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Kein Schwertransport ist für den Mini-Maibaum notwendig, den der Gauverbands-Delegierte der Burschen- und Arbeitervereine aus dem Chiemgau und dem Rupertiwinkel, Georg Daxenberger (r.), mit in die Staatskanzlei brachte. Es reichte, dass Max Bertl mit anpackte, der Vorstand des Bayerischen Trachtenverbands. Er hält den neuen Vereins-Leitfaden in der Hand.

Staatskanzlei gibt Broschüre heraus

Feiern trotz Paragrafen: Bürokratie-Leitfaden für Vereine 

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Ein Vereinsfest auszurichten ist gar nicht so einfach. Denn für öffentliche Veranstaltungen gelten viele strikte Vorschriften, die es einzuhalten gilt. Für den besseren Durchblick hat die Staatskanzlei nun einen Leitfaden erstellt.

München – Nicht weniger als die Rettung von bayerischem Brauchtum und Ehrenamt stand auf dem Spiel, als Marcel Huber am Freitag zum Weißwurstessen in die Staatskanzlei bat. Diesen Eindruck verbreitete jedenfalls der Hausherr: „Damit Bayern Bayern bleibt“, unterstrich der CSU-Minister die Bedeutung seiner Mission vor gut zwei Dutzend Delegierten von Burschen- und Trachtenvereinen. Der Gegner: die Bürokratie beim Ausrichten von Vereinsfesten. Denn dabei muss man sich auskennen – nicht nur mit Tradition und Brauchtum, sondern auch mit Allergentabellen, Jugendschutz und Urheberrecht.

Bei der Masse an Regeln, Vorschriften und Gesetzen, die für öffentliche Veranstaltungen gelten, kann selbst dem größten Organisationstalent schwummrig werden. Damit das Vereinsleben im Paragrafen-Wust nicht auf der Strecke bleibt, hat die Bayerische Staatskanzlei nun eine Broschüre herausgegeben: Auf 44 Seiten erklärt der „Leitfaden für Vereinsfeiern“ die wichtigsten Vorgaben, an die sich Burschen- und Trachtenvereine, Feuerwehren und Pfarrgemeinden bei ihren Festen halten müssen. „Ohne Vereinsfeste wäre Bayern nicht mehr Bayern“, hält Huber fest.

Ein paar der Hefte hat sich Hans Plank, 30, Burschen-Chef von Eggstätt (Kreis Rosenheim), schon eingesteckt – für die nächste Vorstandssitzung. Bei Discopartys seines Vereins treibt ihn die Frage nach der Haftung um. „Wenn sich jemand mit falschem Ausweis einschleicht und etwas passiert, dann hängst du als Veranstalter mit drin“, sagt er. „Alles kann man nicht kontrollieren.“

Viele Vorschriften „schwierig bis gar nicht umsetzbar“

Auf Mission gegen Bürokratie im Ehrenamt sieht sich Staatskanzleichef Marcel Huber (CSU).

Entstanden ist die neue Broschüre gemeinsam mit Trachten- und Burschenverbänden, die die wichtigsten Rechtsfragen gesammelt haben. Viele Vorschriften seien „in der Praxis schwierig bis gar nicht umsetzbar“, kritisiert Georg Daxenberger aus dem Gauverband der Chiemgauer Burschen und Arbeiter. Wie die Schwertransportgenehmigung, die bis zum vergangenen Jahr eigentlich auch Maibaum-Diebe gebraucht hätten. Oder die Genehmigungspflicht für Tombolas mit kleinen Sachpreisen – die der Staatskanzleichef als nächstes abschaffen will.

Die bürokratischen Hemmnisse treiben auch Max Bertl, den Vorsitzenden des Bayerischen Trachtenverbandes, um. Früher habe man bei einem Trachtenumzug zwei Verkehrsschilder aufstellen müssen, heute seien es zwanzig. Generell verteufeln will er diese Entwicklung aber nicht. „Wenn etwas passiert, rufen die Leute nach dem Staat und nach mehr Regeln“, sagt Bayerns oberster Trachtler. Man brauche sich nicht zu wundern, dass immer mehr Verordnungen herauskämen. Hauptsache, man verliert nicht den Überblick, findet Bertl und lobt die neue Broschüre: „Es ist eine Erleichterung, wenn man auch einmal an die rechtlichen Grenzen gehen kann, statt sich aus Unsicherheit immer in der Mitte zu bewegen.“

Fast noch besser findet Bertl aber das „Sorgentelefon Ehrenamt“, das es bereits seit vergangenen Herbst gibt. Bei Bürokratie-Problemen können Ehrenamtler unter (0 89) 12 222 12 direkt in der Staatskanzlei anrufen. Hubers offenes Ohr kommt bei den Vereinen an: Zum Dank bekam er aus dem Chiemgau einen drei Meter hohen Mini-Maibaum fürs Foyer der Staatskanzlei.

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