Schulpolitik

SPD: Absage an G8-Volksbegehren

München - Die SPD will sich nicht an dem von den Freien Wählern geplanten Volksbegehren für ein Wahlrecht zwischen G8 und G9 beteiligen. Inhaltlich teile er aber die Kritik, sagte Spitzenkandidat Christian Ude.

Seit dem Beschluss der FW am Samstag zur Einleitung eines Volksbegehrens ist die Diskussion über das G8 wieder entbrannt. Die Zustände an den 400 Gymnasien in Bayern seinen „eines der heißesten Themen der bayerischen Bildungspolitik“, sagte Ude. Es gebe „kaum ein Thema, das die Eltern so im Zorn vereinigt“. Doch anders als beim Volksbegehren gegen die Studiengebühren, das ebenfalls die FW losgetreten hatte, will die SPD diesmal nicht mitmachen. „Wir halten das Volksbegehren nicht für den richtigen Weg.“ Der Hauptgrund: die fehlende Zeit. Ein Termin vor den Landtagswahlen am 15. September sei nicht machbar, warnte Ude. Stattdessen müsse die Landtagswahl selbst zum Volksentscheid über die CSU-Bildungspolitik gemacht werden.

Auch der Bayerische Philologenverband äußerte sich gestern skeptisch zu dem FW-Vorhaben, das FW-Chef Hubert Aiwanger lanciert hatte. „Wir sind die letzten, die sich gegen ein G9 wehren“, sagte Verbandschef Max Schmidt. Auch sei das G8 verbesserungswürdig. Allerdings müssten Veränderungen wohl überlegt sein, statt „schlagartig“ alles auf den Kopf zu stellen; er warte auf Konzepte.

Ude warnte ganz ähnlich vor Vereinfachungen. Er sei zwar wie die FW für ein „Gymnasium der zwei Geschwindigkeiten“ und auch dafür, Eltern, Schülern und der Schule ein Wahlrecht für G8 oder G9 zu geben. Doch der Weg zu einem G9 sei „extrem kompliziert“: Entweder man verteile das zusätzliche Schuljahr auf die bisherigen acht Jahre, oder aber auf zentriert auf Mittel- bzw. Oberstufe. Letzteres sei der Weg, den die SPD anstrebe, sagte der Bildungsexperte der SPD-Landtagsfraktion, Martin Güll.

Der CSU fehle es an einer „kulturellen Leitidee“ zur Bildung, sagte der hochschulpolitische Berater der SPD, Julian Nida-Rümelin. Er wies auf weitere Widersinnigkeiten hin. Zum Beispiel sei der Bachelor-Studiengang an den Universitäten in der Regel nur sechs statt (wie ursprünglich angedacht) acht Semester lang. Die Begründung sei damals gewesen, dass es ja 13 Schuljahre bis zum Abitur gebe. Doch nach der Bachelor-Einführung sei das Gymnasium plötzlich verkürzt worden. Die Folge sei, dass deutsche Studenten zum Beispiel in den USA in die nachfolgenden Master-Studiengänge nicht gerne aufgenommen würden – mit dem Argument, sie seien zu jung. „Ich behaupte mal, unter einem CSU-Kultusminister Hans Maier wäre das nicht passiert“, lästerte Nida-Rümelin.

Im Landtag gab es gestern über die von den Freien Wählern angestrebte Wahlfreiheit zwischen einem acht- und neunjährigen Abitur den erwartbaren Schlagabtausch. „Wir wollen mehr Rechte für Schüler, wir wollen mehr Rechte für Eltern“, sagte Michael Piazolo (FW). Gegenüber dpa betonte der Generalsekretär allerdings, das Volksbegehren sei noch nicht fest beschlossen. Kultusminister Ludwig Spaenle (CSU) verteidigte sein Konzept, dass Schüler vom nächsten Schuljahr an in der Mittelstufe ein zusätzliches Flexibilisierungsjahr einlegen können. „Wir geben dem einzelnen Schüler mehr Zeit, aber nicht dem System“, sagte Spaenle. Die FDP griff die FW frontal an: Sie wollten „mit blankem Populismus das Gymnasium in den Schmutz ziehen“.

von Dirk Walter

Rubriklistenbild: © dpa

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