Stadt kämpft gegen Sex-Tourismus aus Österreich

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Rosenheim - Wer im Südosten Oberbayerns nach einem Bordell sucht, der findet es in Rosenheim – dort hat sich in den vergangenen Jahren eine regelrechte Rotlichtmeile etabliert. Die Stadt hat ihr den Kampf angesagt.

Rot blinkende Herzen oder Lamperl leuchten den Freiern den Weg. Die Parkplätze liegen oft diskret, man läutet bei einem Klingelschild, das einen normalen Nachnamen trägt. Die Bordelle selbst tragen so neckische Namen wie „Bienenkörbchen“ oder „Golden Girls“. Spötter sprechen schon von der „Rotlichtmeile“ in der Rosenheimer Innenstadt. Andere von der „Puff-Stadt“ Rosenheim. Tatsächlich floriert das Geschäft mit Sex und Erotik in der Inn-Stadt mehr denn je.

Das hat seinen Grund. Laut einer bayerischen Verordnung aus dem Jahr 1989 darf die Prostitution nur in Städten mit mehr als 30.000 Einwohnern ausgeübt werden. Und Rosenheim ist die einzige Stadt im Alpenvorland zwischen Salzburg und München, die mehr als 30.000 Einwohner hat, sogar das doppelte. Damit hat sie ein großes Einzugsgebiet für Sex-Tourismus, das bis weit nach Österreich hinein reicht. Im Internet-Reiseführer „Wikitravel“ heißt es: „Prostitution ist in Rosenheim deutlich überproportional vorhanden.“ Schätzungen gehen von 20 bis 25 Bordellen aus, in denen jeweils mehrere Prostituierte arbeiten. Hinzu kommen wohl noch einmal an die 25 Wohnungsprostituierte – dabei kommen die Freier zu den Frauen nach Hause. Genau weiß es keiner, die Dunkelziffer ist wahrscheinlich höher. Sobald ein Etablissement dicht gemacht wird, eröffnet schon das nächste. Die Nachfrage scheint da zu sein.

Der Ruf der Stadt leidet

Die grundsätzliche Zulässigkeit der Prostitution bedeutet jedoch nicht, dass man einfach so ein Freudenhaus aufmachen darf. Es kann nur in sogenannten Kern- und in Gewerbegebieten genehmigt werden. In allen Gebieten, in denen Wohnen erlaubt ist, ist das horizontale Gewerbe verboten. Doch das interessiert viele Vermieter und Bordell-Betreiber nicht. Ist die Innenstadt doch attraktiver als ein schnödes, abgelegenes Gewerbegebiet. Die Nachbarn finden das nicht lustig. Und beschweren sich bei der Stadt, erklärt Michael Kettenstock, Leiter des Bauordnungsamtes: „Sie sagen: Schaut mal nach, was da passiert.“

Seit 2007 hat die Stadt Rosenheim der Prostitution den Kampf angesagt. Damals erhielt die Verwaltung einen klaren politischen Auftrag: Konsequent gegen zu viel Rotlicht in der Stadt vorzugehen. „Man kann nicht allgemein den Saubermann spielen und sagen: Es darf keine Bordelle geben“, sagt Kettenstock. „Aber man kann sie bekämpfen, wo es zum Problem wird.“ Vor allem dort, wo es stört. Und dort, wo es wegen der Häufung schon zum Strukturproblem wird. „Das sind Straßen, die dem Wohnen und dem attraktiven Einkaufen dienen sollen.“ Auch der Ruf der Stadt leidet. Für eine Schul-, Ausbildungs- und Einkaufsstadt wie Rosenheim sei die viele Prostitution „nicht Image-fördernd“, findet Kettenstock. Vor allem Neugründungen greift die Stadt derzeit an. „Damit sind wir gut beschäftigt.“

Der nächste Fall liegt schon beim Verwaltungsgericht

Wenn die Stadt ein Freudenhaus verbietet, ziehen Betreiber oder Vermieter oft vor Gericht. Regelmäßig stehen Rosenheimer Bordelle auf der Tagesordnung des Verwaltungsgerichts München, das in den vergangenen fünf Jahren acht Mal der Kommune Recht gegeben hat. Im Mai 2011 reiste eine ganze Gerichtskammer unter Präsident Harald Geiger an den Inn und inspizierte das „Bienenkörbchen“ – das grüne Zimmer, mit dem goldenen Herzen an der Wand; das schwarz-goldene Sado-Maso-Zimmer. „Die Sache ist doch klar“, sagte Geiger. „Das Haus liegt in einem Wohnmischgebiet, und dort dürfen keine bordellähnlichen Einrichtungen betreiben werden.“

Genauso erging’s den „Golden Girls“, denen das Gericht im Dezember den Laden zusperrte. Die Nachbarn des Etablissements, eine Volkshochschule und ein Wohnhaus mit 34 Mietern, atmeten auf. Andere Bürger müssen noch ein bisschen warten. Doch der nächste Fall liegt schon bei den Verwaltungsrichtern auf dem Tisch.

Von Nina Gut

Rubriklistenbild: © dpa (Symbolbild)

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