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Bayerns Kultusminister Ludwig Spaenle

"Jedes Gymnasium bis 2014 mit Ganztagszweig"

München - Jedes Gymnasium in Bayern soll bis 2014 komplett für Ganztagsbetrieb ausgelegt sein. "Wir haben das strategische Ziel, in den nächsten zwei Jahren zu ermöglichen, dass an möglichst jedem Gymnasium ein gebundener Nachmittagszug angeboten werden kann."

G 9, Unterrichtsausfall, Zentralabitur: Das Gymnasium ist ins Gerede gekommen – wieder einmal. In einem Interview mit unserer Zeitung bezieht der bayerische Kultusminister Ludwig Spaenle (CSU) energisch Position – und kündigt einige Änderungen an.

Wie erfolgreich ist das G 8 wirklich?

Die Konzeption des bayerischen Gymnasiums ist gelungen, wir wissen aber auch um die Themen, denen wir uns stellen müssen.

Welche sind das?

Erstens die Leistungsspreizung an den Gymnasien. Wenn wie im Großraum München teilweise bis zu 60 Prozent eines Jahrgangs nach der 4. Klasse aufs Gymnasium wechselt, gibt es eine hohe Heterogenität. Die Frage ist, wie wir darauf reagieren. Zweitens die Durchfallerquote im Abitur, die gegenüber dem letzten Jahrgangs des neunjährigen Gymnasiums leicht erhöht ist. Drittens die Lehrplan-Betrachtung und die Fächergewichtung.

Wird es jetzt mehr Mathe und Deutsch in der Mittelstufe geben?

Wir überlegen in der Tat, ob wir eine Empfehlung geben, eine flexible Intensivierungsstunde für den Fachunterricht zu verwenden, so dass es beispielsweise in der 8. Klasse dann vier statt bisher drei Stunden Mathematik wöchentlich geben würde. Das ist ja auch eine langjährige Forderung sowohl der Elternvertretung wie auch des Philologenverbands. Damit wäre der Unterricht in den Kernfächern gestärkt.

Welche Änderungen haben Sie noch im Blick?

Wir haben das strategische Ziel, in den nächsten zwei Jahren zu ermöglichen, dass an möglichst jedem Gymnasium ein gebundener Nachmittagszug angeboten werden kann, das heißt regulärer Unterricht am Nachmittag. Natürlich muss das vor Ort der Sachaufwandsträger, also in der Regel die Landkreise und kreisfreien Städte, entscheiden. Ein ganztägig gestaltetes Gymnasium bietet mehr Möglichkeiten, die Schüler zu fördern. Übrigens bleibt auch das Gymnasialbudget, das die Schulen eigenverantwortlich verwalten dürfen, entgegen aller Gerüchte weiterhin erhalten. Da gilt das Wort des Ministers.

Der SPD-Spitzenkandidat Christian Ude hat die Rückkehr zum G 9 vorgeschlagen. Überrascht es Sie, dass der Philologenverbandschef Meidinger das unterstützt?

Der Vorschlag ist Dilettantismus zu Lasten der Schüler und der Schulfamilie. Das wäre ein Eingriff in die Schulstruktur mit schweren Auswirkungen auf den Lehrplan. Auch beim G 9 könnte nicht der alte Lehrplan einfach revitalisiert werden. Es ist auch ein Irrtum, dass es bei einem G 9 keinen Nachmittagsunterricht geben würde. Man hätte zwei Gymnasialtypen in einem Gymnasium – das halte ich für den falschen Weg. In Nordrhein-Westfalen scheitert dieser Versuch gerade kläglich. In Baden-Württemberg tobt deswegen ein regelrechter Schulkrieg. Herr Ude sollte sich mit Schule besser nicht beschäftigen.

Stichwort Unterrichtsausfall. Ihr Ministerium hat empfohlen, Exkursionen nur noch am Nachmittag zu veranstalten. Das hat die Lehrer verärgert.

Das sind doch Einzelmaßnahmen, die oft an den Schulen ohnehin stattfinden. Da gibt es doch eine ganze Liste von Vorschlägen. Aber niemand will, dass die Lehrer länger arbeiten müssen.

Aber Sie verpflichten sie zu Mehrarbeit.

Die Mehrarbeit ist ein gängiges Instrument an Schulen, um im Einzelfall Unterricht sicherzustellen. Aber ich will, dass diese Mehrarbeit auch bezahlt wird. Das ist möglich, wenn der Lehrer vier Stunden Mehrarbeit leistet – und nicht drei, die nach der üblichen Regelung unbezahlt sind.

Schulleiter der Grund- und Mittelschulen klagen über hohen Verwaltungsaufwand. Müsste es nicht selbstverständlich sein, dass jeder Schulleiter eine Vollzeit-Sekretärin hat?

Das stimmt im Prinzip. Den offenen Brief der Schulleiter verstehe ich als Unterstützung. Wir brauchen insgesamt mehr Verwaltungskräfte. Klare Ansage: Da werde ich für den Doppelhaushalt mehr Geld beantragen.

Das Interview führte Dirk Walter

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