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Verlockendes Blinken, das oft Existenzen ruiniert: Automaten in einer Spielhalle.

Gesetzentwurf der Bundesregierung

Spielsucht: Karte soll Zocker bremsen

München - Die Bundesregierung will das Zocken an Geldspielautomaten erschweren – mit einer elektronischen Spielerkarte. Die Grünen kritisieren die Idee, die Landesstelle Glücksspielsucht loben sie.

Ein Zocker daddelt nicht nur an einem einzigen Automaten. Das Bling-Bling, die bunten Bilder aus dem Kasten reichen ihm nicht. Ein Zocker, ein Süchtiger wirft seine Münzen parallel in mehrere Spielautomaten – umso schneller wächst die Summe, die er verliert. Eine neue Spielerkarte soll das verhindern. Ein Gesetzentwurf der Bundesregierung sieht das vor – demnach besteht beim Spieler- und Jugendschutz „Handlungsbedarf“.

Wie die Karte genau funktionieren soll, ist in dem Papier nicht näher beschrieben. Es heißt lediglich: „Die Ermächtigungsgrundlage für die Einführung einer Spielerkarte wird geschaffen.“ Details müssten die Länder in einer entsprechenden Verordnung bestimmen, sagt ein Sprecher des zuständigen Bundeswirtschaftsministeriums. Fest steht aber, dass es sich um eine personenungebundene Karte handeln müsste – das bedeutet, dass keine Daten des Spielers erfasst werden. Das wäre datenschutzrechtlich problematisch, mittelfristig ist aber offenbar eine personengebundene Karte geplant. Beim Besuch einer Spielhalle oder Gaststätte mit Automaten würde der Zocker vom Betreiber oder Wirt eine solche Karte erhalten. Die (einzige) Bedingung: Der Spieler muss volljährig sein. Auf die Karte lädt der Spieler Geld – im Gespräch sind 200 Euro pro Spielstätte und Tag. Mit der Karte, die er in den Automaten steckt, aktiviert er ihn. Nach einer Stunde entsteht eine Zwangspause, spätestens, wenn der Geldbetrag aufgebraucht ist, ist Schluss – zumindest in diesem Laden. Am Ende muss der Kunde die Karte wieder abgeben.

Der Verband der Automatenunternehmer befürwortet die Spielerkarte als flankierende Maßnahme zum Jugendschutz, sagt Geschäftsführer Harro Bunke. Ähnlich sieht das der bundesweit führende Spielautomaten-Hersteller und -Vertreiber Gauselmann: „Wenn es sich um eine personenungebundene Karte handelt, können wir uns damit anfreunden.“

Es kommt selten vor, dass die Automatenindustrie und die Landesstelle Glücksspielsucht in Bayern (LSG) einer Meinung sind – in diesem Fall aber unterstützt die LSG den Gesetzentwurf. Schon 2010 hatte man die Spielerkarte als mögliche Maßnahme für den Jugendschutz vorgeschlagen. Die Alterskontrolle, die Zwangspause – das alles wären Mittel, um die Zockerei einzugrenzen, sagt Petra Eberle, Geschäftsführerin bei der Landesstelle Glücksspielsucht. Den Betrag von 200 Euro, der im Raum steht aber offenbar noch verhandelbar ist, hält Eberle für geeignet, den Spieler vor sich selbst zu schützen. Süchtige würden in der Regel deutlich höhere Summen verspielen – „teilweise einen Monatsnettolohn innerhalb von zwei Tagen“.

Kritik kommt hingegen von den Grünen: Wie der Landtagsabgeordnete Martin Runge sagt, sei die Spielerkarte „eher Kosmetik“. Die Bundesregierung versuche sich durchzumogeln: Zielführender als die Karte wären strengere baurechtliche Zwänge für Spielhallen. Auch Erwin Horak, Chef der staatlichen Lotterieverwaltung und der Spielbanken in Bayern, gehen die Pläne nicht weit genug: „Notwendig wäre eine Registrierung wie bei den Spielbanken oder eine personalisierte Kundenkarte, wie das bei den Sportwetten seit 2006 nötig ist.“

Der Suchtfaktor bei Spielautomaten gilt als besonders hoch. Die Hälfte der Betroffenen, die sich bei der Landesstelle Glücksspielsucht melden, kommen aus Spielhallen, sagt Petra Eberle. Untersuchungen hätten gezeigt, dass es in Bayern 62.000 krankhafte und problematische Spieler gibt. Die Dunkelziffer ist hoch.

Carina Lechner

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