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Tierisch glücklich wären die Schweine über Stroh in ihren Ställen. Die Spaltenböden bereiten ihnen Schmerzen.

Kranke Tiere durch Spaltenböden in Ställen

So sehr leiden Bayerns Schweine

München - Die meisten bayerischen Schweine haben Schmerzen. Das liegt laut einer Studie vor allem an den Spaltenböden in ihren Ställen. Hilfe wäre so einfach: Sie bräuchten nur ein bisschen Stroh. Aber die tierfreundlichere Haltung kostet mehr Geld – und Fleisch von glücklichen Schweinen auch.

Es ist so einfach, Schweine glücklich zu machen. Eigentlich braucht man dafür nur eines, verrät Hermann Meiler: Stroh. Reicht völlig aus, damit ein bayerisches Schwein ausgiebig seinen drei Lieblingsbeschäftigungen nachgehen kann: wühlen, Lager bauen und neugierig sein. Meiler war jahrelang Veterinärdirektor am Schlachthof in Hof. Er hätte gerne mehr glückliche Schweine gesehen. Statt Schweinen, die auf Zehenspitzen laufen, deren Klauen abgenutzt oder sogar blutig sind. Die sich sofort hinlegen, wenn sie die Gelegenheit bekommen. „Das ist kein Zeichen von Wohlgefühl“, sagt Meiler. „Das machen Schweine, wenn sie Schmerzen haben.“

Was Bayerns Schweinen Schmerzen bereitet, hat eine Studentin am Lehrstuhl für Lebensmittelhygiene der Tierärztlichen Fakultät an der LMU in ihrer Dissertation erforscht. Sie hat über tausend Tiere an vier süddeutschen Schlachthöfen untersucht – und nachgewiesen, dass mehr als 90 Prozent der Mastschweine, die auf sogenannten Spaltenböden gehalten werden, Schwellungen an den Gliedmaßen haben. Diese sogenannten Hilfsschleimbeutel basieren auf Entzündungen – und sind bislang kaum untersucht worden. Sie sind mit Flüssigkeit gefüllt und unterschiedlich stark ausgeprägt. Im schlimmsten Fall sind sie größer als ein Tennisball. Die Schwellungen treten nicht oder kaum bei den Schweinen auf, die auf Stroh gehalten werden, fand die Studentin heraus. Bei 26,5 Prozent der Schweine stellte sie außerdem Veränderungen an den Klauen fest. „Die Tiere werden geschlachtet, ohne dass jemand hinterfragt, woher diese Verletzungen kommen“, sagte LMU-Professor Manfred Gareis bei der Präsentation der Forschungsergebnisse. Die Schwellungen seien zwar nicht bakteriell und daher kein Risiko für den Verbraucher. Was das Tierwohl angehe, bestehe allerdings großer Handlungsbedarf.

Die Schwellungen an den Beinen sind unterschiedlich stark ausgeprägt. Im schlimmsten Fall (Grad 3) sind sie größer als Tennisbälle.

Mit dieser Meinung ist Gareis nicht allein. Kai Braunmiller, Veterinärdirektor und Vorsitzender der Landesarbeitsgemeinschaft für Fleischhygiene und Tierschutz, plädiert dafür, die Spaltenböden umzurüsten. Auf die teurere und aufwändiger zu reinigende Stroh-Haltung. Auch Bayerns Bund Naturschutz-Vorsitzender Hubert Weiger appellierte an die Politik, die Voraussetzungen zu schaffen, damit Schweinehalter Konsequenzen aus den Ergebnissen der Studie ziehen. „Artgerechte Tierhaltung muss honoriert werden.“ Unter anderem forderte er ein Hilfsprogramm für Landwirte, die bereit sind, ihre Ställe tierfreundlich umzubauen.An den Bayerischen Bauernverband (BBV) appellierte er, stärker Position zu beziehen, wenn es um das Tierwohl gehe. Johann Ertl, Tierreferent des BBV, verweist auf Gespräche mit LMU-Professor Gareis, die bereits seit einem Jahr stattfinden. Da die Schwellungen bei Schweinen aus demselben Betrieb unterschiedlich stark ausgeprägt seien, müsse noch intensiver nach den Ursachen geforscht werden, sagt er. Heute findet ein Gespräch zwischen Gareis und dem Ministerium über die Finanzierung einer weiterführenden Studie statt. Der BBV wird ebenfalls dabei sein. Ertl betont: „Wir nehmen die Ergebnisse der Studie sehr ernst.“

Das tun auch die Landtags-Grünen. Rosi Steinberger, die Sprecherin für Verbraucher- und Tierschutz, sprach sich klar gegen Freihandelsabkommen aus. „Wir müssen weg von der Überproduktion, die unsere Bauern zu noch billigerer Produktion zwingt.“ Steinberger forderte Qualität aus Bayern, die auch ihren Preis habe.

Dazu müsse sich nicht nur die Arbeitsweise der Bauern ändern, sondern auch die Einstellung der Verbraucher, findet Stephan Kreppold. Er ist Landwirt im Kreis Aichach-Friedberg, hält hauptsächlich Rinder – aber auch fünf Schweine. Es sind zufriedene Schweine, ist er überzeugt. Das kann er jeden Tag beobachten, sagt er. Die Ställe etwas zu öffnen und mit Stroh aufzufüllen, würde in den meisten Betrieben die Kosten verdoppeln. „Aber wenn die Verbraucher ihren Fleischkonsum reduzieren würden, könnten sie doppelt so viel für das Fleisch zahlen.“ Dann würden Bauern und Tiere gut leben. Noch ist die Realität aber eine andere, klagt Kreppold. „Die meisten Verbraucher kennen nur den Preis eines Produktes – aber nicht den Wert.“

Katrin Woitsch

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