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„Gute Nacht, G8“ – Schülerdemo für das G9.

Reform des Gymnasiums

Spaenle öffnet Tür für das G9

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München - Die Diskussion über die neuerliche Reform des Gymnasiums ist wieder entbrannt. Mehrere Modelle sind auf dem Markt – und Kultusminister Ludwig Spaenle ist nun gesprächsbereit.

Die kleine Vereinigung der Direktoren der bayerischen Gymnasien ist eigentlich ein treuer Bündnispartner der CSU-Staatsregierung und bisher kein Jota von der bestehenden G8-Konzeption abgerückt. Nun aber wechselt der Verband den Kurs. „Von uns aus besteht keine Notwendigkeit für Veränderungen am Gymnasium“, beteuert Vorsitzender Karl-Heinz Bruckner, der das Neue Gymnasium Nürnberg leitet. „Aber wir sehen die Zeichen, dass es Strukturveränderungen geben wird, ob uns das gefällt oder nicht.“ Da müsse man sich mit eigenen Vorstellungen einbringen.

Die Zeichen der Zeit – Bruckner meint damit vor allem zweierlei: Das Konzept, das der Bayerische Philologenverband derzeit für ein neunjähriges Gymnasium erarbeitet. Und die CSU-Staatsregierung, die „gesprächsbereit“ ist, wie Kultusminister Ludwig Spaenle gegenüber unserer Zeitung gestern betonte. Er werde die Schritte veranlassen, „die notwendig sind“ und die Vorstellung des Philologenverbands „gerne in die Überlegungen mit einbeziehen“. Dass Ruhe in die Schulen rein müsse und das G8 so bleibe wie gehabt, davon ist nun nicht mehr die Rede.

In Konzept der Philologen liegen erst Eckpunkte vor

Noch liegen vom Konzept der Philologen freilich erst Eckpunkte vor, die gestern in einem kleinen Kreis diskutiert wurden. „Wir haben jetzt Bausteine, mit denen wir arbeiten“, sagt Verbandschef Max Schmidt. Der Verband wird wohl sein Konzept eines Brückenjahres nach der 10. Klasse weiterentwickeln. Von einem „integrierten Auslandsaufenthalt“ ist die Rede. Manche Elemente wie etwa die Intensivierungsstunden wollen die Philologen beibehalten oder sogar noch ausbauen.

„Je näher das Volksbegehren der Freien Wähler rückt, desto mehr steigt der Druck“, sagt Schmidt. Wie berichtet, könnte das Volksbegehren, in dem die FW eine Wahlmöglichkeit zwischen G8 und G9 vorschlagen, schon im Juni anberaumt werden. Die Zeit drängt also.

Bruckner schlägt in einem am Sonntag verschickten Brief an seine Mitglieder vor, die Unterstufe zu reformieren. Wieder ein neues Modell. Denkbar seien zum Beispiel jahrgangsübergreifende Lerngruppen in der 5. Klasse oder aber eine „Unterstufe der zwei Geschwindigkeiten“. Gemeint ist, dass Schüler die 5. und 6. Klasse verlangsamt auch in drei Jahren durchlaufen können. Außerdem sei die Vielzahl von Fächern störend und Faktenwissen vorherrschend. „Eine Überarbeitung der Lehrpläne sollte dies im Blick haben.“ Die Kernfächer müssten „deutlich“ gestärkt werden.

Auch Kultusminister Ludwig Spaenle hat den Brief gelesen. Bisher hat er das G8 als Normalfall definiert – wer unbedingt ein Jahr länger zur Schule gehen wolle, für den gebe es ja das neue Flexibilisierungsjahr, das Schülern in der Mittelstufe die Chance gebe, ein Jahr zu verlängern, ohne dass das als Sitzenbleiben zählt. Nun sagt Spaenle: „Das G8 für alle ist überholt, das G9 für alle aber auch.“ Die Schüler am Gymnasium seien sozial unterschiedlicher Herkunft, der eine lerne schnell, der andere etwas langsamer. „Dafür brauchen wir eine Lösung.“ Er werde sich „Schritten, die notwendig sind“, nicht verschließen und sei „gesprächsbereit“. Nur das FW-Volksbegehren lehnt er (wie auch Verbandschef Schmidt) wegen „massiver Nachteile“ für Land-Gymnasien ab.

Die Diskussion also hat begonnen. Bis zu den Osterferien müsse das Konzept seines Verbandes stehen, sagt Max Schmidt. Er macht sich nichts vor: „Danach werden alle anfangen, daran rumzumäkeln.“

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