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Die kleine Linda sitzt in einem gemieteten Dual-Ski, ihr Vater lenkt das Gerät sicher die Piste hinunter.

Spezial-Skier ermöglichen Behinderten Pistengaudi

Bruckmühl - Der Dual-Ski ermöglicht Pistengaudi für Menschen mit Behinderung – nur gibt es das teure Gerät in Bayern bislang nicht zum Ausleihen. Im Sudelfeld will man die Ski-Hilfe jetzt anschaffen.

Im vergangenen Winter, da gab es einen Nachmittag, an dem war Linda so gelöst wie selten. Der feine Pulverschnee umstob das Näschen der blonden Fünfjährigen, das Kind hörte gar nicht mehr auf zu lächeln.

 Linda durfte zum ersten Mal mit ihrem Papa, ihrer Mama und ihrem älteren Bruder Skifahren. Bislang musste sie auf die Pistengaudi verzichten und daheim bleiben, wenn ihre Familie aus München in die Berge fuhr.

Linda ist Spastikerin – doch mit dem Dual-Ski, einem Spezialgerät, kann sie trotz ihrer Behinderung Spaß im Schnee haben.

So funktioniert der Dual-Ski

Der Dual-Ski funktioniert folgendermaßen: Der Mensch mit Behinderung sitzt in einer Schale, Gurte schützen ihn vor dem Herausfallen. Dieser Sitz ist auf zwei Skiern befestigt. Über einen Bügel – vergleichbar mit dem an einem geländegängigen Kinderwagen – lenkt ein geübter Skifahrer das Gefährt.

Damit sich die Skier des Piloten nicht mit dem Dual-Ski verhaken, sollten sie eher kurz sein. Derjenige der sitzt, kann ebenfalls steuern und Kurven fahren, indem er sich nach rechts oder links beugt.

Traurige Kindheit

Lindas Großtante Corina Miller war dabei, als die Kleine zum ersten Mal den Hang hinunter fuhr. Sie dachte sich: „Mein Gott! Wenn es das damals schon gegeben hätte.“

Mit „damals“ meint die 59-Jährige ihre Kindheit. Corina wuchs mit einer zehn Jahre älteren Schwester auf, die wie Linda spastisch gelähmt war. Während Corina schon mit drei Jahren zum ersten Mal auf Skiern stand und mit ihren Eltern von München aus in die Berge fahren durfte, musste die behinderte Schwester zuhause bleiben.

Erster Dual-Ski-Verleih in Deutschland

Heute betreibt Corina Miller im Sudelfeld mit ihrem Mann Rudolf die Skischule Aib-Ski, zu der auch ein Verleih gehört. Am Wochenende veranstalten die Millers ein Pilotprojekt, mit dem behinderte Kinder, Jugendliche oder auch Erwachsene Ski-Spaß schnuppern können: Vorgestellt wird der Dual-Ski, den Behinderte zusammen mit einem Betreuer ausprobieren dürfen.

Der Begleiter am Dual-Ski muss sicher fahren können, aber kein Profi sein. Mit dem Gerät kann das Paar auch Schlepp- oder Sessellift fahren. Corina Miller kennt den Dual-Ski von einer Gruppe Behinderter, die regelmäßig ins Sudelfeld kommt.

Im Hinterkopf ihre Schwester und die kleine Tochter ihres Neffen, machte sich die 59-Jährige auf die Suche nach dem Hersteller. Sie wurde in Frankreich fündig.

Die Bruckmühlerin beschloss, das Sportgerät in ihren Verleih aufzunehmen. Denn bislang gibt es den Dual-Ski nur in Frankreich, Italien, der Schweiz und in Österreich zu mieten, nicht aber in den oberbayerischen Skigebieten.

Unterstützung dringend nötig

Ihr Neffe mietete das Gerät für seine Tochter Linda im vergangenen Winter bei einem Betrieb im österreichischen Ebbs bei Kufstein. Das Problem: Die Mindestleihdauer ist eine Woche. „Eine Woche Skiurlaub können sich die wenigsten Familien mit behinderten Kindern leisten“, sagt Corina Miller.

Sie möchte deshalb ein paar Geräte anschaffen, die nach Anmeldung auch für ein paar Stunden und gegen eine Gebühr zu mieten sind. Da ein Gerät 3000 Euro aufwärts kostet, braucht Miller die Unterstützung von Sponsoren – „unser Skiverleih stellt den Platz, die Wartung und die Organisation“, sagt Miller. Sie freut sich jetzt schon auf die glücklichen Gesichter.

Infos und Anmeldung für Behinderte mit Betreuer unter Telefon 08062/800801 oder aibski@t-online.de

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