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Die Lauschkugeln von Bad Aibling: Es wächst Gras dazwischen, doch das Bild täuscht: Die Antennen sind in Betrieb.

Spionage mit Tradition

Wer hört mit in Bad Aiblings Abhöranlagen?

Bad Aibling - Wie riesige Golfbälle liegen sie in der Voralpenlandschaft: Neun Antennenanlagen sind das inoffizielle Wahrzeichen von Bad Aibling. Wer steckt dahinter? BND? NSA? Eine Recherche mit Hindernissen.

Die Fernmeldeweitverkehrsstelle der Bundeswehr in Bad Aibling (Landkreis Rosenheim) steht ganz offiziell im Telefonbuch. Aber auskunftsfreudig sind die Leute nicht. Erst wird im sonoren Bairisch freundlich „Grüß Gott“ gesagt, dann aber barsch abgewiegelt: „Keine Auskunft“ – schon ist aufgelegt. Etwas mehr sagt der Aiblinger Bürgermeister Felix Schwaller: „Klar, das ist eine Abhörstation. Wir leben aber ganz gut mit dieser Anlage.“ Freilich, es gibt Einschränkungen. Um die umzäunte Anlage sind im Radius von jeweils einigen hundert Metern drei Schutzgebiete definiert. Alles, was den Funkverkehr beeinträchtigen könnte, ist untersagt. Einen Handymast aufzubauen beispielsweise. „Aber das hat noch nie jemand beantragt“, sagt Schwaller. Wer die Anlage betreibt, dazu sagt der Bürgermeister nicht viel. Immerhin: „Ein Nachrichtendienst.“

Rückblick: 1952 übernimmt die US-Armee einen unter den Nazis gebauten Militärflugplatz in Bad Aibling-Mietraching. Die „Field Station F-81“ wird zur Abhörstation amerikanischer Geheimdienste. Ab 1971 betreibt sie die National Security Agency (NSA), die jetzt im Zuge der Affäre Snowden in aller Munde ist. 1994 übernimmt der amerikanische Militärgeheimdienst INSCOM die Einrichtung. Peilrichtung: Ost-Südost – Russland, Irak, Serbien. Die Leistung der in der weißen Schutzhülle verborgenen Parabolantennen soll so stark sein, dass Funkverkehr von Satelliten und U-Booten abgehört werden kann.

Ungefähr zur gleichen Zeit werden Vorwürfe laut, die USA nutze die Anlage auch für Wirtschaftsspionage gegen deutsche Unternehmen. „Ich war überrascht und empört“, erinnert sich der damalige Ministerpräsident Edmund Stoiber. Er beschwert sich beim Botschafter. Es muss hektische Aktivitäten gegeben haben. Der damalige Geheimdienstkoordinator Ernst Uhrlau interveniert, berichtet Erich Schmidt-Eenboom, der in Weilheim ein auf Geheimdienste spezialisiertes Institut betreibt. Die USA sichern 2001 zu, die Anlage zu verlegen. Die Anschläge vom 11. September verzögern das. Erst im Herbst 2004 werden die Amerikaner endgültig abgezogen – nach Großbritannien und Griesheim bei Darmstadt.

Seitdem nehmen viele an, dass die Anlage aufgegeben, gar an private Firmen verkauft worden ist. Dem aber, sagt Schmidt-Eenboom, ist nicht so. Denn da gibt es ja noch die ominöse Fernmeldeweitverkehrsstelle. Bürgermeister Schwaller kennt die Bezeichnung. Aber: „Was sich dahinter verbirgt, weiß ich nicht.“ „Das ist der Bundesnachrichtendienst“, sagt Schmidt-Eenboom. „Der hat die Station komplett übernommen.“ 118 Mitarbeiter – Stand 2005. Die Amerikaner hatten einst 1800. Mindestens seit 1988 sei der BND in Bad Aibling präsent, stets mit Wissen der Amerikaner, sagt Schmidt-Eenboom. „Sie haben zum Beispiel mit großem Erfolg den russischen Militärfunk abgehört und wichtige Einschätzungen beim Putschversuch gegen Gorbatschow 1991 geliefert.“

Der Bundesnachrichtendienst freilich – er weiß von nichts. „Sie dürfen davon ausgehen, dass wir in Bad Aibling keinen Standort haben“, erklärt der Pressesprecher. Und die Bundeswehr mit ihrer seltsamen Stelle? Bürgermeister Schwaller verweist auf die Wehrbereichsverwaltung, die sei Ansprechpartner. Kleines Problem: aufgelöst – die Behörde gibt es nicht mehr. Stattdessen ein neues Bundesamt für Infrastruktur. Dort verweist man auf das Bundesverteidigungsministerium, dort auf das Landeskommando München, dort auf die Streitkräftebasis in Bonn. Nur eine Auskunft, die gab es gestern nicht.

Von Dirk Walter

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