+
Auf der Terrasse darf die Geisel für Zigarettenpausen nach draußen. Hier unternimmt der 56-Jährige einen vergeblichen Fluchtversuch.

Nach vier Tagen von SEK aus Kellerverlies am Chiemsee befreit

Rentnerbande entführt Geschäftspartner (54)

Chieming - Irrer Entführungsfall in Hart bei Chieming: In der Nacht auf Samstag befreit ein Sondereinsatzkommando der Polizei eine 56-jährige Geisel. Eine Rentnerbande (60 bis 79 Jahre) hatte den Mann vier Tage gefangen gehalten.

Es klingt wie ein Krimi, was sich Samstagmorgen im beschaulichen Örtchen Chieming zugetragen hat. Und es ist einer der spektakulärsten Entführungsfälle in Bayern. Am späten Freitagabend klingelt das Telefon der Einsatzzentrale in Rosenheim. Ein Unbekannter erklärt, sein Bekannter werde in einem Anwesen im Raum Traunstein festgehalten.

Der Tatort

Der Tatort der Geiselnahme

Ermittlungen der Polizei ergeben: Der Mann wird bereits seit Dienstag in Speyer, seinem Wohnort, vermisst. Nach Überprüfung seiner Wohnung geht die Polizei von einer Entführung aus. Wenig später ist klar: Die Geisel wird in einem Haus bei Chieming festgehalten.

Nach dem bisherigen Kenntnisstand hatte der 74-jährige Eigentümer des Hauses bei Chieming sowie ein 60-jähriger Amerikaner dem 56-jährigen Mann vor dessen Wohnung in Speyer aufgelauert. Die Männer fesseln ihn mit Klebeband und schüchtern ihn mit Schlägen ein. Das Opfer trägt dabei Prellungen und zwei Rippenbrüche davon. Im Kofferraum des 74-Jährigen wird der Mann über Nacht nach Bayern gekarrt. Hier nimmt die 79-jährige Ehefrau des Deutschen die Männer in Empfang.

Die Geisel wird in den Keller des Hauses am See gesperrt. Ganze vier lange Tage bleibt der Mann dort unten. Nur ab und zu darf er für eine „Zigarettenpause“ nach oben. Einmal versucht er dabei zu fliehen – und scheitert. Er muss wieder in den Keller, darf vorher aber noch einen Anruf tätigen. Es geht um erhebliche offene Geldforderungen der Entführer. Die sollen mit diesem Anruf geklärt werden. Der Entführte nutzt seine Chance: er ruft einen Freund an und gibt ihm Hinweise auf seinen Aufenthaltsort. Der Freund benachrichtigt sofort die Polizei.

Noch in der Nacht zum Samstag plant der Einsatzstab den Zugriff. Gegen vier Uhr morgens dringt ein Spezialeinsatzkommando aus München von mehreren Seiten gleichzeitig in das Haus ein. Im Keller finden die Beamten den Entführten. Das Ehepaar sowie der Amerikaner lassen sich widerstandslos festnehmen.

Die Polizei vermutet, dass Finanzgeschäfte der Auslöser für die Entführung waren. Vermutlich hatte das Opfer Schulden bei den Tätern. Polizeisprecher Franz Sommerauer: „Wir gehen davon aus, dass es sich um offene Geldbeträge handelt, die nicht nur ein paar tausend Euro hoch sind.“

Ins Visier der Ermittler geriet auch ein Ehepaar (66, 63) aus dem Raum Schliersee, das festgenommen wurde. Das Paar war während der vier Tage dauernden Geiselnahme auch einmal in dem Haus im Chiemgau. Die Eheleute sprechen ebenfalls von offenen Geldforderungen. Gegen alle fünf Beteiligten wurde Haftbefehl wegen Entführung und Geiselnahme erlassen.

AW

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Weihwasser-Verzicht schlägt Wellen: Pfarrer will an drastischer Maßnahme festhalten
Die bayernweite Grippewelle macht auch vor Gotteshäusern nicht Halt. In Weiden hat ein Pfarrer wegen der Ansteckungsgefahr nun zu einem drastischen Mittel gegriffen.
Weihwasser-Verzicht schlägt Wellen: Pfarrer will an drastischer Maßnahme festhalten
Caritas-Mitarbeiter veruntreut 820 000 Euro - jetzt will er sein Haus verkaufen
Nach der Veruntreuung von etwa 820 000 Euro durch einen Mitarbeiter hat die Augsburger Caritas ihre Sicherheitsvorkehrungen verschärft.
Caritas-Mitarbeiter veruntreut 820 000 Euro - jetzt will er sein Haus verkaufen
Unglaublich! 32-Jähriger mischt Freundin heimlich Abtreibungspille ins Essen
Wegen versuchter Abtreibung muss sich am Dienstag (13.30 Uhr) ein 32 Jahre alter Mann vor dem Amtsgericht Ansbach verantworten.
Unglaublich! 32-Jähriger mischt Freundin heimlich Abtreibungspille ins Essen
„Arctic Outbreak“: Seltenes Wetterphänomen steuert auf Bayern zu
Eisige Kälte, Dauerfrost, zweistellige Minusgrade. Der Winter zieht nochmal richtig an zum Schluss. Das Kältephänomen „Arctic Outbreak“ bringt die polaren Temperaturen …
„Arctic Outbreak“: Seltenes Wetterphänomen steuert auf Bayern zu

Kommentare