Prozess in Traunstein

Staatsanwaltschaft fordert hohe Haftstrafen für syrische Schleuser

Im September 2015 sterben 13 Menschen auf dem Mittelmeer, als ihr Schlauchboot von einem Frachtschiff gerammt wird. Nun stehen drei Menschen vor Gericht - die Staatsanwaltschaft fordert hohe Haftstrafen.

Traunstein - Sie hofften auf ein besseres Leben und wollten sich über das Mittelmeer nach Europa schleusen lassen, doch das Schlauchboot stieß mit einem Frachtschiff zusammen und mindestens 13 der Flüchtlinge an Bord starben. Deshalb stehen zwei Mitglieder der syrischen Schleuserbande und ein Helfer in Traunstein vor Gericht. Mit den Plädoyers am Dienstag näherte sich der Prozess dem Ende. Die Staatsanwaltschaft forderte hohe Haftstrafen für die drei Männer aus Syrien. Das Urteil soll an diesem Freitag gesprochen werden.

Den 27 Jahre alten Hauptangeklagten will die Staatsanwaltschaft für zwölf Jahre und sechs Monate hinter Gitter sehen, den Bootsführer (24) für sechs Jahre und sechs Monate und den dritten Angeklagten (34), der sich hauptsächlich um finanzielle Dinge kümmerte, für dreieinhalb Jahre. Bei letzterem ergäbe sich unter Einbeziehung einer Vorstrafe eine Gesamtstrafe von viereinhalb Jahren. Die Verteidigung dagegen hält für den 27-Jährigen drei Jahre Haft für ausreichend, beim Bootsführer plädierte sie auf Freispruch oder ersatzweise auf eine Bewährungsstrafe, beim dritten forderte sie ebenso Freispruch.

Die Schleuserfahrten hatten vom türkischen Izmir über das Mittelmeer nach Griechenland geführt. Die Anklageschrift hatte zwischen Juli und November 2015 sechs Fahrten mit zusammen rund 250 Menschen aufgelistet, überwiegend syrische Landsleute aus einem Flüchtlingslager in Aleppo. Pro Flüchtling wurden bis zu 1000 Euro kassiert. Das Verfahren findet in Traunstein statt, weil mindestens einer der Angeklagten zum Zeitpunkt seiner Festnahme 2016 in dem Gerichtsbezirk wohnte. Die Anklage lautet auf gewerbs- und bandenmäßiges Einschleusen von Ausländern mit Todesfolge.

dpa

Rubriklistenbild: © dpa

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