Missbrauchprozess um BRK-Jugendleiter

Staatsanwalt fordert viereinhalb Jahre Haft

Schweinfurt - Viereinhalb Jahre Gefängnis fordert die Staatsanwaltschaft für einen ehemaligen Jugendleiter des Bayerischen Roten Kreuzes. Der Vorwurf: sexueller Missbrauch.

Er leitet jahrelang eine Jugendgruppe des Roten Kreuzes, ist beliebt und angesehen - doch mehrfach vergeht er sich an Jungen. Der geständige Angeklagte wartet nun auf das Urteil des Landgerichts Schweinfurt.

Der Angeklagte habe ein Vertrauensverhältnis zu den Kindern und ihren Eltern ausgenutzt, sagte Staatsanwalt Matthias Jakobeit am Donnerstag vor dem Landgericht Schweinfurt. Der 33-Jährige hatte vor Gericht Übergriffe auf zwei Jugendliche und ein Kind zugegeben. Er war damals in der Jugendarbeit des Roten Kreuzes im Landkreis Kissingen tätig. Die Verteidigung sprach sich für eine Hafstrafe von etwa drei Jahren aus. Das Urteil wird am Montag gesprochen.

Es geht um neun Fälle aus den Jahren 2010 bis 2012. Die Opfer waren damals 13 bis 15 Jahre alt, der Angeklagte kannte sie über sein Engagement in der Jugendarbeit des Roten Kreuzes im Landkreis Bad Kissingen. Er war dort als Vertrauensperson auch für den Umgang mit sexueller Gewalt geschult worden.

Der 33-Jährige habe immer wieder bewusst Situationen geschaffen, in denen er mit den Jungen allein war, argumentierte Jakobeit - zum Beispiel, indem er sie zu sich nach Hause einlud. Er soll seinen Opfern unter anderem Pornofilme gezeigt und ihren Penis angefasst haben. Im gravierendsten Fall soll es zu Oralverkehr gekommen sein.

Vor Gericht hatte der Angeklagte, der seit gut vier Monaten in Untersuchungshaft sitzt, zunächst geschwiegen. Am zweiten Prozesstag hatte er dann aber doch ein Geständnis abgelegt. „Er hat das Problem aus Nähe und Distanzwahrung nicht in den Griff bekommen“, sagte sein Anwalt. Zu den Übergriffen sei es spontan gekommen, nicht geplant. Dass der Ex-Jugendleiter auf die Frage nach den Gründen seines Verhaltens keine Antwort gab, sei keine Verweigerung, sondern eine Unfähigkeit - „weil ich davon ausgehe, dass er sich selber manches nicht erklären kann“. Reue oder eine Entschuldigung, die Staatsanwaltschaft und Nebenklage zuvor angemahnt hatten, äußerte der Mann auch zum Abschluss der Verhandlung nicht.

dpa

Rubriklistenbild: © dpa

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