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Eine Kampagne gegen Altersarmut: Die VdK-Präsidentin Verena Bentele fordert eine umfassende Rentenreform.

VdK startet Kampagne für gerechte Renten

Bentele: „Alle müssen für die Rente zahlen“

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Der Sozialverband VdK startet eine bundesweite Kampagne für gerechte Renten. VdK-Präsidentin Verena Bentele erklärt, was der Verband fordert.

Der Sozialverband VdK berät häufig Senioren, denen die Rente nicht zum Leben reicht. Doch auch viele junge Menschen machen sich Sorgen um ihre Altersversorgung, berichtet die VdK-Präsidentin Verena Bentele. Die VdK-Landesversammlung, die heute in München beginnt, will der Verband auch dafür nutzen, eine bundesweite Kampagne für gerechtere Rente vorzustellen. Bentele erklärt, was der VdK von der Politik fordert.

Frau Bentele, Sie sind 37 Jahre alt. Wie oft denken Sie über Ihre Rente nach?

Oft – weil ich mich als VdK- Präsidentin viel mit diesem Thema beschäftige. Das erste Mal habe ich mir nach dem Studium Gedanken über meine Rente gemacht. Als ich bei einer Beratung war, um zu entscheiden, ob ich selbstständig oder in Anstellung arbeiten möchte. Bei dieser Frage geht es natürlich auch darum, wie viel man als Selbstständiger verdienen muss, um etwas für die Rente ansparen zu können.

Haben Sie den Eindruck, dass sich viele jüngere Menschen Sorgen über
ihre Rente machen?

Ja, viele sind besorgt. Das Thema Rente kommt bei unseren Diskussionen und Veranstaltungen immer wieder auf. 80 Prozent der jüngeren Menschen vertrauen nicht mehr auf eine gesetzliche Rentenversicherung – das ist sehr beunruhigend. Und auch bei den Älteren schwindet das Vertrauen. Die Initiative neue soziale Marktwirtschaft suggeriert in ihren großen Anzeigen, dass die Jungen für die Alten allein zahlen. Für sie selbst bleibt angeblich nichts übrig. Das soll das Vertrauen in die gesetzliche Altersvorsorge untergraben. Wir wollen dem etwas entgegensetzen: Jung und Alt müssen gemeinsam für eine gerechte Rente kämpfen.

Senioren, die arbeiten müssen, weil ihnen die Rente nicht reicht – ist das noch eine Ausnahme?

Nein, das ist leider nicht die Ausnahme. In unsere VdK-Beratungsstellen kommen viele ältere Menschen, die putzen gehen, Supermarktregale einräumen oder Kurierfahrten machen. Ich habe gerade erst eine Lieferung bekommen. Der Bote sagte mir, er könne das Paket nicht in den vierten Stock tragen, weil er schon 75 sei. Er macht diesen Job bestimmt nicht freiwillig.

Wie muss die Politik das Problem Altersarmut angehen?

Sie muss vor allem das Thema Lohn angehen. Rentenpolitik fängt nicht erst an, wenn man Rentner ist – sondern schon im Berufsleben. Damit man eine Rente über der Grundsicherung bekommt, braucht man erstmal einen Mindestlohn, der mindestens bei 12,80 Euro liegt. Außerdem fordern wir als VdK, dass alle in die Rentenversicherung einzahlen müssen.

Nach dem Vorbild der Erwerbstätigenversicherung in Österreich?

Ja, genau. Dort zahlen auch Beamte und Selbstständige ein. Um eine gerechte Rente zu bekommen, muss man eben auch die Steuerpolitik ändern. Hohe Vermögen und Finanztransaktionen müssen besteuert werden. Außerdem müssen wir überlegen, wie wir Firmen verpflichten, Steuern zu zahlen, die das bisher noch nicht tun. Jeder der in Deutschland Geld verdient, muss Steuern zahlen.

Wie sieht die Renten-Kampagne des VdK aus?

Unser Ziel ist es, möglichst viel Aufmerksamkeit auf das Thema Rente zu lenken. Natürlich wollen wir vor allem bei der Politik Gehör finden. Derzeit tagt die Rentenkommission der Bundesregierung. Wir wollen mit den Parteien ins Gespräch kommen – aber natürlich auch mit unseren Mitgliedern. Zudem müssen wir mit allen, die sich für das Thema Rente engagieren, Bündnisse schmieden.

Wie präsent wird die Kampagne im Alltag der Menschen sein?

Wir haben uns ganz vielseitige Aktionen überlegt. Es gibt Plakate, Infostände, Diskussionsveranstaltungen, aber auch Kreatives wie eine Renten-Kneipentour. Auch planen wir eine große Demo, um unsere Forderungen auf die Straße zu bringen. Die Kampagne soll nicht nur im politischen Berlin oder in München stattfinden, sondern dort, wo unsere Mitglieder sind – überall in Bayern und Deutschland.

Selbst wenn es eine umfassende Rentenreform geben wird – für den 75-jährigen Paketboten kommt sie wohl zu spät.

Natürlich brauchen wir auch zeitnahe Lösungen. Der VdK ist klar für die Grundrente. Menschen, die 35 Jahre und mehr gearbeitet haben, müssen mehr Geld auf dem Konto haben.

Interview: Katrin Woitsch

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