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Kultusminister Ludwig Spaenle will das Experiment "Gemeinschaftsschule" stoppen.

Spaenle kämpft gegen Gemeinschaftsschule

München - SPD und interessierte Kommunen in Bayern wollen Gemeinschaftsschulen gegen den Willen der Staatsregierung einführen. Kultusminister Ludwig Spaenle will das Experiment stoppen.

Kultusminister Ludwig Spaenle (CSU) will die von der SPD geforderte Einführung von Gemeinschaftsschulen in Bayern stoppen. In Anklang an die Gesamtschulen der 1970er Jahre sagte Spaenle dazu: “Einen Marsch in die Vergangenheit werden wir auf gar keinen Fall mitmachen.“ Spaenle verwies in einem Gespräch mit der Nachrichtenagentur dpa auf Nordrhein-Westfalen, wo die rot-grüne Landesregierung das dreigliedrige Schulwesen nicht abgeschafft hat: “Und ich möchte fast sagen, dass dieser Marsch auch in der SPD schon auf dem Trümmerhaufen der Geschichte liegt. Denn auch in Nordrhein-Westfalen, wo die SPD mitregiert, ist eines definitiv beerdigt: Das ist die Einheitsschule.“

Die Landtags-SPD erarbeitet derzeit gemeinsam mit mehreren Kommunen Konzepte für örtliche Gemeinschaftsschulen. Die Kommunen sollen dann beim Ministerium die Zulassung der neuen Schulen beantragen und so die Gemeinschaftsschulen durchsetzen.

Mit dem Versprechen, alle Kinder von der ersten bis zur zehnten Klasse unterschiedslos in einer Schule zu unterrichten, gaukle die SPD den Menschen falsche Hoffnungen vor, kritisiert der Minister. “Was wir in den Mittelpunkt stellen, sind zwei Dinge: Den Erhalt kleiner Schulstandorte in Wohnortnähe und das Angebot, an allen Schulen einen mittleren Abschluss zu haben, der mit dem der Realschule gleichwertig ist“, sagte Spaenle. “Beides leisten wir mit unserem Konzept der Mittelschule und den Schulverbünden. Bei uns heißt es Zusammenarbeiten, nicht Zusammenlegen.“

“Eine Mehrheit für die Einführung der Gemeinschaftsschule erkenne ich nicht.“

Klare Zahlen belegten, dass die Mittelschule gut angenommen werde. “Zum Einen haben wir das Schulsterben fast zum Stillstand gebracht. Es werden im neuen Schuljahr nur noch etwa 10 Schulstandorte geschlossen, in früheren Jahren waren es zum Teil 50 pro Schuljahr“, argumentierte Spaenle. “Und wir haben erstmals im neuen Schuljahr 5000 Schüler mehr an den Mittelschulen als wir in unserer Prognose angenommen hatten. Die Eltern schätzen also das Angebot, das wir den jungen Leuten mit der Mittelschule unterbreiten.“

“Wir können inzwischen auch an kleinen Standorten wie in Mittenwald passgenaue Lösungen aus dem “Instrumentenkasten“ anbieten“, sagte Spaenle. “Wir haben inzwischen in Bayern nur noch knapp 20 Hauptschulen, die in ihrer bisherigen Form weiterarbeiten. Alle anderen haben sich in Mittelschulen und Schulverbünde umgewandelt.“

In den SPD-regierten Städten München und Nürnberg kämen im neuen Schuljahr 100 Mittelschulen hinzu. “Diese Möglichkeit der Umwandlung wird nicht gegen den Willen der Schulen beschlossen“, betonte der CSU-Politiker. Doch um eine neue Schulart einzuführen, bedürfe es der Zustimmung des Landtags. “Eine Mehrheit für die Einführung der Gemeinschaftsschule erkenne ich nicht.“ Auch in NRW habe die Hauptschule zwar ihr bisheriges Verfassungsprivileg verloren, aber die Schulform bleibe ausdrücklich erhalten. “Insofern kann ich die Kollegen von der bayerischen SPD nur warnen, sich auf den Zug in die Vergangenheit zu setzen.“

dpa

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