Wiesn-Ticker: Fahrgeschäft wegen Störung außer Betrieb - und es ist ausgerechnet dieses

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Rosenheimer wollte Staat austricksen

Spediteur bunkert 2,3 Millionen Liter Diesel

Rosenheim - Ein Rosenheimer Spediteur hat ganze 2,3 Millionen Liter Diesel gebunkert, um den Staat auszutricksen. Damit begann er schon 2006. Inzwischen wurde er erwischt und verurteilt.

Tanktourismus ist beliebt. Kein Wunder – bei den derzeitigen Spritpreisen! Die Bayern fahren vor allem gerne nach Österreich, um Geld zu sparen. Schnell aufgetankt – und zurück in den Freistaat. Ein 59 Jahre alter Spediteur aus dem Kreis Rosenheim ging aber noch einen Schritt weiter. Er bunkerte den Diesel, den seine Fahrer in Österreich gezapft hatten, in einem Erdtank. Ganze 2,3 Millionen Liter Diesel! Was er vergaß: Damit beging er Steuerhinterziehung in 3285 Fällen. Jetzt wurde er vom Landgericht verurteilt.

Schon 2006 beschloss der Spediteur, sich mit Kraftstoff aus Österreich eine Menge Geld zu sparen. Die Fahrer seiner Flotte, die aus zwölf bis 30 Sattelzugmaschinen mit Tankbehältern à 900 bis 1350 Litern bestand, mussten im Nachbarland zapfen. Manchmal mussten sie sogar nur zum Tanken nach Salzburg oder Kufstein fahren. Oder Umwege vor einer Speditionstour in Kauf nehmen. Den Mitarbeitern erklärte er wider besseren Wissens, dass sein Vorgehen legal sei. Zu Hause auf dem Betriebsgelände im Kreis Rosenheim wurde der Diesel dann in einen Erdbehälter gefüllt, in den 80 000 Liter passen. Mit dem Billig-Kraftstoff wurden dann vor allem die Laster betankt, die in Deutschland unterwegs waren. Das ging so lange gut, bis ihn ein ehemaliger Fahrer anzeigte.

Von September 2006 bis April 2011 ließ der Spediteur geschätzte 3285-mal und damit mindestens 2,3 Millionen Liter in seinen Erdtank laufen. Die Juristen sprechen von einer „Entnahme des Energieerzeugnisses“. Dadurch fällt Energiesteuer an, die der 59-Jährige aber nicht beim Zollamt meldete. Damit hinterzog er Steuern in Höhe von fast 1,1 Millionen Euro.

Vor Gericht war der Spediteur einsichtig und kleinlaut. Es tue ihm leid und er bereue, sagte er in seinem letzten Wort – aber es sei passiert. „Ich bitte um Milde.“

Am Ende des Prozesses verurteilte das Landgericht den Angeklagten zu einer Haftstrafe von einem Jahr und zehn Monaten auf Bewährung. Außerdem muss er 118 800 Euro Geldstrafe zahlen – 360 Tagessätze à 330 Euro. Normalerweise hätte ihm eine Haftstrafe gedroht. Doch der Spediteur bekam eine Ausnahme. Denn: Er hatte alles zugegeben und den Schaden beglichen. Außerdem war er nicht vorbestraft. Auch die „schwierigen ökonomischen Umstände im Speditionsgewerbe“ rechnete ihm das Gericht an.

N. Gut

Rubriklistenbild: © dpa

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