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Wachwechsel: Kurt Gribl (li.) folgt auf Ulrich Maly.  

Nach sechs Jahren CSU-Vorsitz

Städtetag bald wieder in CSU-Hand

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München/Augsburg – Für die Bayern-SPD kommt es derzeit knüppeldick: Umfragetief, ein OB im Gefängnis – und nun steht auch noch ein Wechsel im Städtetag an: Der derzeitige Präsident, der Nürnberger OB Maly (SPD), gibt sein Amt an den Augsburger Kollegen Gribl (CSU) ab.

Der Wechsel ist schon länger abgesprochen, aber bisher kaum publik: Nach sechs Jahren an der Spitze des Bayerischen Städtetags endet eine kleine Ära: der Nürnberger Ulrich Maly übergibt sein Amt an den bisherigen stellvertretenden Städtetags-Vorsitzenden Kurt Gribl, der seit 2008 Oberbürgermeister von Augsburg ist. Die Wahl ist am 12./13. Juli in Rosenheim. Sie dürfte Routine sein, denn der Städtetags-Vorsitz wechselt turnusgemäß zwischen der Gruppe der parteipolitisch schwarzen, roten und neutralen Bürgermeister hin und her. Eigentlich hätten der SPD 2011, als Maly dem damaligen Regensburger OB Hans Schaidinger (CSU) als Städtetags-Chef nachfolgte, nur drei Jahre zugestanden. Doch für den populären Nürnberger stimmte bei der Wahl 2014 auch die Gruppe der parteilosen und den Freien Wählern nahestehenden Bürgermeistern.

Nach sechs Jahren endet nun aber die Amtszeit unwiderruflich – denn die CSU ist keineswegs gewillt, bei der anstehenden Wahl auf ihr Vorschlagsrecht zu verzichten. Seit 2008 hat sie in Augsburg einen Hoffnungsträger, den ehemaligen Rechtsanwalt Kurt Gribl, der das Amt des OB seinerzeit als Quereinsteiger gegen einen SPD-Amtsinhaber erobert hatte

Gribl war der CSU erst nach der Wahl beigetreten, hat also nicht die übliche Ochsentour durch die Parteigremien hinter sich. Er steht für eine großstädtische, aufgeschlossene CSU und führt im Rathaus weitgehend geräuschlos eine Art Koalition aus CSU, SPD und Grünen. Nach anfänglichen CSU-internen Querelen fällt nurmehr die Sacharbeit im Augsburger Rathaus auf. Aufsehen erregte, dass Augsburg (und Gribl) der Staatsregierung den Umbau des städtischen Klinikums zum zweiten staatlichen Uni-Klinikum abtrotzte. Für die Innenstadt gibt es ein neues, autofreies Verkehrskonzept, Gribl setzte die Sanierung des städtischen Theaters durch und machte sich bundesweit bekannt, als er Anfang vergangenen Jahres der Scharfmacherin Frauke Petry einen Auftritt beim AfD-Neujahrsempfang im Augsburger Rathaus verbieten wollte – er unterlag allerdings vor Gericht.

Ulrich Maly spricht respektvoll nur vom „Kurt“, die beiden duzen und schätzen sich. Der „Kurt“ also sei „ein guter Typ“, der das Amt streng sachlich auslegen werde, formuliert Maly. Ob Gribl an die Ära des legendären Landshuter OB Josef „Dick“ Deimer anschließen kann, der den Städtetag 30 Jahre führte und regelmäßig bei CSU-Größen wie Franz Josef Strauß aneckte, ist allerdings offen. Zumindest kann Gribl (sofern er als OB wieder gewählt wird) 2020 auf eine Wiederwahl hoffen – denn der CSU steht das zweimalige Vorschlagsrecht zu. Die CSU hat allerdings vorgebaut und Gribl (anders, als es bei Deimer der Fall war) in der Partei fest integriert: Er ist 2015 zum stellvertretenden Parteivorsitzenden im CSU-Präsidium aufgerückt. „Gribl wird von Seehofer immer wieder gelobt“, heißt es. Ob das Lob nach seiner Wahl zum Städtetags-Chef anhält, wird sich zeigen.

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