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Pflegekritiker Fussekwill Kameras in manchen Pflegezimmern.

Fussek fordert Überwachung

Experte: „Installiert Kameras in Pflegezimmern“

München – Der Münchner Sozialexperte Claus Fussek (61) bringt als Mittel zum Kampf gegen die Missstände in der Pflege Kamera-Überwachungen in Heimen ins Spiel.

In einem Interview mit der „tz“ sagt der bekannte Pflegekritiker: „Ich fände ich es eine gute Idee, man würde in manchen Pflegezimmern Kameras installieren.“ Fussek will das nicht als Instrument der Überwachung verstanden wissen. „Überwachen klingt zu negativ. Nennen wir es Beobachtung – zur Unterstützung des Personals. Und es geht darum, den Angehörigen die Angst vor einer schlechten Versorgung ihrer Liebsten zu nehmen. Eine Kamera könnte dies lösen.“ Fehler wären so auch überprüfbar, vor allem aber würde durch eine Kamera eine sofortige Offenheit erzielt. „Das täte der ganzen Pflege gut. Und es geht, das ist wichtig, auch nicht um alle Zimmer, sondern um die Räume, wo sturzgefährdete, unruhige und auch sterbende Menschen liegen“, betont er. Auf den Einwand, dass Pflegekräfte sich bestimmt ungern bei der Arbeit filmen ließen, antwortet der Münchner: „Ich kenne einige Pfleger, die diese Idee gut finden. Es geht mir ja besonders um die Nachtschichten.“ Er hält die Installation von Kameras in Pflegezimmern auch juristisch für möglich – mit Einverständnis der Betroffenen bzw. deren Angehörigen und der Einrichtung. Hier müsse die Politik reagieren und die gesetzlichen Möglichkeiten schaffen. Fussek ist klar, dass dies laut Justizministerium „ein schwerwiegender Eingriff in das Persönlichkeitsrecht ist, der unter Beachtung des Verhältnismäßigkeitsprinzips aber möglich ist“.

In Bezug auf die zu erwartenden Einwände der Datenschützer weist er darauf hin, dass sich mit den Aufzeichnungen aber vielleicht auch belegen ließe, dass bei einem Fehler das Personal beispielsweise völlig überlastet war – ihn oder sie somit gar keine Schuld treffe. Etwa wenn die Nachtschicht wieder mal unterbesetzt gewesen sei. Diese Überwachung müsse somit dem Personal nicht schaden. „Im Gegenteil: Die meisten Pflegekräfte leisten gute Arbeit. So könnte man gleich sehen, wo der Fehler im System liegt, wenn es zu Missständen kommt.“ Zum Beispiel beim Thema Fixierungen: „Die Pflegekraft fixiert ja nicht, weil ihr das Spaß macht, sondern weil zu wenig Personal da ist, um auf den Patienten aufzupassen. Bei sturzgefährdeten Menschen wäre eine installierte Anlage wie ein Frühwarnsystem.“

Fussek wirft der Politik vor, sich zu wenig um die Probleme in der Pflege zu kümmern. Auf die Frage, wem er zutrauen würde, etwas zu verändern, antwortete er: „Ehrlich gesagt: Mir fällt niemand ein, der bereit ist, endlich auch mal unangemeldete Besuche in Pflegeheimen zu machen.“ Die Kontrollen seien zu lasch. Bei Missständen im Tierheim sei die Empörung größer. „Die alten Menschen haben, genauso wie die Pflegekräfte, keine Lobby.“

age

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