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Thukydides, Homer, Aristoteles und Hippokrates wachen über den Eingang zur Stabi an der Ludwigstraße in München. Sie ist mit jährlich 1,1 Millionen Besucher die Landesbibliothek in Bayern.

Untreue vorgeworfen

Ermittlungen bei der "Stabi"

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München - Ermittlungen bei der Bayerischen Staatsbibliothek in München: Einem ehemaligen Bediensteten wird Untreue im großen Stil vorgeworfen. Der Fall vermasselt dem Leiter der altehrwürdigen Institution die Vertragsverlängerung.

Die Staatsanwaltschaft München I gibt sich wortkarg: „Es trifft zu, dass ein Ermittlungsverfahren gegen einen Bediensteten der Bayerischen Staatsbibliothek wegen des Verdachts der Untreue läuft.“ Mehr will oder darf Staatsanwalt Peter Preuß zu dem Fall „mit Rücksicht auf die laufenden Ermittlungen“ nicht sagen. Sicher ist: Bereits seit Oktober 2012 ist die Staatsanwaltschaft mit der Sache befasst, nachdem die Bibliothek, die in Studentenkreisen nur als „Stabi“ bekannt ist, den Fall ein halbes Jahr zuvor angezeigt hatte. Im Fokus der Ermittlungen steht ein ehemaliger Verwaltungsleiter, der heute im Ruhestand ist. Der Beamte soll unzulässigerweise Kopieraufträge an eine Firma vergeben haben, an der seine Ehefrau beteiligt war. Nach Informationen unserer Zeitung könnte der entstandene Schaden für die Stabi, die die zentrale bayerische Landesbibliothek ist, im hohen sechsstelligen Bereich liegen. Inwieweit von dem Fall noch weitere Personen betroffen sind, ist unklar. In einem Vermerk des damaligen Ministers Wolfgang Heubisch zum Haushalt des Wissenschaftsministeriums aus dem Jahr 2013 ist von „strafrechtlichen Verfahren“ die Rede. Auch disziplinarrechtlich wird gegen den leitenden Regierungsdirektor ermittelt, bestätigt das bayerische Kultus- und Wissenschaftsministerium. Vom Verweis über eine Geldstrafe bis (im Extremfall) eine Herabstufung ist alles denkbar – auch eine Kürzung des Pensionsgehaltes. Besonders betrübt über die Ermittlungen dürfte der Leiter der Staatsbibliothek sein: Rolf Griebel (64) kann in diesem Jahr sein zwanzigjähriges Dienstjubiläum in dem Haus feiern, seit 2004 ist er der Generaldirektor und damit der Herr über fast zehn Millionen Bände. Sein Vertrag läuft zum Jahresende aus, weil er dann 65 Jahre alt ist. Dem Vernehmen nach hatte Griebel damit geliebäugelt, ein oder gar zwei Jahre dran- zuhängen. Das jedoch ist nun nicht mehr möglich. Zwar hat Griebel keine straf- oder disziplinarrechtlichen Konsequenzen zu befürchten, jedoch hat man ihm im Ministerium eine Vernachlässigung der Aufsichtspflichten vorgehalten. Seine Stelle wird daher an einen Nachfolger vergeben werden, nach der üblichen dreimonatigen Sperre wahrscheinlich zum 1. April 2015. „Wir gehen davon aus, dass die Stelle im Ausschreibungsverfahren neu besetzt wird“, sagte der Sprecher des Kultus- und Wissenschaftsministeriums.

Dirk Walter

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