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Kein James Bond, aber auch kein Zufalls-Spion: Ex-BND-Mitarbeiter Markus R. (32) war ein scheuer und gehemmter Mann, aber kein naiver und unintelligenter Agent.

Nächste Woche wird plädiert

Spionage-Prozess gegen BND-Mann: So ahnungslos war er nicht

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München - Die Beweisaufnahme im Spionage-Prozess gegen den früheren BND-Mitarbeiter Markus R. (32) ist praktisch beendet. Am Montag erstattete Psychiater Prof. Henning Saß noch sein Gutachten, nächste Woche wird plädiert.

Die Diagnose des Sachverständigen kam äußerst zielgenau: Markus R. ist voll schuldfähig und: Die Rolle des Naiven und Tumben, die er präsentierte, spiegelt nicht wirklich seine Person wider. Der Angeklagte wirkte angesichts dieser Einschätzung zufrieden. Seine beiden Verteidiger Klaus Schroth und Wolfgang Lechner konnten dem nichts entgegensetzen. Ihren Mandanten hätten sie sicher lieber als unbedarft und unintelligent gesehen, doch Henning Saß nahm ihnen den Wind aus den Segeln.

Er bestätigte die Hirnschädigung des Angeklagten im Kleinkindalter – ungeklärt, ob durch eine Erkrankung oder einen Impfschaden. Doch dadurch habe der Angeklagte nur eine leichte Behinderung im körperlichen Bereich davongetragen. Der gemessene Intelligenz-Quotient präsentiere mit einem Wert von 82 keine Minder-, sondern eine durchschnittliche Intelligenz. Das zeige ja auch der ordentliche Realschulabschluss des 32-Jährigen.

Markus R.: Scheu, gehemmt, ging keine Bindungen ein

Das Bild, das der Psychiater dann vom Angeklagten zeichnete, war das, welches Markus R. auch in der Hauptverhandlung abgegeben hatte – allerdings in Nuancen abweichend. Demnach war der 32-Jährige ein scheuer, gehemmter Mann, der keine Bindung einging, nicht kontaktfreudig und jovial war. Der Ex-BND-Mitarbeiter hätte ein wenig Nervenkitzel und Abenteuer gesucht sowie sich nach Anerkennung gesehnt. Seine Zusammenarbeit mit dem amerikanischen Geheimdienst CIA zwischen 2008 und 2014 konnte er sehr wohl besser einordnen, als es zunächst den Anschein machte. Sein Verhalten in der Hauptverhandlung beweise diese These.

„Seine Mimik und eine gewisse Befriedigung, etwas geschafft zu haben, hätten diese Einschätzung deutlich wiedergegeben“, argumentierte Saß. Als Antrieb für die Spionage sprach der Psychiater von einem „Motivbündel“: Langeweile, Ärger, Kompensation und Selbstwerterhöhung hätten Markus R. zum Spion werden lassen. Vor seiner Freundin hätte er sich mit Aufschneiderei in eine bessere Position versetzt, anschließend aber einen sehr taktischen Umgang mit der Wahrheit gepflegt – was soviel heißt wie: Er flunkerte falsche Fakten vor, um aus einer unangenehmen Situation herauszukommen. Und er inszenierte seine Straftaten als große Dummheit, deren Ausmaße er nicht einzuschätzen vermochte.

Vor Plädoyer: Lebenslänglich sollte vom Tisch sein

Der Gutachter nahm ihm diese Nummer von Anfang an nicht ab. Bestätigt fühlte er sich durch das Verständnis des Angeklagten in die Abläufe der Spionagearbeit. Markus R. hatte im Laufe der Zeit erkannt, welche Akten interessant waren. Er erhielt auch gezielte Anfragen vom CIA, die er beantwortete. Seine Kontaktaufnahme mit den Russen, die schließlich zur Festnahme führte, war ein zusätzlicher Nervenkitzel.

Mitte März soll das Urteil fallen. Dem 32-Jährigen droht eine mehrjährige Haftstrafe. Lebenslänglich dürfte vom Tisch sein, nachdem das Oberlandesgericht seine Russland-Initiative zum versuchten Landesverrat heruntergestuft hat.

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