Spielbanken fehlen Millionen - zwei sollen schließen

München - Die staatlichen Spielbanken in Bayern schreiben rote Zahlen. Aktuelle Bruttospielerträge, die unserer Zeitung vorliegen, zeigen: Der Abwärtstrend ist nicht gestoppt.

Das Ergebnis ist ernüchternd. Wieder einmal. Der Bruttospielertrag der staatlichen Spielbanken 2011 weist im Vergleich zum Vorjahr einen Rückgang von knapp 3,2 Millionen Euro auf. Nicht miteinkalkuliert sind Personal- und Betriebskosten. Wie hoch der Ergebniseinbruch insgesamt wird, hat die bayerische Lotterieverwaltung noch nicht endgültig errechnet. Dem Vernehmen nach dürften aber einige Millionen mehr fehlen. Wie sich im Sommer letzten Jahres bereits angekündigt hat, musste der bayerische Staat jetzt erstmals Geld nachschießen. Das Finanzministerium gewährt den Spielbanken einen Zuschuss von acht Millionen Euro.

Unserer Zeitung liegt der Ergebnisvergleich des Brutto-spielertrags der einzelnen Banken von 2011 zu 2010 vor. So brachen die Bruttospielerträge der Bank in Bad Kissingen um 11,9 Prozent ein, Garmisch-Partenkirchen verlor 10,3 Prozent. Im Casino in Bad Wiessee (Kreis Miesbach) brach der Spielertrag ebenfalls um rund eine Million Euro brutto ein. Auch die Besucherzahlen sanken. Bis zu 13 Prozent weniger Gäste wollten ihr Glück bei Roulette und Co. versuchen. Ausnahme: Im Casino Garmisch-Partenkirchen stieg die Zahl der Besucher leicht an, trotz sinkender Umsatzzahlen.

Bereits 2009 forderte der Bayerische Oberste Rechnungshof einschneidende Maßnahmen bei den Spielbanken. „Seit Jahren schon sind die Spielerträge rückläufig. Ein Hauptgrund dafür ist, dass sich die Strukturen im Bereich des Glücksspiels geändert haben“, sagt Ernst Berchtold, Sprecher des Rechnungshofs. „Es kann nicht Aufgabe des Staates sein, defizitäre Spielbanken zu betreiben.“ Die Menschen, die früher in die Spielbanken gingen, um an Automaten zu spielen, machen das laut Berchtold seit der Liberalisierung des Glücksspiels eben in den Spielhallen um die Ecke oder im Internet. 2009 wie heute fordert der Rechnungshof die Schließung der Spielbanken Bad Steben und Bad Kötzting. Seit ihrem Bestehen haben diese keine schwarze Zahlen geschrieben.

Die Staats-Casinos versuchen gegen den Abwärtstrend zu steuern. 2011 leitetete die Lotterieverwaltung in den neun Spielbanken „Restrukturierungsmaßnahmen“ ein. Darunter fällt auch die Abfindung von 77 der 730 Mitarbeitern. „Dafür wurden noch einmal acht Millionen Euro ausgeschüttet“, sagt Erwin Horak, Chef der bayerischen Lotterieverwaltung. Das Geld sei vom Landtag bewilligt worden, um den angeschlagenen Banken wieder auf die Beine zu helfen. Mit den Abfindungen will Horak in Zukunft Personalkosten sparen. „Betriebsbedingte Kündigungen wird es nicht geben“, sagte der Lotterie-Chef. Das sei in den Tarifverträgen so ausgehandelt worden. Im Gegenzug verzichten die Mitarbeiter drei Jahre lang auf Weihnachtsgeld genauso wie auf Lohnerhöhungen.

Als Grund für die gravierenden Einbrüche der Spielerträge, die etwa in Garmisch-Partenkirchen von rund 28 Millionen Euro im Jahr 2004 auf etwa neun Millionen Euro 2011 zurückgegangen sind, macht Horak „den weiter ungebremsten Boom“ der privaten Spielhallen aus. Diese hätten 23 Stunden am Tag geöffnet, verhingen keine Sperren gegenüber Spielsüchtigen. Zudem habe das Raucherschutzgesetz viele Spieler in Casinos nach Österreich oder Tschechien abwandern lassen.

Um aus der Verlust-Zone herauszukommen, sollen laut Horak auch die Öffnungszeiten angepasst werden. Zudem stellten die Casinos beim Roulette von der französischen Variante auf die weniger personalintensive amerikanische um. Darüber hinaus will Horak mehr Künstler in die Casinos holen, um sich ein breiteres Publikum zu erschließen. „Spätestens 2014 schreiben wir wieder schwarze Zahlen“, ist Erwin Horak sicher. Am Donnerstag, 26. Januar, will sich aber erstmal der Haushaltsausschuss im Landtag mit der Situation der Spielbanken beschäftigen.

von Patrick Wehner

Rubriklistenbild: © dpa (Symbolbild)

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