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Jede Menge Holz: Das Geschäft mit dem Wald ist in diesem Jahr für den Freistaat lohnend wie noch nie.

Staatsforsten mit Rekordgewinn

München - Keine Stürme, kaum Schädlinge, gute Holzpreise: Das vergangene Geschäftsjahr war das beste seit Gründung der Staatsforsten. Trotzdem sucht das Unternehmen ein zweites Standbein: die Windkraft.

Was langweilig klingt, lässt die Kasse des Finanzministers klingeln: Das vergangene Geschäftsjahr war für die Bayerischen Staatsforsten ein „ganz normales Jahr“, sagte der Vorstandsvorsitzende Rudolf Freidhager am Freitag in München. Witterung, Schädlingsbefall, alles im grünen Bereich. Am Ende steht das beste Ergebnis des Unternehmens seit seiner Gründung vor sechs Jahren. 63 Millionen Euro überweisen die BaySF an die Staatskasse. Das sind fast 12 Millionen mehr als im Vorjahr.

Die hohe Nachfrage ließ die Holzpreise steigen, die Bedingungen waren denkbar gut: Schadensträchtige Stürme blieben aus, der Winter war streng. Zwar war das Frühjahr zum Teil extrem trocken, ausgerechnet in der Zeit, wenn die jungen Bäume gepflanzt werden. Dazu kam ein unbequemer Spätfrost. Allerdings hielt sich der Schaden in Grenzen – und es regnete rechtzeitig ausreichend, so Freidhager. Dem Borkenkäfer passte das alles gar nicht, weshalb die Schadholzmenge mit nur 440 000 Festmetern historisch gering war. Zum Vergleich: 2007, dem schadensreichsten Jahr in der noch jungen Geschichte des Unternehmens, war die Menge mit 3,9 Millionen Festmetern Schadholz um ein vielfaches größer.

So fantastisch das Ergebnis mit einem Umsatz von 353,1 Millionen Euro (Vorjahr 332 Millionen) auch ist, wollen die Staatsforsten sich nicht auf das dominante Geschäft mit dem Holz verlassen. Auch in anderen Bereichen wolle man Tritt fassen, so Freidhager. Größtes Projekt: die Energiewende.

Die spielt den Staatsforsten in vielerlei Hinsicht in die Hände. Ein Bereich ist die Windkraft. Bei den Bilanzpressekonferenzen der Staatsforsten in den vergangenen Jahren kam man eher ungern auf das Thema zu sprechen – dass das Unternehmen schon 2007 mehr als 130 Standortsicherungsverträge für entsprechende Anlagen abgeschlossen hatte, war gelinde gesagt nicht überall auf Euphorie gestoßen. Jetzt spricht Agrarminister Helmut Brunner, der Aufsichtsratsvorsitzender der BaySF ist, nicht ohne Stolz von einer „Vorreiterrolle“, die die Staatsforsten bei der Windkraft einnehmen können. „So dreht sich der Wind“, sagte Brunner. Er betonte aber erneut, dass die BaySF Flächen für Windparks nur dort zur Verfügung stellen, wo sich die Kommune eindeutig dafür ausspricht – bevorzugt seien Bürgerbeteiligungsmodelle. Im Rahmen der Energiewende sollen in Bayern 1500 Windräder entstehen, 1000 hätten auf dem Gebiet der Staatsforsten Platz, sagt Freidhager. „Das entspricht sechs Millionen Megawattstunden Strom und damit in etwa der Leistung des Atomkraftwerks Grafenrheinfeld.“ Derzeit betreibt das Staatsunternehmen in Nordbayern zwei Windparks mit je fünf Rädern.

Während die BaySF bei der Windkraft großes Potenzial wittern, ist das Geschäft mit der Biomasse ausgereizt. „Vor fünf Jahren wussten wir nicht, wohin mit dem Brennholz“, sagte Brunner. Dann schossen öffentliche wie private Biomasse- und Hackschnitzel-Kraftwerke wie Pilze aus dem Boden. Jetzt werden 900 000 Festmeter staatliches Brennholz und Hackgut verheizt – viel mehr geht nicht, wenn der Wald nachhaltig und naturnah bewirtschaftet werden soll. Auch von der anziehenden Baukonjunktur profitieren die BaySF: „Holz liegt voll im Trend, auch im Hochbau“, sagte Freidhager. Achtstöckige Häuser würden bereits gebaut, Holzgebäude mit 30 Stockwerken seien keine Zukunftsmusik mehr – in Österreich gäbe es konkrete Pläne.

Auch ökologische Erfolge vermelden die Staatsforsten: Der Waldumbau, der wegen des Klimawandels notwendig ist, zeige erste Erfolge: „Der Anteil von Laubholz ist in den jungen Altersklassen deutlich höher“, sagte der zuständige Vorstand Reinhard Neft. Insgesamt wurden im vergangenen Jahr auf einer Fläche von 2224 Hektar Neukulturen angelegt – zu wenig, kritisiert der Bund Naturschutz. BN-Chef Hubert Weiger forderte die Staatsforsten auf, die Überschüsse „endlich in die Sanierung der Staatswälder zu investieren“. Angesichts des Klimawandels würde der Waldumbau zu langsam fortschreiten.

Von Carina Lechner

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