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Ein trauriger Trend: Mit Kindern steigt die Gefahr, in die Armut abzurutschen. Vor allem Alleinerziehende sind finanziell benachteiligt.

Sozialbericht: Niederbayern haben größten Wohlstand

München - Bayern bleibt eines der reichsten Bundesländer – doch steigt die Zahl der Niedrigverdiener stetig. Auch für junge Paare mit Kindern, Senioren, Langzeitarbeitslosen und Migranten wächst die Gefahr, in die Armut abzurutschen.

Ein Trend, der die Wohlfahrtsverbände besorgt.

Die Bayern genießen den höchsten materiellen Wohlstand in Deutschland. Allerdings steigt die Zahl der Niedrigverdiener: Von 2000 bis 2007 ist die Quote der schlecht bezahlten Vollzeit-Arbeitnehmer von 14,5 auf 17,5 Prozent geklettert, wie Sozialministerin Christine Haderthauer (CSU) gestern im zuständigen Landtagsausschuss berichtete. „Die Menschen haben in Bayern den höchsten Wohlstand, aber an der Wohlstandsentwicklung von 2000 bis 2008 haben nicht alle Bevölkerungsgruppen den gleichen Anteil gehabt.“ Und auch in Bayern sind Kinder ein Armutsrisiko. Die höchste Gefahr von Armut und sozialem Abstieg droht alleinerziehenden Eltern, Einwanderern und Rentnern.

Indirekt, aber klar und deutlich geht aus dem Bericht auch hervor, dass zwar die Unternehmen und die Staatskasse über die Steuereinnahmen von der steigenden Wirtschaftskraft profitieren, die bayerische Bevölkerung jedoch kaum. Von 2003 bis 2008 stieg das Nettohaushaltseinkommen pro Haushalt nur um elf Euro – das Bruttoinlandsprodukt aber um 15 Prozent.

Reale Einkommensverluste haben vor allem die Rentner erlitten, von denen viele in Einpersonenhaushalten leben. Als arm oder armutsgefährdet gelten diejenigen, die weniger als 60 Prozent des Medianeinkommens verdienen. Das waren im Jahr 2008 1,6 Millionen Menschen in Bayern. Darunter waren 400 000 Ältere, aber auch 375 000 Eltern und ihre Kinder in ganz normalen Familien. Und Einwanderer sind im statistischen Schnitt doppelt so häufig arm wie die einheimische Mehrheitsbevölkerung – das Armutsrisiko der „Menschen mit Migrationshintergrund“ lag 2008 bei 23,2 Prozent.

Im Vergleich zum deutschen Durchschnitt sind diese Zahlen aber niedrig: In Bayern sind gut zehn Prozent der Bevölkerung arm, bundesweit 13 Prozent. „Bayern hat das niedrigste Armutsrisiko“, sagte Haderthauer dazu.

Große regionale Unterschiede gibt es in der Wirtschaftskraft und bei den Nettoeinkommen – doch faktisch ist das regionale Wohlstandsgefälle in Bayern zwischen Nord und Süd nach Haderthauers Einschätzung weit niedriger als angenommen. Grund sind die niedrigeren Preise in den wirtschaftlich schwächeren Landesteilen im Norden und Osten Bayerns.

Nominal sind zwar die Oberbayern die reichsten Bürger des Freistaats, weil die Gehälter im Süden am höchsten sind. Doch liegt auch das Preisniveau in München um 35 Prozent höher als in Hof.

Berücksichtigt man daher die Kaufkraft, sieht das Bild anders aus: „Erstaunlicherweise war es nicht Oberbayern, sondern Niederbayern, das den höchsten mittleren Wohlstand hat“, sagte Haderthauer.

Auch die Oberfranken sind demnach trotz vergleichsweise schwacher Wirtschaftsleistung nur unwesentlich ärmer als die Münchner. Das mittlere Nettoeinkommen pro Haushalt liegt in München bei knapp 101 Prozent des bayerischen Durchschnitts, in Oberfranken bei 99 Prozent. „Wir haben viel weniger regionales Gefälle als man so meint“, sagte Haderthauer.

Die Landesarbeitsgemeinschaft der Freien Wohlfahrtspflege bemängelt jedoch, dass der Bericht „die Lage vor der Krise“ spiegele. Die von den Verbänden in den vergangenen beiden Jahren beobachtete verschärfte Armutsentwicklung aufgrund der Wirtschafts- und Finanzkrise werden noch nicht abgebildet, kritisierte der Vorsitzende, Landescaritasdirektor Prälat Karl-Heinz Zerrle. Besorgniserregend seien auch längerfristige Trends: dazu zählten das höhere Armutsrisiko für Senioren, Alleinerziehende, Langzeitarbeitslose und Migranten sowie für Paare mit Kindern und Niedriglohnempfänger. Die Grünen im Landtag bezeichnen den aktuellen Sozialbericht als alarmierend. Gerade bei den Alleinerziehenden sei die Armutsquote mit 40 Prozent auf ein skandalöses Niveau angewachsen.

mm/lby

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