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Fast jeder Schüler nutzt Facebook. Aber Kontaktaufnahme mit Lehrern ist unerwünscht.

Dienstliche Kommunikation untersagt

Soziale Netzwerke: Für Lehrer tabu

München - Dürfen Lehrer und Schüler über Facebook befreundet sein? Über diese Frage ist in Deutschlands Schulen wieder einmal Kleinstaaterei ausgebrochen. Jedes Land hat eine andere Regelung – und diesmal sind die Bayern gar nicht mal die Strengsten.

Rheinland-Pfalz prescht vor – mit einem Verbot. Lehrer dürfen dort über Facebook keinen Kontakt mehr mit ihren Schülern haben, privat nicht, und dienstlich schon gar nicht. Das Bildungsministerium habe die Schulen darüber informiert, sagte ein Ministeriumssprecher in Mainz.

Damit sollen Freundschaften über Facebook ebenso nicht mehr möglich sein wie das Nutzen des Netzwerks als Lernplattform. Die Trennung sei auch nötig, weil der Bildungsauftrag der Schule mit dem Geschäftsmodell von Facebook – einer Auswertung persönlicher Daten für kommerzielle Zwecke – nicht zu vereinbaren sei.

In Bayern ist die Richtlinie nicht ganz so strikt formuliert. Dienstlich ist der Gebrauch von Facebook den Lehrern untersagt, sie dürfen dort zum Beispiel keine Hausaufgaben oder Schultermine veröffentlichen. Alle sozialen Netzwerke seien „für den Austausch dienstlicher Daten nicht geeignet“, heißt es klipp und klar in einem im März veröffentlichten Leitfaden der Staatsregierung zum Umgang von Staatsbediensteten mit sozialen Medien. Doch vor einem generellen Verbot schreckt die Regierung zurück. Schließlich hätten Lehrer auch ein Privatleben und das Recht, Facebook zu nutzen. „Wir raten aber zu einem defensiven Umgang“, sagt Ministeriumssprecher Henning Gießen. Ein Lehrer sollte Schülern keine Freundschaftsanfrage stellen, weil der Schüler dadurch unter Druck gesetzt werden könne – was ist, wenn er sie ablehnt? Und umgekehrt „sollten Lehrer Freundschaftsanfragen ihrer Schüler immer zurückweisen“, rät Gießen.

Nicht alle Schulen sehen das so eindeutig. An der Mittelschule Poing (Kreis Ebersberg) gab es bis vor kurzem eine Sozialpädagogin, die ganz bewusst die Freundschaft mit den Schülern suchte – mit dem Hintergedanken, so im Blick zu haben, was die Schüler so treiben, und im Zweifelsfall – etwa bei Mobbing – auch schnell einschreiten zu können. Das Projekt ist mittlerweile ausgelaufen, sagt Schulleiterin Simone Fleischmann. Der neue Leitfaden gelte natürlich auch für ihre Schule. „Wir raten zu größter Vorsicht mit Facebook.“

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Auch der Lehrer Hergen Kicker, der am Werner-von-Siemens-Gymnasium in München unterrichtet, meidet soziale Netzwerke, „weil Facebook Daten auswertet, und das geht gar nicht“. Stattdessen nutzt er „moodle“, eine international genutzte Lernplattform im Internet, die der Freistaat den Schulen zur Verfügung stellt. Es gibt Fach-Foren, Unterrichtsmaterial, eine Nachrichtenbörse für Termine, aber auch einen „Pausenraum“, wo Schüler privat quatschen können. Problem: Der Kontakt wird über E-Mails gehalten – und immer weniger Schüler schauen ständig in ihr E-Mail-Postfach. Sie tummeln sich lieber auf kostenlosen Kurznachrichtendienst WhatsApp.

Nicht in jedem Bundesland indes ist der Umgang mit sozialen Netzwerk überhaupt geregelt. Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern, Hessen und Niedersachsen sehen keinen Handlungsbedarf. Man vertraue dem pädagogischen Geschick der Lehrer, heißt es. In Nordrhein-Westfalen gilt schlicht die allgemeine Dienstordnung – Lehrer müssen sich „amtsangemessen verhalten“, professionelle Distanz wird vorausgesetzt.

dw/dpa

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