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Fast unverkäuflich: Die Sparkasse hat das Nutzungsrecht für den denkmalgeschützten Psallierchor. Nur die Bücher wurden mittlerweile verhökert.

Prüfbericht des Innenministeriums

Sparkasse ist Mitglied im Golfclub

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München - Eine interne Kommission hat alle 71 Sparkassen in Bayern überprüft. Ergebnis: Verfehlungen wie damals in Miesbach gibt es nicht. Wohl aber irritierende Details: Eine Sparkasse ist Mitglied in einem Golfclub.

Der Skandal um die Kreissparkasse Miesbach-Tegernsee war ein Einzelfall. Zu diesem Ergebnis kommt das bayerische Innenministerium, für die die Prüfungsstelle des Sparkassenverbands landesweit Spenden und Sponsoring der Sparkassen unter die Lupe genommen hat. Anlass war das Geschäftsgebaren der Miesbacher Banker, die es mit üppigen Bürgermeister-Ausflügen, Geschenken und Immobilienkäufen bundesweit in die Schlagzeilen geschafft hatten. Unter anderem wurde eine Geburtstagsfeier für den damaligen Landrat Jakob Kreidl finanziert – Kreidl wurde 2014 abgewählt. Auch der damalige Sparkassenvorstandschef Georg Bromme ist nicht mehr im Amt.

Nachdem eine Versicherung, die sogenannte Manager-Haftpflicht, zwei Millionen Euro an die Bank erstattete, ist der Restschaden überschaubar, bilanzierte Michael Ziegler vom Innenministerium gestern im Landtag. Letztlich bleibt die Bank noch auf 22 300 Euro sitzen. Außerdem soll der Kauf des Psallierchors, also der barocken Bibliothek im Kloster Tegernsee, rückabgewickelt werden. Bromme hatte 2010 für 1,5 Millionen Euro ein immerwährendes Nutzungsrecht in dem historischen Kleinod zugunsten der Sparkasse erworben. Dies wieder abzustoßen, fällt aber schwer – „der Markt für Psallierchöre ist überschaubar“, witzelte Ziegler. Infrage kommt eigentlich nur das Erzbistum München und Freising.

Ziegler gab auch einen Überblick, was die vom Ministerium in Auftrag gegebene Überprüfung der Sparkassen ergab – nämlich insgesamt wenig Skandalöses. „Einen zweiten Fall Miesbach gibt es nicht“, resümierte Ziegler. 68 der 71 Sparkassen wurden für das Geschäftsjahr rundweg Grundsätze guter und verantwortungsvoller Unternehmensführung attestiert – was die Landtagsabgeordneten im Kommunalausschuss zufrieden registrierten. Offenbar sei Miesbach also nicht „die Spitze eines Eisbergs“, sondern singulär, so Paul Wengert (SPD).

Die Verfehlungen in den Jahren 2014 und 2015 sind überschaubar. Zwei Sparkassen, die nicht namentlich genannt werden, hatten fragwürdige Veranstaltungen gesponsert – versicherten aber, dies künftig zu unterlassen. Eine weitere Sparkasse, ebenfalls nicht genannt, hatte ihrem Vorstandschef eine Dachgeschoss-Wohnung für wenig Miete überlassen. Der Mietzins wurde „angepasst“, also erhöht, berichtete Ziegler. Außerdem gab es zwei Kundenreisen ins Ausland – nach China sowie Dubai –, die von Sparkassen mit mehreren tausend Euro bezuschusst worden sind. Das sei zwar bemerkenswert, aber nicht zu beanstanden. Er wies auch daraufhin, dass der Wert von Zuwendungen an Verwaltungsräte und Vorstände 2015 drastisch gesunken ist – um bis zu 45 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. „Die notwendige Sensibilisierung hat somit Wirkung gezeigt.“ Nur durch Anfrage des Grünen-Landtagsabgeordneten Jürgen Mistol kam ein pikantes Detail ans Licht: Eine Sparkasse ist als Firmenkunde Mitglied in einem Golfclub. Es sei eine Maßnahme zur Kundenakquise, meinte Ziegler, der allerdings dann darauf hinwies, dass die Mitgliedschaft in der Praxis „von einem Vorstandsmitglied“ ausgeübt werde. Um welche Sparkasse es sich handelt, wollte er jedoch nicht sagen.

Für die damaligen Miesbacher Beteiligten ist die Affäre indes noch nicht ausgestanden. Die Staatsanwaltschaft München II ermittelt gegen 20 ehemalige Sparkassenvorstände und -Verwaltungsräte, darunter Kreidl und Bromme, wegen Untreue, Vorteilsannahme und anderen Delikten, wie Sprecher Ken Heidenreich erklärte. Der Ausgang ist offen.

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