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„Eine geistige Erkrankung liegt bei mir nicht vor.“ Gustl Mollath hat vor Gericht sein Schweigen gebrochen.

Prozess in Regensburg

Staatsanwalt hält Mollath für schuldig

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Regensburg - Jetzt spricht er doch: Gustl Mollath hat am vorletzten Prozesstag seine Unschuld beteuert. Er sei weder psychisch krank noch gefährlich. Stattdessen gebe es eine Intrige gegen ihn, seine Ex-Frau habe ihn „entsorgen“ wollen. Der Staatsanwalt fordert Freispruch – obwohl er Mollath für schuldig hält.

Schon eine Stunde vor Beginn des Prozesstages sitzt Gustl Mollath im Gerichtssaal 104 des Regensburger Landgerichts. Er blättert, gibt Interviews, spricht mit Fans, nur mit seinem Verteidiger spricht er nicht. Gerhard Strate betritt den Saal als einer der Letzten, gibt Mollath kurz die Hand, setzt sich auf seinen Platz. Mollath bleibt hinter seinem Stuhl stehen, beide schauen geradeaus. Es ist klar, hier gibt es nichts mehr zu besprechen.

Anwalt und Mandant haben sich im Lauf der ersten 14 Verhandlungstage so über die Strategie zerstritten, dass Strate nur noch an Mollaths Seite ist, weil ihn das Gericht dazu verpflichtet hat. Mollath handelt jetzt quasi auf eigene Gefahr. Mollath, der Mann, dem die Staatsanwaltschaft vorwirft, seine Ex-Frau verprügelt und eingesperrt zu haben, der Dutzende Reifen zerstochen haben soll und dafür sieben Jahre in der Psychiatrie saß, will heute reden.

„Die mir vorgeworfenen Straftaten habe ich nicht begangen“, sagt Mollath, „eine geistige Erkrankung liegt und lag bei mir nicht vor.“ Gefährlich sei er auch nicht. Am Anfang sind die Aussagen, die Mollath vom Blatt abliest, klar. Dann wird es komplizierter: Mollath sieht sich als Opfer einer Intrige. Seine frühere Frau Petra M. sei freiwillig aus dem fahrenden Auto gesprungen, habe die Verletzungen als Folge seines Angriffs ausgegeben, um von ihren Schwarzgeldgeschäften abzulenken, auf die er hinweisen wollte. Seine Frau habe ihn „kostengünstig entsorgen“, ihn „perfide durch Einweisung in die Psychiatrie aus dem Weg räumen“ wollen. Dabei sei in Wirklichkeit seine Frau krank, leide unter Wahnvorstellungen.

Auch aus der bayerischen Politik habe es Einflussnahmen in seinem Fall gegeben, um die Schwarzgeldgeschäfte zu vertuschen. Immer wieder schweift der 57-Jährige ab, spricht minutenlang über die Comicfiguren der „Peanuts“, dann beginnt Mollath wieder Beweisanträge zu stellen, will mehr Zeugen hören.

Als Mollath mit seiner Erklärung fertig ist, fragt ihn die Vorsitzende Richterin Elke Escher, ob er nicht noch etwas zum eigentlichen Vorwurf sagen will, zu dem Tag, an dem er seine Ex-Frau schwer misshandelt haben soll. Mollath verweist nur auf die Akten, sagt, er habe schon erklärt, dass er sich gewehrt habe. „Jetzt ist es für mich mal gut.“ Das zumindest sieht das Gericht ähnlich und lehnt alle Beweisanträge ab. Es seien keine neuen Informationen mehr zu erwarten.

Am Nachmittag beginnt Oberstaatsanwalt Wolfhard Meindl sein Plädoyer, und er will es offenbar ganz genau machen. Quälend detailliert geht er vier Stunden lang alle Vorwürfe und Zeugenaussagen noch einmal durch. Es gehe um die Frage, ob man hier einen Rosenkrieg oder ein Komplott, „einen Vernichtungsfeldzug der Ehefrau“ verhandle. Der Staatsanwalt spielt auch die Verschwörungstheorie durch, nennt die zahllosen Beteiligten, die wissentlich involviert hätten sein müssen. „Was spricht nun gegen diese Hypothese?“, fragt Meindl und gibt selbst die Antwort: „Das Ergebnis der Beweisaufnahme.“ Für ihn gebe es keinen Zweifel, dass Mollath die Taten begangen hat. „An das Komplott kann glauben wer will, ich bin Jurist und ich muss mich mit den objektiven Gegebenheiten befassen.“ Es gebe auch keinen Anhaltspunkt, dass Mollath tatsächlich krank gewesen und deshalb nicht für seine Taten verantwortlich sei.

Doch weil ein Angeklagter in einem Wiederaufnahmeverfahren nie schlechter gestellt werden darf als im Originalprozess, fordert Oberstaatsanwalt Meindl am Ende keine Strafe, sondern etwas, das für Nicht-Juristen völlig absurd klingt: Das Gericht soll Mollath schuldig sprechen und dennoch freisprechen. Sogar eine Entschädigung für die Jahre in der Psychiatrie stehe Mollath zu. Zumindest im Ergebnis dürfte ihm da sogar dessen Verteidiger zustimmen.

Doch der will einen Freispruch ohne Schuldspruch: „Gustl Mollath ist ohne Wenn und Aber freizusprechen“, sagt Strate. Er verweist insbesondere auf Widersprüche in den Aussagen der Ex- Frau und darauf, dass sich Mollaths Schwarzgeldvorwürfe in wesentlichen Teilen bewahrheitet haben. Das ursprüngliche Urteil bezeichnet er als das „schlimme Versagen der Nürnberger Justiz und die Katastrophe des Gustl Mollath“.

Mollath greift in seinem letzten Wort am späten Freitagabend erneut seine Ex- Frau, die Justiz und die Psychiatrie an. „Wenn der brave Bürger und Steuerzahler alles wüsste, gäbe es sogar in Bayern eine Revolution“, sagt er. „Ich bitte Sie um ein gerechtes Urteil, für das sich niemand schämen muss.“ Das Urteil fällt am Donnerstag.

Von Philipp Vetter

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