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Es bleibt eine Herausforderung: Beruf und Kinder.

Vereinbarkeit von Familie und Beruf

Emilia Müller im Interview: „Kinder dürfen kein Karriereknick sein“

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München - Bayerns Sozialministerin Emilia Müller sieht die Vereinbarkeit von Familie und Beruf als Daueraufgabe. Bayern, sagt sie, ist bei diesem Thema noch lange nicht am Ziel.

Emilia Müller ist nicht nur Sozialministerin, sondern auch Mutter und zweifache Oma. Sie weiß, was dazu gehört, Familie und Karriere unter einen Hut zu bekommen. Sie sieht es als eine Dauer-Aufgabe, die Situation für berufstätige Eltern zu verbessern. Und davon, sagt sie, profitieren zu guter Letzt auch deren Arbeitgeber (unlängst besuchte sie die betriebseigene Kinderkrippe von Fujitsu).

Müssen sich Frauen noch zwischen Beruf und Familie entscheiden?

Emilia Müller: Wir sind in Bayern auf einem guten Weg, um Familie und Beruf vereinbar zu machen – aber wir sind noch nicht am Ziel. Es gibt viel zu tun, um berufstätige Frauen zu entlasten. Sie sind gut ausgebildet und wollen ihre Kompetenz einbringen – dazu müssen wir ihnen Möglichkeiten bieten.

Wie intensiv beschäftigen sich Männer mit dem Thema?

Emilia Müller: Die Familienarbeit ist eine Herausforderung, die vor allem Frauen meistern müssen. Aber Männer beschäftigen sich heute intensiver mit dem Thema als noch vor einigen Jahren. Und die Unternehmen haben sich darauf eingestellt, dass auch Väter in Elternzeit gehen. Bayerns Väter sind Spitzenreiter, was das angeht: 41 Prozent der Väter nehmen Elternzeit.

Sie selbst sind für Ihre Kinder 13 Jahre zu Hause geblieben und haben dann den Wiedereinstieg ins Berufsleben geschafft. Ist das heute noch möglich?

Emilia Müller: Damals gab es keine Krippenplätze oder Tagesmütter. Ich habe ein Jahr lang mit Kind gearbeitet und meine Mutter hat mich unterstützt. Danach habe ich mich dann ganz der Familie gewidmet. Als ich nach 13 Jahren ins Berufsleben zurückgekehrt bin, hatte ich die erste Job-Sharing-Stelle an der Uni Regensburg. Heute wären 13 Jahre Auszeit vom Beruf gerade in hochqualifizierten Berufen wohl nicht mehr möglich. Damit der Wiedereinstieg gut funktioniert, brauchen wir gute Rahmenbedingungen. Unternehmen können zum Beispiel während der Elternzeit den Kontakt halten und zum Einstieg flexible Arbeitszeiten oder Home-Office anbieten.

Beruf und Familie sind vielleicht vereinbar – aber auch Karriere und Familie?

Emilia Müller: Das ist unser Ziel! Karriere muss für Mütter möglich sein. Deshalb brauchen wir auch Führungspositionen in Teilzeit.

Was muss passieren, damit Frauen nicht das Gefühl haben, sich zwischen Karriere und Kinderwunsch entscheiden zu müssen?

Emilia Müller: Eltern müssen sich vor allem darauf verlassen können, dass ihre Kinder qualifiziert und kindgerecht betreut werden, während sie arbeiten. Davon profitieren beide: Familien und Unternehmen.

Wie?

Emilia Müller: Unternehmen, die auf Familienfreundlichkeit setzen, sind attraktiv für qualifizierte Fachkräfte. Das ist ein klarer Wettbewerbsvorteil. Die Bindung der Mitarbeiter ist viel stärker, wenn sie auf Verständnis für ihre Familiensituation stoßen. Die Motivation auch. So steigern Betriebe ihre Produktivität.

Allerdings tun sich große Unternehmen leichter, Betreuungsmöglichkeiten anzubieten.

Emilia Müller: Natürlich kann nicht jeder Betrieb eine eigene Kinderbetreuung anbieten, aber es gibt immer Unterstützungsmöglichkeiten. Einige Firmen tun sich zum Beispiel zusammen und gründen eine gemeinsame Betriebs-Kita. Jeder Betrieb muss nach individuellen Lösungen suchen. Vor allem kleine Firmen sind ja viel näher an ihren Beschäftigten dran. Es ist nicht nur eine Sache der Organisation, sondern auch der Bereitschaft.

Wie groß ist die Bereitschaft in Bayern?

Emilia Müller: Die meisten Unternehmen haben erkannt, dass sie sich familienbewusst orientieren müssen. Nur so haben sie bei der Suche nach qualifizierten Mitarbeitern die Nase vorn.

Was tut die Politik, um Betriebe und berufstätige Eltern zu unterstützen?

Emilia Müller: Wir haben das Betreuungsangebot für Kinder unter drei Jahren massiv ausgebaut. Der Bedarf für die Über-Dreijährigen ist komplett abgedeckt. Unser Ziel ist, dass es bis 2018 für jedes Kind unter 14 Jahren eine Ganztagsbetreuung gibt. Wir gehen das Thema Vereinbarkeit von Familie und Beruf gemeinsam mit den Wirtschaftsverbänden an. Deshalb haben wir 2014 den Familienpakt Bayern gegründet. Das ist ein Netzwerk für Unternehmen und Institutionen, durch das sie ihr familienbewusstes Engagement zeigen und sich austauschen können. Ganz konkret unterstützen wir Betriebe in Bayern mit unserer Initiative „Mit Elternkompetenz gewinnen“. Unternehmen können sich dabei gezielt beraten lassen, wie sie ihre Personalführung noch familienfreundlicher machen können. 140 Firmen haben dieses Angebot bereits genutzt. Das zeigt, dass wir den richtigen Nerv treffen.

Den November haben Sie zum Monat der Vereinbarkeit von Familie und Beruf gemacht. Bekommt das Thema noch zu wenig Aufmerksamkeit?

Emilia Müller: Es ist eine Daueraufgabe. Mich beschäftigt dieses Thema schon mein ganzes Leben. Es ist mir wichtig, dass Frauen ihre Kompetenzen im Berufsleben einbringen können. Dass Kinder keinen Karriereknick bedeuten. Zu Kinder, Küche, Kirche gehört ein weiteres K: Karriere. Junge Frauen müssen ihr Leben selbstbestimmt gestalten können – das kann man nicht oft genug betonen. 

Kommentar: Familienfreundlicher Arbeitsalltag ist noch nicht Realität

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