Bayerns Spielbanken müssen Millionenverluste  verschmerzen.

Spielbanken fahren Millionenverlust ein

München - Spiel ohne Spaß: Bayerns staatliche Spielbanken leiden unter der Konkurrenz privater Betreiber und dem Rauchverbot und fahren Millionenverluste ein. Nun sollen weitere Stellen gestrichen werden.

Die staatlichen bayerischen Spielbanken belasten die Steuerzahler in Bayern in diesem Jahr mit einem Millionenverlust. Erstmals benötigen die Casinos einen Zuschuss aus dem Staatshaushalt, um die Verluste zu decken. Das bayerische Finanzministerium rechnet mit einem Minus von acht Millionen Euro, wie es am Dienstag in München mitteilte. Um ihre Lage zu verbessern, sollen die Spielbanken weitere Stellen abbauen. Rund 60 der 730 Beschäftigten der Spielbanken würden gegen eine Abfindung freiwillig gehen, sagte Finanzstaatssekretär Franz Pschierer (CSU) im Haushaltsausschuss des Landtags. In den kommenden Jahren sollen noch mehr Arbeitsplätze wegfallen. Betriebsbedingte Kündigungen sind zunächst aber nicht geplant.

 Die SPD übte scharfe Kritik an dem Stellenabbau. “Die Staatsregierung hat die Entwicklung der staatlichen Spielbanken verschlafen und versucht nun, mit Brachialmethoden das Problem auf dem Rücken der Mitarbeiter zu lösen“, sagte der stellvertretende SPD-Fraktionsvorsitzende Volkmar Halbleib. Auch die FDP sieht im Stellenabbau keine Lösung. “Ich befürchte, dass die Abwärtsspirale durch den Personalabbau fortgesetzt wird“, warnte Landtagsvizepräsident Jörg Rohde. Schließungen von Spielbanken sind derzeit aber nicht geplant. “Für mich ist das derzeit kein Thema“, sagte Pschierer. Auch die Spielbanken im oberfränkischen Bad Steben und Bad Kötzting in der Oberpfalz bleiben vorerst bestehen. Beide Häuser hatten seit ihrem Bestehen noch nie Gewinn erzielt. In den vergangenen Monaten gab es deshalb im Ministerium Überlegungen, sie zu schließen. Zunächst sollten nun aber die Umstrukturierungen in allen bayerischen Spielbanken abgewartet werden, erklärte ein Sprecher des Finanzministeriums.

In den vergangenen Jahren waren die neun staatlichen Spielbanken vor allem durch die Konkurrenz im Internet und private Betreiber immer stärker unter Druck geraten. Die Bruttospielerträge lagen im vergangenen Jahr nur noch bei rund 68 Millionen Euro und damit deutlich unter früheren Werten von mehr als 100 Millionen Euro. Die SPD warf der Staatsregierung vor, selbst für die “krebsgeschwürartige“ Entwicklung der privaten Spielhallen verantwortlich zu sein. “Hier ist eine Korrektur notwendig, um die Überflutung der bayerischen Städte mit Spielhallen zu stoppen“, sagte Halbleib. Seit dem Jahr 2000 habe sich die Spielhallenzahl in Bayern auf 14 000 verdoppelt. Allein im Münchner Stadtgebiet gebe es mittlerweile 190 Konzessionen für Spielhallen. Staatliche Großstadtspielbanken in München oder Nürnberg wird es aber nicht geben, da deren Erfolg aus Sicht von Pschierer auf Kosten der bestehenden staatlichen Häuser gehen würde. “Das, was wir bei den beiden gewinnen, verlieren wir bei den anderen.“ Ein herber Schlag für die staatlichen Hallen war auch das Rauchverbot in Bayerns staatlichen Einrichtungen und in der Gastronomie. Viele leidenschaftliche Spieler trieb es ins benachbarte Ausland, wo sie zum Nervenkitzel weiterhin rauchen dürfen. “Das ist und bleibt ein echter Wettbewerbsnachteil“, sagte Pschierer. Eine Absenkung der Altersgrenze für den Eintritt von 21 auf 18 Jahre, um mehr Gäste zu gewinnen, lehnte er ab.

dpa

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