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Das Projekt BIG aus Erlangen hilft benachteiligten Frauen, in der Freizeit Sport zu treiben.

Integration durch Sport

Erlanger Projekt bewegt Frauen

Erlangen - Kein Geld, keine Zeit, keine Kinderbetreuung: Viele Frauen haben keine Chance, sich sportlich zu betätigen. Das Projekt BIG fördert nicht nur die Bewegung, sondern baut auch Vorurteile ab.

Ein für Frauen in schwierigen Lebenslagen gedachtes Sport-Projekt fördert zugleich deren Integration. Das vor zehn Jahren in Erlangen gestartete Projekt BIG (Bewegung als Investition in Gesundheit) führe letztlich dazu, dass etwa muslimische Frauen sich auch in Sportvereine wagten oder alleine - ohne ihre Männer - auf Ämter gingen, sagte der Sportwissenschaftler Alfred Rütten von der Universität Erlangen-Nürnberg am Montag.

Sein Institut hatte das Projekt mitentwickelt. Das Selbstbewusstsein der Frauen werde gestärkt, weil sie sich selbst in das Projekt einbringen könnten und es so genau auf ihre Bedürfnisse zugeschnitten werde.

Etwa 2000 Frauen bereits bei BIG dabei

BIG soll Frauen zu Bewegung bringen, die Sport bisher als nicht wichtig erachtet haben, oder die keine Zeit oder kein Geld dafür haben - etwa Alleinerziehende, Arbeitslose, Geringverdienerinnen oder Frauen mit ausländischen Wurzeln oder geringem Bildungsniveau. Oft scheitern deren sportliche Aktivitäten an hohen Kursgebühren, fehlender Kinderbetreuung und - gerade bei Musliminnen - an speziellen Angeboten nur für Frauen.

Über übliche Werbe-Kampagnen könne man diese Gruppe nicht ansprechen, sagte Rütten. „Über die klassischen Wege erreichen sie zu 95 Prozent Bessergestellte und praktisch keine sozial benachteiligten Gruppen.“ Frauen aus dem Programm sollen daher auf andere Frauen zugehen - wie etwa Meryem Karabel. Sie trägt ein Kopftuch und sagt, dass das die Sache für viele Musliminnen erleichtere. Beim Arzt, in der Moschee oder in der Kita spreche sie immer wieder Frauen auf das Programm an. Früher habe sie sich nie vorstellen können, dass sie in einen Sportverein reingelassen werde. Durch das Projekt habe jedoch auch sie viele Vorurteile abgebaut und sei offener geworden.

Durch das Projekt können die Frauen beispielsweise Sporthallen von Schulen oder Vereinen in ihrer Nähe nutzen, es entstanden spezielle Frauenbadezeiten in Schwimmbädern oder Fahrrad- und Fitnesskurse. In bundesweit 15 Städten haben sich inzwischen etwa 2000 Frauen an einem BIG-Programm beteiligt. Etwa die Hälfte von ihnen bewegt sich auch nach dem Programm noch regelmäßig in der Freizeit. Ziel ist es, das Projekt nun in mehr Städten zu etablieren.

dpa

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