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Altersarmut in Bayern steigt - besonders massiv in München und Umgebung.

Sozialverband fordert Trendwende

Wenn im Alter das Geld fehlt

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Die Rentner in Bayern werden ärmer. Immer mehr benötigen Grundsicherung. Um das zu verhindern, fordert der Sozialverband VdK schnelle politische Reformen von der zukünftigen Bundesregierung.

München – Der Tag von Johann Schoop (65) beginnt um zwei Uhr nachts. Er fährt dann zur Arbeit. Vor sieben Jahren wurde der Installateur schwer zucker- und herzkrank, seine Arbeit musste er aufgeben. Doch seine Erwerbsminderungsrente ist klein. 460 Euro bekommt er vom Staat. Im Landkreis Ebersberg, wo er wohnt und das Leben teuer ist, reicht die Rente nicht – auch wenn er keine Miete, sondern nur den Unterhalt seines Hauses zahlen muss. „Das ist unfair“, sagt er. 40 Jahre habe er in die Rentenkasse einbezahlt. Mit dem 450-Euro-Job hält er sich über Wasser. Er trägt Zeitungen aus.

Neben Schoop beziehen etwa 224 000 anderen in Bayern Erwerbsminderungsrente, wie Ulrike Mascher, die Landesvorsitzendes des Sozialverbandes VdK mitteilt. Bei vielen reiche diese nicht aus. „Derzeit wird man für Krankheit, die zum frühen Ausscheiden aus dem Erwerbsleben führt, geradezu bestraft“, sagt Mascher. Im Durchschnitt müssten Rentenabschläge von 10,8 Prozent in Kauf genommen werden. Die Folge: ein hohes Armutsrisiko. Daher brauche es dringend politische Reformen, um Armut im Alter entgegenzuwirken. Diese, mahnte Mascher, drohe zukünftig weiter zu steigen, sollte es nicht zu einer klaren Trendwende für Rentner kommen.

Altersarmut in Bayern steigt

Dass die Altersarmut in Bayern steigt, sei belegt, sagt Mascher. Da könne auch die Staatsregierung mit ihrem Sozialbericht nichts schönreden. Die Zahl der Rentner, die Grundsicherung bekommen, ist zum Beispiel im Landkreis Ebersberg in den letzten zehn Jahren um 84 Prozent gestiegen, wie das zuständige Landratsamt auf Nachfrage unserer Zeitung mitteilt. Im ganzen Freistaat beziehen laut VdK 122 000 Menschen staatliche Sicherung im Alter. Angelehnt ist diese an den Hartz IV Regelsatz, das sind 409 Euro im Monat.

Mascher betont: „Weitaus nicht alle Anspruchsberechtigten stellen einen Antrag auf Grundsicherung. Meistens tun sie es dann, wenn wirklich gar nichts mehr geht.“ Außerdem würden sich viele schämen, wenn sie eingestehen müssen, dass das Geld nicht zum Leben reiche. So wie Lisa Meyr aus dem Landkreis Dachau, die deswegen ihren richtigen Namen nicht in der Zeitung lesen will. „Weil man das eben nicht nach außen trägt“, sagt sie. 67 Jahre ist sie alt, vor sieben Jahren musste sie wegen einer Krebserkrankung ihre Arbeit in einem Büro aufgeben. Sie bekommt etwa 1000 Euro Rente. Das klinge viel, aber wenn die Miete abgezogen sei, schaue es anders aus. 440 Euro blieben ihr zum Leben im Monat, rund 14 Euro am Tag. Ein Theaterbesuch sei ein Luxus, den sie sich einmal im Jahr in ihrer kleinen Gemeinde leisten könne. Zehn Euro kostet die Karte. Weil sie weder Kinder noch Ehemann hat, sei es umso schwerer über die Runden zu kommen. Ulrike Mascher sagt, dass solche Fälle bitter seien. Denn obwohl die Frau ein Leben lang gearbeitet habe, müsse sie vielleicht irgendwann aufs Amt gehen, um Grundsicherung zu beantragen.

Die Bekämpfung von Armut im Alter müsse, so Mascher, dringendste Aufgabe der zukünftigen Regierung sein. Die „Rente nach Mindesteinkommen“ müsse reaktiviert werden. Das heißt, niedrige Einkommen sollen nachträglich auf einen Mindestbetrag für die Rentenberechnung aufgestockt werden. Außerdem solle die Mütterrente angepasst werden, also die Anerkennung von drei Erziehungsjahren pro Kind auf die Rente, egal wann dieses geboren wurde. Andernfalls gebe es richtig Ärger mit dem VdK, sagt Mascher.

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