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Digitales Klassenzimmer: lernen am Tablet.

Digitale Bildung

SPD: Freistaat soll jedem Schüler ein Tablet zahlen

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Eine digitale Revolution an Bayerns Schulen plant Martin Güll, Bildungsexperte der SPD-Landtagsfraktion. Gemeinsam mit Wirtschaftssprecherin Annette Karl forderte er gestern, jeder bayerische Schüler müsse ein Tablet bekommen – finanziert vom Freistaat.

München – Die Forderung ist nicht neu: Vor zwei Jahren hatte sie beispielsweise Herbert Henzler, einst enger Berater von Edmund Stoiber, aufgestellt. Linie der meisten Lehrerverbände ist, dass die Schüler für den digitalen Unterricht eigene Geräte mitbringen – „bring your own device“. Es müsse Chancengleichheit herrschen, sagt dagegen die SPD.

Die Staatsregierung laufe Gefahr, bei der digitalen Bildung dreistellige Millionenbeträge „aus dem Fenster zu werfen“, so Güll. Statt Beliebigkeit brauche es für das digitale Klassenzimmer gleiche Voraussetzungen an allen Schulen, „einen Masterplan über mindestens zehn Jahre“.

Dazu gehöre die nötige Infrastruktur, ergänzte Karl, die von einer „Bildungsmilliarde“ sprach, die Bayern investieren müsse: in schnelle Glasfaser-Internetanschlüsse, vernetzte Schulhäuser, interaktive Tafeln, mehr fünf IT-Fachstellen pro Landkreis – und eben ein Tablet pro Schüler samt Apps und digitaler Lehrwerke. Der Unterricht müsse sich grundlegend wandeln, forderte Güll, auch Vorsitzender des Bildungsausschusses im Landtag: hin zu mehr selbsttätigem Arbeiten mit digitaler Recherche. „Der Lehrer wird seine Rolle ändern müssen.“ Im Idealfall bekämen so Schüler die Möglichkeit, selbstständig über sich hinauszuwachsen.

Bei aller digitalen Euphorie warnte die Landtags-SPD aber auch davor, es zu übertreiben. „Pädagogik geht vor Technik“, sagte Güll. Das Tablet solle das Schulheft nicht ersetzen, sondern ergänzen. Auch dürfe man sich bei Neuanschaffungen „nicht von der Wirtschaft vorführen lassen. Der Lehrer müsse seine zentrale Rolle behalten: „Auch digitales Lernen ist Beziehungslernen.“ Daher brauche es reichlich Bildungsangebote für Lehrkräfte sowie pädagogische Konzepte, wie das „Klassenzimmer 4.0“ auszusehen habe. Diese Konzepte fehlen der Staatsregierung laut Landtags-SPD zurzeit.

Heute bringen die Sozialdemokraten ihre Forderungen in Form von zwei Anträgen im Bildungsausschuss des Landtags ein. Dass die CSU-Mehrheit zustimmt: unwahrscheinlich. Aus dem christsozial geführten Kultusministerium heißt es, Güll kenne „den Stand der Umsetzung der Digitalisierung an Bayerns Schulen nicht“. Die seien „gut auf dem Weg“.

Auch die Grünen steuern heute übrigens einen Antrag zu dem Thema bei: Sie fordern ein neues Schulfach „Digitalkunde“.

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