Prozess am Landgericht München

Stalker soll Sprengstoffanschlag geplant haben

München - Ein 41 Jahre alter Jurist steht derzeit in München vor Gericht: Er soll eine ehemals befreundete Familie gestalkt - und sogar einen Sprengstoffanschlag vorbereitet haben.

Der mutmaßliche Stalker hat den Auftakt seines Prozesses am Landgericht München mit mehreren Anträgen der Verteidigung verzögert. Die Staatsanwaltschaft wirft dem Juristen unter anderem Vorbereitung eines Explosionsverbrechens und Nachstellung vor.

Er soll zwei ehemalige Kommilitoninnen mit seiner unerwünschten Aufmerksamkeit bedrängt haben, im Fall der zweiten Frau waren auch deren Mann und zwei Töchter betroffen. Laut Anklage plante der 41-Jährige gegen die Familie einen Sprengstoffanschlag. Bei einer Durchsuchung fand die Polizei in seiner Wohnung Chemikalien, die sich zur Herstellung von großen Mengen Sprengstoff eigneten.

Der Angeklagte ist seit August 2013 vorläufig in einer psychiatrischen Klinik untergebracht. Nach dem bisherigen Gutachten eines Psychiaters ist er wegen einer Persönlichkeitsstörung infolge Abhängigkeit von mehreren Suchtstoffen nur vermindert schuldfähig. Die Verteidigung rügte am Montag die Unzuständigkeit der Strafkammer: Die Staatsanwaltschaft habe dem Mann zunächst auch ein Rauschgiftdelikt vorgeworfen, das laut Gerichtsverteilungsplan bei der Zuweisung einer Anklage Vorrang hat und vor eine andere Strafkammer geführt hätte. Außerdem lehnte der Verteidiger die Berufsrichter ab.

Nach Zurückweisung der Anträge will Anwalt Adam Ahmed Beschwerde beim Bundesverfassungsgericht erheben. Die Verhandlung wurde weiter verzögert, weil der Verteidiger die Verletzung des rechtlichen Gehörs anprangerte.

Die Familie, die den Angeklagten angezeigt hatte, war mit diesem ursprünglich befreundet, er war sogar Taufpate der jüngeren Tochter. Dessen Verhalten empfanden Eltern und Kinder laut Anklage als „zunehmend problematisch“, sie gingen auf Distanz. Als die Situation sich 2013 zuspitzte, soll er eine E-Mail mit einer Todesdrohung geschickt haben. Der 41-Jährige habe aus Frustration und „tiefer Kränkung“ einen Anschlag auf die Familie geplant und die Sprengstoffe ferner zur Abwehr etwaiger Polizeimaßnahmen einsetzen wollen, meint die Anklagebehörde.

dpa

Rubriklistenbild: © picture alliance / dpa

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Forscher suchen den „Superbaum“ für Bayerns Städte
Bäume in der Stadt leiden extrem unter Autoabgase, Hitze, Frost und Trockenheit. In Zukunft wird es in Innenstädten immer weniger Bäume geben. Experten suchen nach einem …
Forscher suchen den „Superbaum“ für Bayerns Städte
Rathausbrand Dillingen: Kripo nimmt Ermittlungen auf 
Das Alte Rathaus der schwäbischen Stadt Dillingen ist ausgebrannt. Zwei Tage nach dem verheerenden Feuer hat das Landeskriminalamt erstmals den Brandort untersuchen …
Rathausbrand Dillingen: Kripo nimmt Ermittlungen auf 
Fußgänger bei Blitzmarathon von Polizei gestoppt
Neben Temposündern ist bei einem Blitzmarathon ein Fußgänger Maßkrughut auf dem Kopf ins Visier der Beamten geraten.
Fußgänger bei Blitzmarathon von Polizei gestoppt
Todesdrama auf A3: Lkw zerquetscht Wohnmobil - Familienvater tot
Furchtbares Ende eines Urlaubs: Ein Lkw rast auf der A3 in Nordbayern ungebremst auf das Stauende zu und zerquetscht ein Wohnmobil völlig. Der Vater stirbt, seine …
Todesdrama auf A3: Lkw zerquetscht Wohnmobil - Familienvater tot

Kommentare