Daumenschrauben für die Unis kommen hinzu: eine Stellensperre bis Jahresende, die Neueinstellungen vorerst verhindert, sowie eine Ausgabensperre für Verwaltungsausgaben in Höhe von fünf Prozent. Die Präsidenten der Unis und Hochschulen protestieren dagegen scharf (siehe Seite 1) - sie sehen die Bewältigung des doppelten Abiturjahrgangs „ernsthaft gefährdet“.

Heubisch bleibt vorerst nur, die Vorläufigkeit der Sparbeschlüsse zu betonen. Am 6. und 7. November berät der Ministerrat in einer Sparklausur erneut, Mitte November wird es auf Basis einer neuen Steuerschätzung endgültige Beschlüsse geben. Was kommt da auf die Unis zu? Heubischs Worte lassen Raum für Spekulationen: So sagt er, er lasse prüfen, ob es einen „Spielraum für Einsparungen außerhalb des Personalbereichs an den Hochschulen“ geben könne. Er fügt jedoch an, er werde genau prüfen, ob ein Kürzungsvorschlag die „Funktions- und Arbeitsfähigkeit der Hochschulen“ einschränke. So oder so - auf die Kabinettsklausur freut sich Heubisch nicht. „Das werden harte Verhandlungen.“

Für die Abiturienten sind das seltsame Signale. Schon in zwei Monaten, am 23. Dezember, wird der letzte G 9-Jahrgang ein vorläufiges Bewerbungszeugnis erhalten, mit dem sich die Schüler für das Sommersemester 2011 einschreiben können. Die Bewerbungsfrist ist eng gefasst - der Antrag muss bis 15. Januar bei den Unis eingegangen sein, damit ein Studienbeginn am 2. Mai möglich ist. Auf www.studieren-in-bayern.de sind alle Studienangebote aufgelistet - wenn nicht noch nachträglich daran herumgestrichen wird.

Dirk Walter

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